Schlafen

Das erste, das mit zu diesem Wort einfällt ist blanker Hohn. Ich empfinde bei diesem Wort Neid, Missgunst und Trotz, denn ich habe ein Baby, das extrem merkwürdig pennt.

Dass Babys, die gestillt werden, nachts bis zu drei mal oder öfter wach werden, um zu trinken, ist ja normal. Hat mir vorher zwar keiner gesagt, hab ich dann aber gemerkt.

Es soll ja auch Babys geben, die zwischen diesen Nachtmahlzeiten schlafen… hab ich gehört…

Bei unserem kleinen Cornflake, das letztes Jahr im März geboren ist, lief das von Anfang an folgendermaßen mit dem Schlafrhythmus:

20 Minuten schlafen, trinken/weinen/wickeln, 20 Minuten schlafen, trinken/weinen/wickeln, 20 Minuten schlafen, vielleicht mal rumgucken, 20 Minuten schlafen… ihr erkennt das Muster?

Sie hat in den ersten MONATEN nicht ein einziges verdammtes Mal länger als 20 Minuten geschlafen. Auch nachts nicht. Keine Ausnahme. Wir haben ALLES versucht. Ich bin meiner schulterzuckenden Hebamme fast an den Hals gesprungen, weil sie auch nicht weiter wusste. Nicht immer konnte ich auch direkt mit einpennen, wenn sie mal kurz geschlafen hat und so war es regelmäßig der Fall, dass ich über 20 Stunden, drei mal zu Spitzenzeiten sogar über 30 Stunden am Stück ohne Schlaf war. Ich war am Ende. Sowas von am Ende. Ich habe nachts meinen Mann geweckt, heulend und komplett aufgelöst und ihm gedroht, dass ich das Kind auf den Hausflur stelle, wenn er es nicht SOFORT weg nimmt. Tagsüber war ich wie ein Zombie. Nichts habe ich hingekriegt, wirklich absolut nichts. Außer Stillen. Stillen, stillen, stillen…

Dann haben mein Mann und ich uns die Lösung einfallen lassen, dass er sie nach der Arbeit so lange hinhält wie irgendmöglich und so bin ich dann zwischen 19 und 20 Uhr ins Bett gegangen und habe dadurch meine drei, manchmal vier Stunden Schlaf am Stück gekriegt (bis eben das Stillen wieder dran war). So lief das dann monatelang. Rückblickend betrachtet würde ich meinem Vergangenheits-Ich gerne zurufen, dass Abstillen völlig ok ist und niemand daran zugrunde gehen muss.

Irgendwann fing das kleine Cornflake dann an, länger als 20 Minuten zu schlafen – da war sie aber schon älter als sechs Monate und das hat sie auch ausschließlich an diesen Abenden gemacht, wenn mein Mann sie während meiner Schlafzeit übernahm. Tagsüber und Nachts hat sie weiterhin nur Powernaps gemacht. Erst wesentlich später, zum Ende letzten Jahres, wurde es zumindest in der Nacht mehr.

Seit nicht ganz zwei Monaten schäft die Kleine (jetzt 14 Monate alt) endlich wie ein normales Baby. Sie macht einen einstündigen Mittagsschlaf, sie macht einen kurzen Zwischendurchschlaf, sie schlaft von 19 Uhr bis 5 Uhr „durch“. Und wenn ich „durch“ schreibe, dann meine ich, dass wir in diesem Zeitraum manchmal gar nicht, manchmal aber auch zwei oder fünf Mal an ihr Bett müssen – aber das sind kurze Aktionen: Schnulli rein, Kopf streicheln, rausschleichen.

Erst jetzt, ganz langsam, fängt mein Körper an, sich an den ganzen Schlaf zu gewöhnen. In den ersten Nächten war ich immer wach, konnte schwer einschlafen und hab immer wieder nach einer kurzen Schlafphase auf die Uhr geguckt. Morgens tat mir unheimlich der Rücken weh, weil ich ein ganzes Jahr lang keine einzige Nacht komplett gelegen habe, sondern immer wieder aufgestanden bin. Ich war auch total gerädert durch den ganzen Schlaf.

So langsam merke ich, dass mein Gehirn wieder zu arbeiten beginnt. Ich kriege wieder mehr Lust darauf, raus zu gehen, mich zu bewegen, Freunde zu treffen und bin insgesamt einfach weniger mies drauf. Es fällt mir auch nicht mehr schwer, mich auf komplexe Sachen länger zu konzentrieren.

Ich habe aus der ganzen Sache gelernt:

1. Ich brauche nicht viel Schlaf, aber ich brauche Schaf „am Stück“. Acht Stunden Schlaf mit vier Unterbrechungen ist quasi das selbe wie gar nicht zu schlafen.

2. Babys schlafen nicht viel und der nächste, der sagt, man solle „schlafen, wenn das Baby schläft“, kriegt auf die Fresse, das schwöre ich!

Heute: das Kind ist seit 1,5 Stunden im Bett, ich blogge noch ein bisschen und in spätestens einer Stunde werde ich auch mich hinlegen und seelig schlummern, voller Genuss und Wertschätzung, dass ich das noch erleben darf!

Gute Nacht!

 

18 Gedanken zu “Schlafen

    • Richtig so 😀 ich bin cool damit. Das Universum wird für Ausgleich sorgen, denn alle diese super schlafenden Babys werden drogensüchtig und das kleine Cornflake verändert die Welt zum positiven!

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      • Oh je… das kann aber nur für die Zukunft gelten. Mein Sohn hat mit drei Wochen durchgeschlafen und nimmt keine Drogen. Aber ich hoffe auf das kleine Cornflake und seinen positiven Einfluß auf die Welt!

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  1. OMG! Das liest sich wie ein Alptraum – im Wachzustand. Was freue ich mich mit dir, dass das (hoffentlich) vorbei ist. Du tust mir im nachhinein noch leid. Schlafentzug ist eine Foltermethode.
    Gott sei Dank (schreib ich jetzt nur so, ich glaube nicht an ihn…) hatten wir damals mit unserem Sohn keine derartigen Probleme. Ich nehme an, dass es BEI ALLER LIEBE nicht immer leicht war, das kleine Cornflake anzuhimmeln und für das grösste Geschenk der Welt zu halten.
    Aber jetzt gilt nur noch: Augen zu und durch! 😆 😉

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    • Ich bin ehrlich: irgendwann ist man nur noch sauer und angepisst, da ist nicht mehr viel Platz für andere Sachen…. Aber zum Glück sind das nur einzelne Momente oder einzelne Tage, an denen man alles verflucht und sich fragt, was man sich bloß gedacht hat

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        • Nicht jeden Tag, aber zeitweilig habe ich das zumindest so empfunden 😉 ich glaube, ein weiteres Kind würde ich bei diesem Schlafpensum nicht mehr stillen, weil es dir dann wenigstens mal abgenommen werden kann. Ich wundere mich heute wirklich manchmal echt, wie ich das hingekriegt hab. Aber jetzt ist es meistens schön 😀

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  2. Ich hab das auch so erlebt. Ich dachte damals das müsste so sein und hab es schweigend ertragen.
    Im Nachhinein kann ich sagen: es geht Gott sei Dank alles mal vorüber…..herje 😨

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