Heimat

Heimat ist und war für mich immer ein großes Thema. Vor allem, weil ich mich in meiner Heimatstadt nur in Kindertagen so wirklich heimisch und wohl gefühlt habe. Irgendwann wollte ich nur noch weg. Als ich dann herausgefunden hatte, wo ich mich tatsächlich zu Hause fühle, war ich auch nur noch rastlos. Bis ich angekommen bin. Vor ziemlich genau drei Jahren. In meiner Heimat. In London.

Angeblich kommt mein echter Name ja auch vom lateinischen Wort für Heimat (patria). So bestätigte das zumindest der Bischof, der mir das Kreuz bei der Firmung auf die Stirn pinselte. Kurze Zeit später bin ich aus der Kirche ausgetreten. Aber das ist ein anderes Thema. Nichtsdestotrotz hat diese Erkenntnis etwas in mir ausgelöst. Etwas, das wiederum die Rastlosigkeit ausgelöst hat.

Schon als ich drei Jahre alt war, wollte ich nach London. Warum? Keine Ahnung. Wusste niemand – ich wusste ja noch nicht mal, wo das denn genau war… Dann ging ich irgendwann in die Schule und lernte mehr über die Welt. Und über London. Da dachte ich mir, wenn ich da mal hin will, sollte ich auch die Sprache lernen. Zu dem Zeitpunkt war ich acht. Ich hab dann also meine Mutter gefragt, ob ich nicht diesen Sprachkurs haben könnte, der da im Fernsehen beworben wurde. BBC English – mit Kassette! Damals hatte ich mich geschämt für mein Anliegen, wieder was haben zu wollen, aber ich glaub meine Mutter ist vor Stolz geplatzt, dass ich mehr lernen möchte als gerade in der Schule nötig ist.

Selbstredend waren meine Noten in Englisch (fast) immer überragend. Aber erst 2005 kam ich endlich nach London und überhaupt zu meinem ersten Urlaub. Was hab ich mich in die Stadt verliebt! Bei der Auswahl des Studiums war klar: Der Laden muss ne Partner-Uni in London haben. Den entsprechenden Studienplatz hab ich bekommen und bin dann 2007 zum Austauschsemester an die Kingston University London. Herrje. Ich wollte nicht mehr weg. Aber ich hatte zu viel Angst vor den ganzen Hürden: Es würde so teuer, in London weiter zu studieren. Der ganze Papierkram mit meiner Uni in den Niederlanden! Könnte ich denn in meiner Gastfamilie bleiben oder müsste ich mich für die Halls bewerben? So viele Fragen und Probleme, die mich heute nur mit der Schulter zucken lassen würden…

Also ging es zurück nach Arnhem, Den Haag, Amsterdam… Dann nach Heilbronn und Erkrath. Und dann, dann endlich gab es nichts mehr, was mich auf dem Kontinent hielt. An einem Tag im April 2014 hatte ich die Kurzschlussreaktion meines Lebens und buchte die Fähre nach England: One Way. Und ich habe nur nach und nach meinen Freunden und meiner Familie davon erzählt. Aber ich war glücklich, so glücklich.

Jetzt wohne ich fast drei Jahre endlich in London und hatte viele Höhen und Tiefen – eigentlich mehr Tiefen, aber hey… Und doch würde ich das Gefühl von Heimat niemals eintauschen gegen die durchaus bessere Lebensqualität und -sicherheit in Deutschland. Ich bin hier zu Hause, das ist meine Heimat und das ist gut so.

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15 Gedanken zu “Heimat

  1. Pingback: Heimat. Zuhause. | Leben, Lieben, Leiden

  2. Danke für Deinen Bericht und Deine Sichtweise. Es ist Dein Traum, Deine Wunschheimat, in der Du Dich wohl fühlst und es fühlt sich mit Sicherheit gut an.
    Diese Rastlosigkeit kenne ich auch. Berufswegen bin ich oft versetzt worden und ich habe mich immer gefreut auf eine neue Umgebung und neue Menschen. Das hat mein Leben sehr bereichert. Erst als ich meine Liebe gefunden hatte, habe ich Ruhe und Geborgenheit gefunden und „Sesshaft“ geworden. Das sind jetzt 26 Jahre.

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  3. Ben je Nederlands? Mijn man is Nederlander, maar hij spreekt geen word Nederlands. Ik hou van het land en de taal, maar ik ben nog aan het leren.

    London *träum*
    Du bist also wie die Stadt deiner Träume – ruhelos. *lächel*

    Ich kann dich so gut verstehen. Ja, nach London würde ich auch noch gehen…wenn, ja wenn ich besser Englisch könnte. 😉 Aber egal, im August bin ich für eine Woche da. Mit meinem GöGa. Irgendwie werden wir uns durchwurschteln. *lach*

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  4. Ich finde es wunderbar und nahezu unschlagbar, wenn man etwas in seinem Leben (noch dazu so früh) genau weiß, und alles daran setzt, daß der Wunsch Wirklichkeit wird. ♥ Ich beglückwünsche dich dazu und wünsche dir ein schönes Leben in deiner Wunschheimat.

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  5. ich hoffe, du hast in zukunft mehr höhen als tiefen in deiner heimat und finde krass, wie du dich wirklich dort so einleben konntest, dass du es nach 3 jahren als deine heimat bezeichnest. das können, glaube ich, nicht viele leute. schon den schritt zu wagen, das können schon viele nicht. 🙂

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  6. Schön das Du Deinen Traum verwirklicht hast…auch wenn es nicht immer der absolute Traum ist ..wo gibt es das schon.
    Heimat ist ein Gefühl – da hilft auch nicht der Verstand….Ich bin vom Norden über NRW bis nach Frankfurt a.M. gezogen, also quer durch Deutschland und fühle mich auch erst hier richtig heimisch….so als ob es mich nur hier geben kann…und das hat auch nichts mit der Liebe zu tun (auch wenn es beim heimisch werden hilft) sondern nur mit dem Gefühl: hier gehöre ich hin…..

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