Ich bin gut im…

…Freundschaften machen und halten. Mein Problem ist nur, dass die anderen das irgendwie nicht sind oder oftmals eine andere Auffassung von „Freundschaft“ haben. Ein richtiger, wahrer Freund ist für mich jemand, auf den ich mich in allen Lebenslagen verlassen kann, egal was kommt und was gerade ansteht und für den auch ich jederzeit alles fallen lassen würde. Ich habe noch nicht einmal eine Hand voll Menschen in meinem Leben, auf die das so zutrifft. Mit einigen davon bin ich fast täglich in Kontakt, mit einer speziellen Freundin dafür manchmal wochenlang nicht. Ich weiß aber immer, was sie gerade tut, ob das ein Hauskauf, eine Prüfung, ihre Hochzeit oder ein Streit mit dem Partner ist: die Basics werden ausgetauscht und wenn man mal ein offenes Ohr braucht, dann sind wir füreinander da. Wenn wir länger nichts voneinander hören dann wissen wir, dass alles ok ist und der Alltag halt so seinen Weg geht. Vergeht zu viel Zeit, dann fragen wir uns schon mal, was so los ist… und das ist genau das Ding: dass man einander kontaktiert. Die Häufigkeit ist dabei nicht entscheidend für mich, sondern die Tatsache, dass das Interesse auf Gegenseitigkeit beruht. Wie oft passierte es mir schon, dass ich enttäuscht von einer Beziehung zu einem anderen Menschen war, weil er mir nicht das selbe Maß an Interesse entgegen brachte wie ich ihm. Ich bin eher der harmoniebedürftige Typ, der Ungereimtheiten gerne klärt und wenn ich das Gefühl habe, dass da irgendwie ein Ungleichgewicht herrscht im Sich-Melden oder Sich-Interessieren, dann will ich dem auf den Grund gehen. In der Vergangenheit musste ich des Öfteren feststellen, dass die Leute über sowas nicht sprechen wollen. Wenn sie keinen Bock haben, kein Interesse haben, wichtigeres zutun haben, dann wollen sie das nicht bis ins Detail diskutieren. Ich habe lernen müssen, auf schmerzvolle Weise, dass man nichts erzwingen oder begründen kann in diesem Punkt. Entweder, das gegenseitige Interesse ist da, entweder das Gleichgewicht ist ganz von allein vorhanden, oder eben nicht. Und wenn nicht, dann ist die Freundschaft eben unausgeglichen und folglich keine echte Freundschaft. Vielleicht eine Bekanntschaft, vielleicht eine Beziehung die nur in bestimmten Situationen oder zu bestimmten Anlässen funktioniert, nicht aber auf ganzer Linie und da musste ich in der nahen Vergangenheit echt rigoros in meinem Freundeskreis aufräumen und Kontakte abbrechen, die mir eben wegen dieser Unausgeglichenheit nicht gut getan haben, obwohl sie mir wichtig waren. Umso wertvoller sind für mich heute die Menschen in meinem Leben, die mir das Gefühl geben, ich sei ihnen ebenso wichtig wie sie mir. Ich versuche diesen Menschen immer ein gutes Gefühl zu geben, präsent und interessiert zu sein, immer ehrlich zu sein und bin froh zu wissen, dass sie sich mir gegenüber genauso verhalten, ohne, dass das schwierig ist oder extra zum Thema gemacht werden muss. Eine ausgeglichene Freundschaft funktioniert ganz von alleine, weil beide Seiten es gerne wollen. Vielleicht klingt das doof, aber bis zu dieser Erkenntnis musste ich einen recht steinigen Weg gehen und ziemlich viel einstecken, denn es ist gar nicht so einfach, sich einzugestehen, dass man im leben einer für einen sehr wichtigen Person im Grunde eine austauschbare Rolle spielt. Die guten Freundschaften, die bis heute bestehen, bestehen schon seit Jahren uneingeschränkt und ich bin dankbar dafür, dass es sie alle gibt 🙂

13 Gedanken zu “Ich bin gut im…

  1. „Eine ausgeglichene Freundschaft funktioniert ganz von alleine, weil beide Seiten es gerne wollen.“
    Mit diesem Satz, denke ich, bringst du es auf den Punkt.
    Du bist in deinem Post sehr offen, was deine Gefühle und Erfahrungen angeht. Dafür danke ich dir. 🙂

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  2. Eine Freundschaft besteht auch aus Geben und Nehmen, mal mehr , mal weniger und ich denke, man merkt sehr schnell wenn man meistens nur der ist, der Gibt. Man fühlt sich irgendwann ausgenutzt, man wird nur gebraucht wenn „Not am Mann „ist und irgendwann trennt sich die Spreu vom Weizen, weil Freundschaft auf Gegenseitigkeit beruht.

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  3. Danke für den tollen Eintrag, du hast absolut recht. Wenn es passt, dann spielt sich das von alleine ein. Ich habe auch eine gute Freundin von der ich manchmal ne Woche nix höre, aber eine von uns meldet sich immer und ich weiß, dass wir füreinander ein offenes Ohr haben. Wenn es unausgeglichen ist (also einer mehr investiert), dann ist es keine echte Freundschaft. Das ist mir natürlich auch schon passiert, dass ich mich da zum Doofi gemacht habe, allerdings war ich auch schon ein, zwei Mal in der Situation, dass ich diejenige war, die weniger Interesse hatte, weil es für mich eben nicht so gepasst hat und das Melden etwas von Pflicht hatte. Und ich finde, dass braucht man eigentlich auch in diese Richtung nicht unbedingt, weil man ja merkt, dass es den Anderen enttäuscht.
    Was mir auch aufgefallen ist – einige Leute, die ich als Bekannte einstufe, sehen das andersrum gleich als Freundschaft. Geht mir z. B. mit einigen Leuten so, die ich über die Kids kennen gelernt habe. Ich mag die ganz gerne, aber ich weiß nicht, ob man ohne die gemeinsame Lebenssituation wirklich so viel gemeinsam hätte.

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  4. Ich glaube, das kann man nicht besser ausdrücken!

    Das Wort „Gleichgewicht“ bringt es ganz genau auf den Punkt, wir haben in unserem kleinen aber feinen Freundeskreis durch aus unterschiedliche Kontakthäufigkeiten zu den verschiedenen Leuten, aber in jedem Fall ist dort das Gleichgewicht gegeben. Ebenso sehen bzw. kontaktieren wir einige Leute mehr, andere weniger, das ist aber so eingespielt und völlig in Ordnung. Bei allen ist aber eine Sache vorhanden, nämlich die absolute Gewissheit, dass jeder alles stehen und liegenlassen würde, wenn der andere ihn braucht.

    WIr haben auch schon einige Leute kennengelernt, mit denen wir zwar gut ausgekommen sind, aber eben dieses Gleichgewicht war da nicht vorhanden und dann lebte man sich irgendwie auch wieder auseinander.

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  5. Ich dachte, ich hätte hier schon einen eigenen Kommentar geschrieben, aber war wohl nicht so. ^^ 😀 …also hole ich das jetzt mal nach. 🙂
    Ich finde es auch wichtig, Freundschaften zu pflegen, weil es einfach für jeden auch ein gutes Gefühl gibt. Einen Geben und Nehmen eben ohne dass man dabei eine große Erwartungshaltung einnimmt.
    Wenn das auf Dauer dann aber doch zu einseitig wird, scheint es nicht zu passen und ich dränge mich auch nicht auf, wenn ich das Gefühl habe, dass die andere Seite die „Freundschaft“ anders empfindet. Aber auch bei mir hat das öfters lange gedauert, bis ich es „aufgegeben“ habe.
    Inzwischen habe ich das Problem eigentlich gar nicht mehr – ich kann gar nicht genau sagen,woran das liegt. Vielleicht daran, dass seit Jahren einfach schon so gute und feste Freundschaften bestehen, die unterschiedlich intensiv sind und neue Freundschaften evtl. einfach „nebenher“ entstehen und wachsen oder eben auch nicht. Ein paar alte sind durch die räumliche Distanz eingeschlafen. Andere dagegen haben sich auch über viele km bis heute gehalten und sind teilweise sehr intensiv, obwohl man sich nicht ständig hört, sieht oder liest.

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  6. Ich glaub, ich muss da noch hinkommen, wo du schon bist. Ich empfinde einige Freundschaften wirklich als unausgeglichen, zum Beispiel auch zu meiner „besten Freundin“ (die man glaub irgendwann nur noch wegen der gewohnheit so nennt, nach all den Jahren…). Da ärgere ich mich immer mal wieder, weil alles mögliche von mir ausgeht. Wenn wir uns dann sehen oder hören, ist es aber immer schön und wie früher. Ich kann das nicht abbrechen, ich hänge dran. Ich schraube hingegen eben meine Erwartungen immer weiter runter, das tut mir wiederum gut.

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