Der Badetag wie es früher war

 
oft bin ich vom Spielen im Freien mit viel Staub zur Mutter heim gekommen,
die dann ihre Hände über’m Kopf zusammenschlug.


Dann war aber nicht nur einmal in der Woche ein Badetag.
Ich wurde sofort in eine Sitzbadewanne, die in der Küche stand, gesetzt.
Bei der verzinkten Sitzbadewanne brauchte man nicht viel Wasser und
somit durfte ich auch mehrmals in der Woche baden. Das Badewasser
wurde in einem Einmachkessel auf dem Herd erwärmt.

Anders war es beim wöchentlichen Badetag am Samstag.

In der Waschküche stand ein großer Waschkessel in dem man das Badewasser
erhizte und unsere Badewanne war zur damaligen Zeit schon etwas größer,
denn sie diente auch zum Wäsche einweichen und Wäsche auslichen.
Eine große Holzwaschmaschiene stand ebenfalls in der Waschküche/Baderaum.
Da meine Brüder viel älter waren als ich so hatte ich das Vergnügen, daß
ich mit meiner Mutter in die Wanne durfte. Mein Papa hatte dann wieder
ein frisches Badewasser und meine beiden Brüder steckte man auch zusammen
in die Wanne. Da ich in einer Großfamilie aufgewachsen bin waren dann auch
Onkel und Tanten beim Badetag integriert.

Oft haben mir Bekannte von ihren Badetage in den 40er/50er Jahre erzählt….

 

Das „Nesthockerl“ hatte den Vorteil, daß es als erstes in die verzinkte Badewanne
oder in einen Holzzuber mit schönem, frischen Badewasser durfte.
Die Geschwister mußten dann in die Badewasserbrühe hinein und es wurde
noch ein bisschen heißes Wasser dazugegeben.

Die Eltern und Großeltern bekamen dann wieder frisches Badewasser.
Sogar Tanten und Onkel haben sich im Haus versammelt und durften sich
auf den Badetag freuen.

Alle sind zum Baden am Samstag angestanden. Sie saßen in der Küche und wenn
der Nächste fertig war, hat er nur im Hausgang geschrieben „der Nächste kann kommen“
und ist dann in den Stall zum anziehen gegangen.

Der Letzte hat das Badewasser stehen lassen, denn es wurde dann am Montag zum
Wäschewaschen hergenommen.

In vielen Landwirtschaftshäuser wurde sogar im Stall gebadet. Im Kuhstall war es
schön warm und beim britscheln durfte auch Wasser auf den Stallboden laufen.

 

 

5 Gedanken zu “Der Badetag wie es früher war

    • ja, die drei letzten Bilder habe ich in einem Museum aufgenommen.

      Der Badetag war früher immer ein freudiges Ereignis und ganz toll war es, wenn man sich dann in ein frisch überzogenes Bett kuscheln konnte.

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  1. Was für ein wunderbarer Post von dir zu diesem Thema, liebe Traudl. Wieder mal… 🙂
    Es klingt fast etwas beneidenswert, wie es bei euch früher zuging. Aber nur fast. 😉
    Auf jeden Fall wurde zu diesen Zeiten deutlich ökologischer mit unseren Resourcen umgegangen.
    Die Bilder sind auch wieder herrlich.
    Auf Bild 1 gefällt mir zudem diese violette Clematis. Wunderschön.
    Und du bist ja ein richtiger kleiner Dreckspatz, wie mal bei uns sagte. 😀
    Was ist denn das für ein frivoles „Blüschen“ auf Bild 3? Die junge Dame hat wohl Angst vor einer Unterkühlung obenrum? 😆

    Gefällt 1 Person

  2. Danke liebe Berta für Dein Lob.
    Meine erlebte Kindheit möchte ich nicht missen.

    Der kleine „Dreckspatz“ ist meine „jetzt große“ Nichte. Aber mich könnte man genauso daneben stellen.
    Ich war ebenfalls so ein „Staubbündel“ nach einem abenteuerlichen Spieltag. 🙂

    Früher wurde im sogenannten Badezimmer – Waschküche oder Küche mit Fliesenboden – nicht immer geheizt. Somit war oft schon die leichteste Bluse ein kleiner Wärmespender obenrum. 🙂

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