Frage der Woche

Seitdem ich vor Jahren einen Roman gelesen habe, der dieses Thema sehr intensiv behandelt, beschäftige ich mich hin und wieder mit dem Thema Stromausfall.

Das Szenario aus dem Roman – nämlich einen großflächigen Stromausfall von langer Dauer (hier etwa zwei Wochen…) – halte ich persönlich nicht für ausgeschlossen. Die heutzutage bis in den hintersten Winkel vernetzte Welt macht vieles möglich. Nun bin ich nicht der Typ, der alle Verschwörungstheorien für glaubwürdig hält, aber ich verschließe mich und mein Denken auch nicht gegenüber allem, was mir unbequem erscheint oder vielleicht erst einmal meinen geistigen Horizont etwas übersteigt.
Man muß sich meiner Meinung nach nicht nur über offensichtlich irre Staatsmänner Sorgen machen. Was im Hinter- oder Untergrund abläuft und uns nicht täglich plakativ präsentiert wird, kann unter Umständen mindestens genau so gefährlich sein.
Was ein Stromausfall in großem räumlichem und zeitlichem Umfang bedeuten würde, welche Folgen, Reaktionen und Katastrophen er unweigerlich auf den Plan rufen würde, das habe ich während des Lesens mehr und mehr begriffen. Das Buch hat mich sehr gefesselt, gleichzeitig aber auch ernsthafte Sorge in mir geweckt, zumal die beschriebenen Stromzähler haargenau von der Sorte waren, wie wir hier einen hängen haben.

Ich habe mich im Netz schlau gemacht, wie man sich bei Katastrophen generell verhalten soll und welche Vorkehrungen man für verschiedene Szenarien treffen sollte.
Seitdem bin ich, um ehrlich zu sein, dennoch etwas zwiegespalten. Ich frage mich abwechselnd, ob ich nicht etwas überreagiere und mich auch noch von dieser Sorge beieinflussen lasse, oder ob ich nicht etwas zu blauäugig durch´s Leben gehe, wenn ich trotz meines theoretischen Wissens einfach darauf hoffe, dass derartiges schon nicht passieren wird.
Wir haben hier im Wald, falls es diesen Stromausfall jemals geben sollte, nicht die schlechtesten Voraussetzungen, um uns eine gewisse Zeit ”über Wasser zu halten”.

  • Wir haben Wasser sozusagen vor der Haustür. Es läuft fast immer ein Rinnsal im Straßengraben, mit dem man zumindest die Toilettenspülung in Gang halten könnte. Wasser zum Abkochen könnte man dort auch entnehmen. Wenn nicht, dann sind es zum See fünf Minuten…
  • Wir haben zwei Kamine im Haus und ausreichend ”Holz vor der Hütte”, auch fertig gesägt und gehackt. Wir müssten also erst einmal nicht frieren.
  • Mein Mann ist Angler mit Leib und Seele. Nahrung aus dem Wasser könnte er uns besorgen. Allerdings ist die Frage, ob die Fische beißen würden, wenn sich plötzlich haufenweise Angler um sie bemühen und vielleicht außerdem gleich Boote mit Schleppnetzen auf dem Wasser zugange wären.
  • Pilze und Beeren könnten wir als Nahrungsergänzung beschaffen, wenn es die Jahreszeit gerade erlauben würde.
  • Jagen auf Wild ist in unserem Haus nicht üblich. Wild und Geflügel käme also nicht frisch auf den Tisch.
  • Kerzen und Batterien haben wir ”relativ” reichlich vorrätig.
  • Wir besitzen einen batteriebetriebenen Weltempfänger, mit dem wir hoffentlich für uns äußerst wichtige und relevante Informationen erhalten würden.
  • Die Medikamente, die wir nehmen, sind glücklicherweise nicht lebenswichtig und auch nicht innerhalb von zwei Wochen alle.
  • Lebensmittelvorräte haben wir reichlich. Zumindest mengenmäßig. Wenn wir sie aber genau und kritisch durchsehen, dann stellen wir fest, dass vieles davon nicht unbedingt bestens zur Sättigung geeignet ist. Die gefrorenen Vorräte (die wir auch sehr reichlich haben) müßten wir binnen weniger Tage irgendwie verzehren oder versuchen, sie anderweitig haltbar zu machen. Mehl, Teigwaren, Kartoffeln und Reis haben wir nicht so viel im Haus, wie es angebracht wäre…

Da wären noch die Themen Bargeld- und Benzin/Diesel-Vorrat, die von sehr großer Bedeutung wären. Und sicherlich noch andere Themen und Aspekte, die ich (wir) noch nicht bedacht habe.

Nun meine Frage an euch: Haltet ihr einen räumlich und zeitlich großen Stromausfall für möglich und habt ihr eventuell Vorkehrungen getroffen oder geplant?

Fast hätte ich es vergessen: Für die Erstellung der nächsten Frage der Woche nominiere ich thaitonien.

16 Gedanken zu “Frage der Woche

  1. So sehr viele Gedanken hab ich mir nicht darüber gemacht, ich weiß aber auch wie abhängig wir vom Strom sind, es würde fast nichts mehr gehen. Einen Kaminofen haben wir, da könnte man sich etwas warm machen und frieren muß man auch nicht, Wasser habe ich immer etwas in Reserve und das übliche an Lebensmittel und Konserven. Ich horte hier keine Massen als Notvorrat wo ich ewig schauen muß was schon abgelaufen ist. Kerzen und Streichhölzer hab ich, Batterien und ein paar Trockenvorräte und das wars.
    Einen langen Stromausfall habe ich noch nicht erlebt und es ist fraglich ob es mal soweit kommt. Und wenn wirklich der Supergau kommt und der schlimmste Fall eintreten sollte, was der liebe Gott doch biiiitte ganz doll verhindern soll, (und diesen Gedanken schiebe ich weit weg von mir),denke ich, bleibt sowieso nicht viel von der Menschheit nach.

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    • Hätte ich diesen Roman nicht gelesen, würde ich mir auch deutlich weniger Gedanken über dieses Thema machen. Er war aber sehr realistisch und Marc Elsberg hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt, bevor er das Buch geschrieben hat.
      Wir hatten 2005 einen Stromausfall, der bei uns hier eine ganze Woche gedauert hat. Unsere gefrorenen Vorräte sind damals größtenteils verdorben, Vattenfall hat allerdings umgerechnet 1000 Euro Schadenersatz gezahlt. Das Positive war, dass wir auf Arbeit Strom hatten, dass die Geschäfte geöffnet hatten, die Tankstellen funktionierten, usw. Der Ausfall war zwar zeitlich lang, aber nicht großflächig. Trinkwasser haben wir uns in Kanistern von der Arbeit mit heim genommen. Dort konnten wir auch duschen. Mein Mann hat im Freien gekocht. Es war alles erträglich, wenn auch alles andere, als angenehm.
      Ich mag mir nicht vorstellen, was mit uns und unserem Umfeld geschehen würde, falls jemeils ein Szenario ähnlich dem im Buch passieren sollte.

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  2. Ich vermute, Du beziehst DIch auf den Roman „Blackout“ von Marc Elsberg. Sagen wir mal so – ich kenne einen Informatiker, dessen Fachgebiet Sicherheit ist. Und der meinte, eines der wenigen Bücher, die realistisch das Szenario abbilden.
    Und – ja – es ist möglich. Gut nur, daß die, die ein Interesse daran hätten, wohl (zumindest bis dato) nicht wissen, wo sie den Hebel ansetzen müßten. Dafür können wir alle jeden Tag dem Gott im Himmel auf Knien danken. Auch die, die nicht religiös sind – Strom brauchen die auch.

    Halte ich unter „normalen“ Umständen in Deutschland einen mehrtägigen Stromausfall für wahrscheinlich? Nein. Unser Stromnetz ist relativ wenig störanfällig und Probleme können ziemlich schnell behoben werden. In den USA ist das anders – selbst unsere Freunde im Silicon Valley sind es gewohnt, daß nach einem Gewitter mehrstündiger Stromausfall eher die Regel als die Ausnahme ist. Und mehrtägig ist nicht ungewöhnlich. Aus diesem Grund haben sehr viele Leute einen Generator im Garten stehen…. es ist nämlich ziemlich teuer, regelmäßig den Inhalt von Kühl- und Gefrierschrank zu entsorgen – der Generator kann sich da schnell amortisieren.

    Was ich hier machen würde? Ich habe zwar einiges an Vorräten – auch in „nicht gekühlter“ Form – aber nicht alles ist unzubereitet eßbar. Für vieles braucht man einen Herd oder eben Feuer zur Zubereitung. Wer in einer Wohnung wohnt, ist da wohl eher schlecht dran. Feuer auf dem Wohnzimmerboden eher keine Alternative.

    Wir haben uns im Freundeskreis darüber schon ab und an unterhalten – wir haben da „ausgemacht“, Bedarfsgemeinschaften zu bilden. Der Vater einer Freundin hat ein großes Haus mit Nutzgarten – wir würden wohl alle vorhandenen Vorräte in ein Auto schaffen und uns dorthin durchschlagen. Alles verderbliche würden wir dort erstmal auf einem vorhandenen Holzofen kochen und einwecken.

    Ein Freund ist Jäger – der wäre in so einer Situation – so sie denn länger andauert – ein wertvoller „Verbündeter“.

    Auf jeden Fall hat man in so einer Lage bessere Chancen, wenn man sich zusammentut – mehrere Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten, die quasi zusammen eine Wagenburg bilden….

    Denn was ich sicher glaube – wenn die äußere Stabilität nicht mehr vorhanden ist, bricht die bürgerliche Fassade sehr schnell zusammen und es regiert der Kampf ums eigene Überleben bei einer großen Mehrheit.

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    • Ja, das ist der Roman – hatte ich ja auch verlinkt.
      Für grundsätzlich ausgeschlossen kann man einen derartigen Supergau nicht halten, denke ich. Nicht in Deutschland, und auch nicht anderswo. Die Vernetzung, der länderübergreifende Stromaustausch, machen es möglich. Vermutlich ist es so, wie du schreibst, dass die, die daran ein Interesse haben (könnten), derzeit nicht wissen, wie sie das bewerkstelligen könnten. Oder aber, es ist ihnen bewußt, dass sie dann unweigerlich mit betrofffen wären. Denn auch Terroristen brauchen Strom – jederzeit und überall.
      Ich glaube nicht an Gott und bete auch in diesem Zusammenhang nicht zu ihm, denn – ja, auch ich brauche Strom, bin mir aber zu 100 Prozent sicher, dass Gott, so es ihn gibt, mit der Stromzufuhr nichts zu tun hat.
      Die Gedanken, die ihr euch im Freundeskreis gemacht habt, und eure gemeinsamen Pläne finde ich sehr gut und wohl durchdacht. Mit eurem Wissen, dass ihr habt und bündelt, wärt ihr vermutlich schon deutlich besser gewappnet, als die Mehrheit.
      Deinen letzten Satz kann man wohl blind unterschreiben. Leider.

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      • Das Problem ist ja, daß das, was derzeit möglicherweise für jedermann frei verfügbar ist (z.b. sauberes Wasser) dann sehr schnell knapp wird. Jetzt ist der Fluss sauber, man könnte draus trinken. Aber ohne Strom funktioniert flußaufwärts die Kläranlage nicht und dann ist das ruckzuck kein Trinkwasser mehr.

        Jetzt interessiert sich niemand für die Felder mit Kartoffeln, Kohl, Mais und Getreide, aber wie schnell würde dann ggf. geplündert?

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        • Ja, ich denke, es wäre in etwa so, wie im Buch beschrieben. Oder noch viel schlimmer. Mit den Gemüsefeldern, das hatte ich noch gar nicht bedacht. Da würde es mit Sicherheit keinerlei Skrupel mehr geben. Plünderei, Raub, Diebstahl wären binnen kurzer Zeit vorherrschend. Bedachtes und sinnvolles gemeinsames Handeln mit anderen – daran glaube ich leider nur in Einzelfällen. Das größte Problem würde wohl der fehlende Informationsfluss darstellen.
          Trinkwasser, das heute andernorts nicht verfügbar ist, wäre dann, wie du schon schreibst, etwas Kostbares, an das man nicht ohne weiteres heran käme. Nicht auszudenken, wie das für uns wäre, was für andere Menschen bereits das reale Leben ist.

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  3. Ich hab schon 4 Monate ohne Strom gelebt (Rechnung nicht bezahlt. Die Stadtwerke hier sind gnadenlos.), und das ausgerechnet im Winter. Ich hatte einen enormen Kerzenverbrauch aber sonst war´s wie immer. Ohne Strom leben ist halb so wild. Sauberes Wasser ist viel wichtiger. Weil ohne Wasser ist Ende nach ner Woche.

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    • Sicher, das ist Pillepalle. Kalt am Arsch, hoher Stearin-/Paraffinverbrauch. Das war´s schon.
      Wenn du vor die Wohnungstür getreten bist, dann konntest du sicher das Hauslicht einschalten, um nicht im Dunkeln auf die Fr*** zu fliegen, Handy konntest du bei nem Kumpel oder sonstwo aufladen, Geld aus dem Automaten ziehen ging, Kneipe war offen und warm, usw. Trinkwasser- und Abwasser funktionierten, da sie in einer Mietwohnung ja nicht direkt an den Strom gekoppelt sind.
      Bei dem Szenario, von dem ich hier schreibe, ist aber von Trinkwasser keine Spur. Nicht mal von Brauch- und Abwasser. Du kannst demzufolge nicht mal die Klospülung betätigen. Wasser ist bei diesem Szenario direkt an den Strom gekoppelt und damit nicht im Zugriff. Wenn man großflächig keinen Strom und damit kein Wasser hat, dann sieht es nach einer Woche schon mehr als dunkel aus. Beängstigend ist die Vorstellung, dass dieser Fall rein theoretisch eintreten könnte.

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  4. Ich halte das Szenario für unwahrscheinlich.
    Aber wenn es dich so sehr beschäftigt, warum erkundigst du dich nicht mal bei deiner Kommune, welche Notfallpläne dafür gemacht werden oder ob es solche überhaupt gibt…
    Vielleicht beruhigt dich das.

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    • Wie gesagt, es beschäftigt mich nicht permanent, aber eben immer wieder. Und ich finde es interessant, zu erfahren, wie andere darüber denken. Der Tipp mit der Frage an die Kommune ist gut – danke dafür. 🙂
      Nicht sehr weit von uns gibt es auch ein AKW, da macht man sich schon seine Gedanken…

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  5. Ich habe mich damit bisher noch nicht befasst, aber ich denke, eine zeitlang halte ich einen Stromausfall für möglich. Dauerhaft sicher nur, wenn wirklich ein Krieg ausgebrochen ist und ich hoffe einfach mal, dass ich den nicht miterleben muss.
    Mit Kerzen, Streichhölzern und Feuerzeugen, auch Batterien, Taschenlampen und ähnliches sind wir gut ausgestattet. Einen Gaskocher haben wir auch noch im Keller und eine Campinglampe. Ansonsten vermeide ich es große Vorräte anzulegen. Über längere Zeit, würden die vorhandenen Lebensmittel nicht ausreichen. Ich hoffe aber, dass sich in solch einem Fall, hier in der Stadt einige Gemeinschaften bilden würden, mit denen man gemeinsame Lösungen suchen und finden könnte für eine Zeit. Ich kenne einige Leute, die daran sicher auch Interesse hätten.
    Angst mache ich mir mit diesen Gedanken nicht. Voraussagen kann man nichts, egal was passiert. Groß darauf vorbereiten möchte ich mich auch nicht, ich finde das eher belastend.

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    • Wir sehen das Risiko vermutlich ungefähr gleich. Den Gedanken an dauerhaften Ausfall infolge von Krieg will ich aber nicht weiterdenken. Dieser Gedanke macht mir nämlich wirklich Angst. Ansonsten habe ich keine Angst vor „dem großen Stromausfall“, bin aber ein wenig besorgt, da ich durch das Buch, das ich gelesen habe, eben weiß, was dann ungefähr abläuft. Vorher habe ich mir da nie Gedanken drüber gemacht. Was dann unweigerlich mit AKWs passiert, besorgt mich dabei am meisten. Wir wohnen hier nicht sehr weit von einem entfernt…
      Die penible Vorbereitung auf diese Eventualität ist auch nicht mein Ding. Ich bin da zugegebenermaßen etwas zu bequem. Lebensmittelvorräte ständing überprüfen und erneuern, Mehl im Fass lagern, Kartoffeln bunkern, vielleicht noch Kaninchen halten, oder so – nein, soweit geht es dann bei mir auch nicht.
      Aber es war ja interessant, ein paar Gedanken darüber auszutauschen. 🙂

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