Als die Mauer fiel

Am 13. August 1961 wurde die Trennung der beiden deutschen Staaten durch Ost-Berlin endgültig vollzogen. An diesen Tag kann ich mich auch heute noch erinnern. An die bedrückenden Bilder die aus Berlin gezeigt wurden und wie auch in meiner Geburtsstadt morgens um 7:00 Uhr, es war ein Sonntag, amerikanische Panzer Richtung Grenze fuhren.

Niemals hätte ich in den darauffolgenden Jahren gedacht, und da war ich durchaus nicht alleine, dass ich es noch erleben würde und die Mauer eines Tages nicht mehr da ist. Nein da deutete in den Jahren danach nichts darauf hin. Mit Willy Brandt begann zwar etwas Entspannung, mehr jedoch nicht.

Doch dann begannen die Montagsdemonstrationen in der DDR und ich befürchtete für die, die dort mitmarschierten schlimmes. Man hatte noch den Aufstand der Bauarbeiter in Ost-Berlin und die Ereignisse in Ungarn oder in der Tschechoslowakei im Gedächtnis.

An den Abend des 9. November erinnere ich mich noch, als wäre es gestern gewesen. Wir guckten die Berliner Abendschau und da kam die Meldung aus Ostberlin. Günter Schabowski verlas die Nachricht, die erst etwas unscheinbar erschien, jedoch alles veränderte. Allerdings geschah dann nichts weiter und so ging ich gegen 22:30 Uhr ins Bett. Am Morgen des 10. November hörte ich dann im Radio, man solle das 3. Programm einschalten. Also machte ich entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten schon morgens den Fernseher an. Und glaubte meinen Augen nicht zu trauen. Die Grenzen nach West-Berlin waren alle geöffnet und es spielten sich unbeschreibliche Szenen ab. Ich setzte mich erst einmal hin und hoffte, dass ich es nicht träume.

Als ich meine Frau zur Uni fahren wollte, war es fast nicht möglich durchzukommen. Die Straßen waren verstopft und überall jubelten Menschen und hatten Tränen der Freude in den Augen. Wir wohnten damals noch in Kreuzberg. Von dort bis zur Uni am Ernst-Reuter-Platz brauchte ich ca. 2 ½ Stunden. Und als ich dann endlich im Büro ankam, war es mittlerweile fast 11:00 Uhr. Aber wen störte das schon an diesem Tag? An arbeiten war ohnehin nicht zu denken und die Geschäftskunden aus Westdeutschland riefen bei uns an und fragte, was bei uns los ist. Viel konnten wir da auch noch nicht sagen. Unser Chef kam gegen Mittag und erzählte uns, er sei in der Nacht als alle in den Westen gingen, vom Westen bis zum Alex gelaufen. Er wollte einfach mal sehen, ob es geht. Zum Glück ging es gut. Denn für uns West-Berliner öffneten sich die Grenzen erst ein paar Wochen später.

Am Abend ging ich dann mal zum nahen Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße und beobachtete wie sich die Menschen die lange aufeinander warten mussten, in den Armen lagen. Wahnsinn, das war das Wort der Maueröffnung.

Wenn ich heute am ehemaligen Grenzkontrollpunkt Heinrich-Heine-Straße vorbeikomme, überlege ich mir oft, wo war hier eigentlich die Mauer?

Mittlerweile haben wir längst „rüber gemacht“ und wohnen in einem ehemaligen Bezirk von Ost-Berlin. So ist Normalität eingekehrt in Berlin.

Fast drei Jahrzehnte sind seit diesem Ereignis ins Land gezogen und leider ist bei vielen noch immer die Mauer im Kopf. Das wird sich wohl erst ändern, wenn es die Alten nicht mehr gibt.

12 Gedanken zu “Als die Mauer fiel

  1. Du hast beides erlebt und als die Mauer fiel, warst Du hautnah dabei. Ein Erlebnis das man nie vergißt. Als wir im letzten Jahr in Berlin waren, haben wir ein Stück der Mauer gesehen, ansonsten kann man sich den Verlauf garnicht mehr vorstellen. In den Köpfen einiger Menschen gibt es noch Ost und West und sicher trauern auch einige den „alten Zeiten“ hinterher.

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  2. Ich weiß auch oftmals nicht mehr, wo die Mauer stand. Wenn ich die Brunnenstrasse lang gehe, erkenne ich meine Gegend so gut wie gar nicht mehr wieder. Eine Zeitlang wohnten wir direkt an der Mauer. Nur durften wir der nicht zu nahe kommen. Auf den Besucherturm konnten die Wessis zu uns gucken. Winken war auch verboten.
    Ich wünsche mir oft, wir wären nicht geflohen, so kurz vor dem Fall, dann hätte ich es alles hautnah miterleben können. Aber wir waren da bereits in Frankfurt am Main.

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  3. Das ist doch eigentlich ein Witz der Geschichte, oder? Aufgrund eines Mißverständnisses zwischen Scharbowski und des Zentralkomitees wurde die Mauer eingerissen – „unverzüglich“ hat er auf die Frage eines Journalisten geantwortet, ohne sich darüber bewußt zu sein, was das bedeutet. Aber Du hast Recht, da bin ich ganz Deiner Meinung: Ohne Gorbatschow wäre das gar nicht möglich gewesen. Er ist DIE zentrale positive Person für die Geschichte Deutschlands des 20. Jahrhunderts. Wenn zukünftige Geschichtsbücher gerecht sind, werden sie das würdigen müssen.

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