Bekloppte Werbesprüche – ich bin doch nicht blöd!

Zu richtig bekloppter (= dämlicher, merkwürdiger, bescheuerter) Werbung gehört auch ein bekloppter Spruch, der sich in die tiefsten Hirnareale frisst und sich für immer dort einnistet und dabei irreparablen Schaden anrichtet, der fast so groß ist wie der Schaden vom Zott-Sahne-Joghurt-Song (Hinein ins Weekend-Feeling…) oder der vom Danone-Song (Dany Sahne, von Danone, davon krieg‘ ich nie genug…) oder der von der Rügenwalder Mühlenwurst „aus dem Buchenrauch“ (Feierabend, wie das duftet…). Manchmal glaube ich, dass ich diverse Slogans souveräner aufsagen kann als das kleine Einmaleins. Dieses altbekannte „Weil ich es mir wert bin“, „Weil Sie es sich wert sind“, „Wir sind es uns wert“ gehört ja irgendwie gefühlt zu jeder Haarprodukt- oder Kosmetikwerbung, tatsächlich ist das aber seit über 40 Jahren DER Spruch aus dem Hause L’Oréal, erfunden von einer kleinen Werbetexterin und bis heute ungeklaut.

Was mich aber noch mehr nervt als „Geiz ist geil“, „Wohnst du noch oder lebst du schon“, „Nur echt mit 52 Zähnen“, „Da werden Sie geholfen“, „Waschmaschinen leben länger mit…“ etc., sind die Werbespots auf Englisch. Nicht, weil ich englisch nicht mag oder sprechen würde, sondern weil ich immer den Eindruck habe, dass der Spot „zu Hause“ gedreht wurde und sich keiner die Mühe machen wollte, das zu synchronisieren – kostet ja Geld. Für die dummen Verbraucher in Deutschland lohnt sich ja der ganze Aufwand gar nicht, oder was!? Von diesem Eindruck, der da unweigerlich entsteht, einmal abgesehen, glauben viele Marken wahrscheinlich, dass es irgendwie cooler oder stylisher oder zeitgemäßer ist, wenn man den Slogan oder gleich den gesamten Spot in einer anderen Sprache wiedergibt. Auf mich wirkt es jedoch unheimlich lächerlich und irgendwie gewollt, aber nicht gekonnt.

Ein bisschen wirkt das künstliche Ge-englische auf mich wie Till Schweigers verzweifelte Versuche, mit englischsprachigen Sätzen in seinen Filmen internationaler oder cooler zu wirken, was nur leider nicht klappt. Ich weiß noch, wie in „Schutzengel“ der ganze Kinosaal vor Lachen am Boden gelegen hat, als er am Ende seinem Gegner todernst ins Telefon entgegen raunte: „Don’t fuck the wrong people!“

16 Gedanken zu “Bekloppte Werbesprüche – ich bin doch nicht blöd!

  1. Ja, da hast Du sowas von Recht – manche Werbesprueche sind auch Jahre spaeter noch so gaengig, dass sie sich sogar in die Umgangssprache durchsetzen wie etwa „Da werden Sie geholfen“ oder „Weil ich es mir wert bin“, oder, weisst Du noch „Paul? Wer ist eigentlich Paul?“

    „Weil ich es mir wert bin“ finde ich irgendwie clever, denn es schwingt irgendwie mit: „Oder etwa nicht??“

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    • Bei der Kurzrecherche zu dem „Weil ich es mir wert bin“ habe ich gelesen, dass in anderen Ländern häufiger Kritik kam, weil es so aufgefasst wurde, dass wenn eine Claudia Schiffer oder irgendein Start diesen Satz sagt, er suggeriert, dass nur er es wert ist…

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      • Oh, das finde ich aber ueberhaupt nicht. Und auch nicht nach dem Motto „Sei froh dass Du Millionaerin bist!“ Ich sehe es eher als (wohl ebenfalls eher nicht positive) Suggestion: wenn Du was auf Dich haelst, dann kaufst Du das und wenn nicht, dann wirst Du auf andere wirken wie jemand die sich selber nichts wert ist.

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  2. Und man ist erstaunt, was durch die Dauerberieselung doch hängen bleibt. Und manchmal ist man nur noch genervt davon. Wir nutzen die Zeit für den Toilettengang oder schalten um. Bald geht die Zeit mit etlichen Wiederholungen wieder los und dann bleibt der Fernseh auch mal aus.

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  3. Ich sag nur: Dabadeijeijippijippijey! Es hat mir Spaß gemacht, deine ganz persönliche Analyse zum Thema zu lesen. 🙂 Ich denke, dass keiner sich diesem ganzen Werbewahnsinn wirklich komplett entziehen kann. Das würde ja bedeuten, dass man wirklich nie fern sieht oder Radio hört. Im Kino bleibt man auch nicht verschont. Also heisst es wohl bestenfalls: Augen zu und durch. 😆

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  4. Werbung – im Großen und Ganzen einfach nur furchtbar! Dennoch: eine Reklame gefiel mir ausgesprochen gut. Das war die Werbung im TV für Gelierzucker. Normalerweise werden Kinder in der Werbung als superniedlich, superschlau und supergut erzogen dargestellt. In besagter Werbung wartete das Kind weder mit Fachbegriffen, noch mit Namen auf. Es erzählte in kindlichen Worten von dem „Zucker aus der roten Tüte“ den Oma zum Marmelade kochen nutzt. Endlich mal eine Werbung die relativ glaubhaft ‚rüberkam.

    Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an diese Werbung:

    Damals schrieb eine Kritikerin dazu: im Normalfall würde der Schaffner eine andere Antwort bekommen, in etwa so klingend: „halt die Fresse, alter Mann, sonst bist du nach der Zugfahrt dran“
    Irgendwie musste ich ihr recht geben….

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