Mein schlimmstes Reiseerlebnis …

… war meine zweite Reise nach England mit dem englischen Gatten, der damals aber noch nicht mein Gatte war.

Großes Familientreffen und wir wurden mit 2 Erwachsenen (Bruder und Schwägerin des Gatten) und 3 Blagen in einem Trailerpark am Meer in so einem … ich finde da gar keine Worte für … etwas größeren Campingwagenwohnmobilferienwohnungaufrädern zusammengepfercht. Die Bude war dreckig, die Handtücher muffig und die Bettwäsche  klamm. Vom Badezimmer fehlen mir jegliche Erinnerungen, ich habe sie scheinbar verdrängt.

Die Situation war folgende: ich als einzige Deutsche wollte nicht zicken und bei der Familie des zukünftigen Gatten blöd dastehen. Man kennt ja die Vorurteile gegenüber den Deutschen (sauber, fleißig, pünktlich usw.). Also hab ich, als ich die Bude das erste mal sah, einen innerlichen Nervenzusammenbruch erlitten, aber die Fresse gehalten (würde ich heute nicht mehr so machen) vor allen anderen, später aber fast geheult und viel gemoppert, als ich im muffigen Bett neben meinem Herzallerliebsten lag.

Der nächste Morgen war eine einzige Katastrophe, weil ich, die Sauberkeit sehr liebt (und braucht, ich hab da wirklich einen Ordnungs- und Sauberkeitsspleen), mich in einem oberekligen Badezimmer, in dem schon 3 Erwachsene und 3 Kinder vorher zur Toilette und duschen gegangen waren, zurecht machen musste und das auch noch im Eiltempo, weil ich die letzte im Bad war und alle schon auf mich warteten. Meine Laune war gran-di-os!

Den anderen machte das alles nix aus, die fühlten sich pudelwohl, diese Ferienparks am Meer sind nix ungewöhnliches in England und ich bin halt eben auch pingelig, besonders, wenn ich mit Fremden (waren sie ja damals noch für mich) auf engstem Raum leben muss.

Über Tag war alles o.k., da waren wir viel unterwegs, aber wenn wir in unserem „Ferienhaus“ waren … OMG!

Am 3. Tag hab ich dann Kopfweh vorgetäuscht und mich aus der Tagesplanung ausgeklinkt, weil ich die Hütte putzen wollte. So war der Plan. Ich wollte das nicht mit den anderen besprechen, wegen … siehe oben. Die waren ja alle fremd für mich und schienen sich nicht an der Drecksbude zu stören und kaum waren die weg, hab ich losgelegt und mit den begrenzten Mitteln, die mir zur Verfügung standen, die Bude geputzt. Besonders das Badezimmer.

Einigermaßen zufrieden hab ich mir am späten Nachmittag einen Tee gemacht und ein Sandwich und kaum saß ich vor der Glotze, strömte die Meute ein, im Schlepptau noch weitere, mir damals unbekannte zukünftige Verwandte (heute Teil meiner geliebten Familie <3) und niemand nahm die Sauberkeit wahr, die ich geschaffen hatte, was mir eigentlich recht war, denn mir wär das schon doch peinlich gewesen, da ich ja eigentlich „Kopfschmerzen“ hatte.

Und weißte was? In Nullkommanix sah die Bude wieder aus wie vorher. Die Kiddies tobten mit sandigen Füßen über die Couch (, die Erwachsenen aßen Toast ohne Teller und krümelten alles voll, es wurde geraucht und rumgeascht, meine Schwägerin steckte die Kinder in die Wanne und ließ sie das Bad unter Wasser setzen usw. usf. Ich war fix und alle, ehrlich und AB DA, war mir plötzlich alles wumpe, ich hab mir ein Bier genommen, geext und mich in mein Schicksal ergeben.

Der Urlaub war dann noch wunderschön und ich wurde mehr als herzlich von der Familie des Gatten aufgenommen.  ❤

26 Gedanken zu “Mein schlimmstes Reiseerlebnis …

  1. Das ist ein herrlicher Text. Ich habe regelrecht die ganze Zeit daneben gestanden und das hautnah mit erlebt. 😀 So gut, wie ich dich hier schon kenne, weiß ich, das war die Hölle auf Erden für dich. Dann mußte ich lachen, denn das mit dem Putzen hatte ich schon erwartet – nur früher. Aber das Ende ist auch geil! Jetzt hab ich ein breites Grinsen im Gesicht. Klasse geschrieben. 🙂

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    • Ich sach Dir … als ich das erste mal diese Bude betrat, ich wär am liebsten zu Fuß nach Hause gelaufen, ganz, ganz schlimm war das für mich. Heute würde ich anders reagieren, ich würde da nicht einziehen, selbst dem Gatten zuliebe nicht. *lach*

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      • Das kann ich verstehen. Ich würde viele Dinge heute auch nicht mehr tun, da bin ich mir zu schade für geworden. Ohne das jetzt arrogant zu meinen. Aber ich denke, du weisst sowieso genau, was ich meine 🙂
        Aber mein Kopfkino will sich schon wieder zuschalten… 😉 Nichts wie weg aus der Dreckhütte. 😀

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  2. Manchmal ist das wirklich so, man muß sich das Leben schön saufen und irgendwie ist das hier ja bestätigt. Tapfer hast Du Dich geschlagen und in das Unvermeindliche gefügt.
    Heute schmunzelt man wenn man zurück denkt, doch damals war es ein schlimmes Reiseerlebnis und vergessen kann man das nicht.

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  3. Ich bin als Kind viel in der Welt rum gekommen und meine Eltern waren Sparfüchse, was die Unterkünfte anging. In kirgisistan schliefen wir in einer dieser typischen Jurten. Trotz 3 decken war mir nachts kalt und einmal wurden wir wach weil draußen ein braunbär vorbei lief und nach Essen suchte. In Afrika hatten wir eine kleine Hütte, in die andauernd spinnen und Skorpione rein kamen. Und in Irland schliefen wir in einem mehrbetthostel. Da war ein kommen und Gehen im Zimmer. Demnach waren wir mit der Ordnung auch immer etwas entspannter. Als mein Vater seine neue Freundin kennen lernte, war sie auch erst mal unzufrieden (sehr ordentlich und sauberliebend). Aber sie konnten sich zusammen raufen und sich in der Mitte treffen.

    Gut dass es bei euch auch geklappt hat 😀

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      • Naja; das war die Art meiner Eltern zu reisen. Ich kannte es ja nicht anders. Andere waren immer neidisch auf die Reiseziele. In der Pubertät hab ich meine Eltern schwer enttäuscht warum wir nicht mal normalen Urlaub wie andere machen mit Hotel und Strand etc. Das war damals eine große Enttäuschung für sie 😂 mittlerweile weiß ich aber auch dass die Reisen eigentlich cool waren

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  4. Boah, das nennt man ja echt mal eine Feuertaufe!! Die Familie haette echt SEHR toll sein muessen, das ich da warm geworden waere…

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  5. Ich kann dir so nachfühlen, weil ich kenn das, zwar nicht mit dem putzen, aber mit anderen Dingen. Manchmal muss man es einfach lassen und es zu lassen bedeutet inneren Schmerz.

    Doch, mit dem putzen war auch mal was. Als 18 Jähriger, mit meinem damals schon alten Golf, man wollte ja wenn man in den Ausgang ging, immer eine saubere Kiste haben und hat ne Weile lang alles geputzt und gesaugt, manchmal sogar poliert und dann nach 5 Minuten Autofahren waren da viele Kühe die über die Strasse mussten – Kuhfladen überall, Auto von oben bis unten voll, was hab ich mich aufgeregt und so ging das fast jedes mal im Sommer. 💩

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