Die unsichtbare Dritte…

… hat sich zwischen uns gedrängt. Sie hat unsere Freundschaft schleichend zerstört.
Meine beste Freundin habe ich kennen gelernt, als ich 18 war. Auf der Arbeit. Wir haben uns sehr schnell ohne Worte verstanden, uns gegenseitig blind vertraut und waren im nu ein perfekt eingespieltes Team. Ich denke, dass so etwas nicht sehr häufig vorkommt. Privat wuchs unsere Freundschaft schnell und stetig und wurde immer tiefer und fester. Gäbe es die unsichtbare Dritte nicht, dann wären wir noch heute allerbeste Freundinnen. Besser denn je, denke ich. Aber es kam anders…
Meine Freundin war der tolleranteste, großherzigste, klügste, loyalste Mensch, den ich kannte. Humorvoll, unglaublich kinder- und tierlieb, gerecht und intelligent. Sie hatte immer eine eigene Meinung, sie konnte göttlich kochen, wir konnten uns stets voll vertrauen, Spaß haben oder miteinander weinen. Pilze sammeln, wandern, radeln, ins Kino oder Theater gehen. Gemeinsam in den Urlaub fahren, über Gott und die Welt reden, kochen, Plätzchen backen, mit Freunden feiern, lachen, Musik hören, werkeln, Bücher tauschen. Ich konnte ihr jederzeit unseren Lieblingssohn anvertrauen. Nichts hat zwischen uns gepaßt. Schon garnicht ein Mann. Wir hatten sowieso völlig verschiedene Geschmäcker, was Männer anging. 😉
Weit mehr als 20 Jahre war meine beste Freundin meine beste Freundin. Doch irgendwann konnte ich die Augen nicht länger davor verschließen, dass die Unsichtbare da war. Sie hatte sich schon unverdrängbar breit gemacht. Meine Freundin hatte sich über Jahre mehr und mehr verändert. Schleichend erst, aber doch unabwendbar. Sie war nicht mehr tollerant, sie wurde streitsüchtig, immer eigener, unzugänglich, nachlässig und stand immer mehr unter dem Einfluß der Dritten.
Ich lebte schon in Schweden, als ich das Ende unserer Freundschaft nicht länger vor mir her schieben konnte. Ich habe lange mit mir gekämpft und mußte doch einsehen, dass ich der Dritten nicht gewachsen war. Ich war stark, aber sie war stärker. Viel stärker. Sie ist es noch und sie wird es vermutlich auch bleiben.
In meinem Herzen wird meine Freundin immer einen ganz besonderen Platz haben. Ich trauere um unsere Freundschaft, sehe aber nur eine winzig kleine Chance für ihre Wiederbelebung. Irgendwann vielleicht. Wenn meine Freundin die Kraft aufbringt, der Dritten einen derartigen Tritt in den Arsch zu verpassen, dass diese auf Nimmerwiedersehen aus ihrem und vielleicht unserem Leben verschwindet. Mein Herz bleibt immer offen.

16 Gedanken zu “Die unsichtbare Dritte…

    • Ja, es tut mir auch nach mittlerweile etlichen Jahren noch sehr weh. Dass Sucht eine solche Macht über uns haben kann. Dass sie uns verändert und die Oberhand über unser Leben übernehmen kann, wenn wir nicht stark genug sind, mit Erfolg gegen sie zu kämpfen. Ich weiß, daß es sich um eine Krankheit handelt, tue mich aber trotzdem sehr schwer damit, dies zu akzeptieren.
      Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man. Ich werde sie nie aufgeben und dieses kleine Flämmchen bis ans Ende meiner Tage am Leben halten.

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      • Das kann ich mir gut vorstellen, würde mir sicher nicht anders gehen. Man würde denjenigen dann gerne nehmen und ordentlich durchschütteln, damit er wieder zu „Verstand“ kommt, aber leider hilft das ja nicht, drum lässt man es. Es ist schlimm, hilflos mit ansehen zu müssen, was die Sucht mit dem Menschen macht. 😦

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  1. Das ist traurig und doch gebe ich die Hoffnung nicht auf das Deine Freundin in doch ruhigen Minuten und Nachdenken merkt, was sie für die Dritte… was oder wer das auch sein mag aufgegeben hat. Auch sie wird älter und irgendwann denkt man über sein Leben nach und vielleicht ist es dann nicht zu spät auf Dich zuzugehen.

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    • Ich verfluche die Tatsache, dass eine Sucht uns physisch und psychisch völlig zugrunde richten kann, wenn wir nicht stark genug sind, sie mit Erfolg zu besiegen.
      Sie hat uns völlig im Griff und verändert uns niemals zum Guten.
      Ja, liebe Biene, dieses kleine Fünkchen Hoffnung werde ich auch nie erlöschen lassen.

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  2. Da kommt man ins Grübeln. Was war die unsichtbare Dritte?
    Aber es klingt nach einer sehr wunderbaren Freundschaft. Und vielleicht kommt sie wieder eines Tages auf dich zu und könnt wieder da weitermachen, wo ihr aufgehört habt.
    Ich musste beim Lesen an meine Sandkastenfreundin denken, wir haben nebeneinander gewohnt, gingen im selben Kindergarten und bis zum Erwachsenen Alter blieben wir Freundinnen. Bis mein erstes Kind geboren wurde, dann erlaubte sie sich einen bösen Fehler, der mich zu tiefst verletzt hat. Sie hatte schlechtes Gewissen und ich war trotzdem noch zu gut, als ich sie damals zum Bahnhof brachte, und ich zu ihr sagte, das wir uns wiedersehen. Da weinte sie und verstand die Welt nicht mehr, nach dem was sie mir angetan hatte. Sie zog später noch weiter weg . Der Kontakt brach ab. Ich habe dieses letzte Bild immer noch vor Augen.
    Viele Jahre später fanden wir uns auf Stayfriends wieder, wir schrieben ein paar Worte, und das war’s. Es wird leider nichts mehr. Aber wer weiß, vielleicht eines Tages doch. Ich hab längst verziehen. Im Nachhinein, weiß ich, dass es ihr wohl damals nicht gut ging und ist psychisch beinahe daran zerbrochen, dass sie um sich alles zerstörte, was sie liebte.

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    • Du hast ein sehr großes Herz, meine liebe Corona. ♥
      Vielleicht habe ich das auch, und gerade deshalb konnte ich es nicht mehr ertragen, meiner Freundin nahe zu sein. Ich trauere nicht nur um unsere Freundschaft, ich trauere auch um sie.
      Es tut mir sehr weh, wenn ich an sie denke. Wenn ich an uns denke. Irgendwie ganz tief in ihr steckt noch immer die „alte“ beste Freundin, der Mensch, der so wunderbar war. Ich wünsche ihr von Herzen, dass sie selbst irgendwann ihr altes Ich wieder befreien kann.

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  3. Ich verstehe deine Gefühle, es ist wahrlich nicht einfach, sehr schwer, wenn man lieb-gewonnene Menschen nach 20 Jahren und mehr, gehen lassen muss, weil sie sich in eine andere Richtung entwickelt haben. Ein bisschen so, wie wenn jemand stirbt.
    Die ganzen lustigen Dinge und schönen Abende die man zusammen erlebt hat, die guten Gespräche über Gott und die Welt, sie bleiben einem in Erinnerung und wenn ich an jene Entschwundenen denke, dann an diese Erlebnisse. Es war ne schöne Zeit, sehr schön. 😢

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