Wochenthemen

Yeah, Wochenthemen, zu denen mir spontan was einf├Ąllt. Wie geil.
Ich bin 69er Jahrgang, an dem Tag, als erstmals ein Mensch den Mond betrat, bekam ich meinen ersten Zahn und keine 12 Jahre sp├Ąter wurde ich auch musikalisch sozialisiert. Meine Eltern waren kein wirklich gutes Beispiel f├╝r Musikliebhaber der 70er und bei Omi lief nur WDR 4 und die Platten im Schrank, die nicht gerade Beethoven oder Mozart zum Besten gaben, beinhalteten die Schlagerparade. Es gab wohl eine Beatlesplatte, aber das sagte mir nichts und die eine Single meines Onkels „Yesterday Man“ war meine Lieblingsplatte, aber nach hundert siebenundzwanzig Wiederholungen auch nicht das gelbe vom Ei. So konnte ich alle Schlager der 70er und fr├╝hen 80er auswendig. Immerhin. Ich wusste es nicht besser.
Meine Sozialisierung begann merkw├╝rdigerweise auf 1200m H├Âhe ├╝ber dem Almtal in Ober├Âsterreich, wo ein gr├Â├čerer Junge aus M├╝hlheim mit mir Tischtennis spielte und einen normalen Sender auf dem kleinen Kofferradio einstellte. Das Hotel hie├č Almh├╝tte und war nat├╝rlich f├╝r den Winter ausgelegt und wir spielten Tischtennis im Apresski Saal, wo im Sommer niemand war, der nicht Tischtennis spielen wollte. Der Inhaber hie├č ├╝brigens Hermann, war kleiner als ich mit 12 und schleppte spielend drei Koffer die steilen Stiegen hoch. Das hat aber nichts mit der Neuen Deutschen Welle zu tun, aber ich wollte es mal erw├Ąhnt haben.
Das St├╝ck, welches mir die Welt au├čerhalb des deutschen Schlagers offenbarte, welches mich neugierig machte, welches mich nach unserer R├╝ckkehr nach Deutschland zu meinem ersten Plattenkauf ├╝berredete, war Eiszeit von Ideal. Danke Annette. Ich werde Dir ewig dankbar sein. Dank Dir finde ich Schlager heute so schlimm, wie es dem Schlager geb├╝hrt.

Elektrische Gitarren, die nicht nur Melodien spielen, schr├Ąger Synthi und eine Stimme, die mal rau, mal schmeichelnd, mal verzweifelt, mal w├╝tend schnell die Worte, die eine Bedeutung hatten ohne Liebe, K├╝sse und Santa Maria, aus dem Radio sprach, sang und schrie, ein Schlagzeug, das den Namen auch verdient, all das ├╝berzeugte mich. Ich war nicht wirklich rebellisch. Ich versteckte auch die LP, da nach „Eiszeit“ „Sex in der W├╝ste“ l├Ąuft und alleine das Wort war, nun ja, ich war 12 und erst vor drei Jahren aufgekl├Ąrt und das mit dem Penis in die Scheide einf├╝hren fand ich wohl immer noch nicht die gelungenste aller M├Âglichkeiten der Fortpflanzung. Aber auch Sex in der W├╝ste war super. Aber mein Favorit wurde „Erschie├čen“. Und das war auch nicht das, was meine Eltern als gelungenste aller M├Âglichkeiten der Lebensplanung angesehen h├Ątten. Aber ich hatte Kopfh├Ârer. ­čÖé Und ich begann mich f├╝r Musik zu interessieren, da es anscheinend auch Musik gab, die wilder als Dschinghis Khan von Dschinghis Khan war.
Nun gut, das Thema ist nun mal NDW und gerne trete ich hier wieder die alte Diskussion los, was NDW war und was nicht. Jedenfalls bestanden die Compilation LPs meist zu 60% aus St├╝cken von nicht-NDW Gruppen. Spliff, Ideal, Herbert Gr├Ânemeyer oder gar Ton Steine Scherben oder DAF haben vielleicht von der NDW profitiert, geh├Âren aber ganz sicher nicht in das Genre. Oder die Spider Murphy Gang. Lustigerweise wusste ich Teenie das nat├╝rlich nicht, aber im Nachhinein war es bezeichnend, dass ich all die Gruppen und Interpreten gut fand, die nur auf der Welle mit schwammen. Joachim Witt zum Beispiel. Oder die bekannteste NDW Gruppe Trio. Trio ist so gar nicht NDW. Dadada kann jeder gerne das Gegenteil behaupten. Dadada und Anna waren Parodien einer Grungeband auf die NDW. Aber halt gut gemacht und zwei sind ja auch reich und ber├╝hmt geworden. Der Arme ist vor zwei Jahren gestorben.
Die wirklichen NDW Interpreten teilten sich drei Gruppen auf. Die bereits vorhandenen, die von der NDW profitierten, die von der Musikindustrie gecasteten (und leider hat meine Annette da mit gemacht, aber das Schwesterherz brauchte das Geld) und die Splashbands, die einfach auf den Zug aufsprangen. Meine Lieblingsband aus der dritten Gruppe ist Nichts. Ihr bestes St├╝ck ist Nichts. Gro├čartig. Und Radio.

Wie der Zufall es will, fiel in die Zeit, als die NDW den ├ťberhitzungstod starb, auch mein erster Kuss. Etwas romantisch am Rhein, ziemlich unromantisch am Rande einer vierspurigen Einfallstra├če. Wer D├╝sseldorf nur von heute kennt, kann sich schwer vorstellen, wie es da in den 80ern aussah. ├ťbrigens haben wir uns zehn Jahre sp├Ąter auch am Rhein endg├╝ltig getrennt. Ich habe geweint. Etwas unprofessionell, aber es erkl├Ąrt meine Verbundenheit zum Rhein, die ich ├╝berall sp├╝re, egal ob in der Schweiz, in Karlsruhe, zu Hause oder in Holland. Es ist mein Fluss.

Mein erster Kuss war nicht gut. Glaube ich.

Zu zwei der drei anderen Themen schreibe ich dann im Laufe der Woche. Wochenthemen sind gro├čartig. Wenn mir dazu was einf├Ąllt. Eigentlich fehlt nur noch Fu├čball Ficken Alkohol in den Vorgaben f├╝r diese Woche.

So long Chris

17 Gedanken zu “Wochenthemen

  1. Ich glaube mal irgendwo gelesen zu haben, dass der begriff „Neue Deutsche Welle“ eine Erfindung der Plattenfirma von DAF war und auch im Zusammenhang mit denen zuerst auftauchte. Insofern w├Ąre es nat├╝rlich bl├Âd, zu behaupten, sie h├Ątten nicht dazu geh├Ârt. Aber ich verstehe schon, was Du meinst. Die NDW zeichnete sich vor allem durch Kurzlebigkeit aus, selbst wenn man noch heute einige Lieder mitsummen k├Ânnte. Aber wenn man die typischen NDW-Lieder heute h├Ârt (und mitsummt) denkt man eher „das war lustig damals“ als „Das war verdammt gute Musik damals“. Das war’s n├Ąmlich echt nicht.

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  2. Interessant. Ich habe viel ├╝ber die NDW gelernt, das ich nicht wissen konnte, da ich diesbez├╝glich auf der falschen Seite vom Zaun aufgewachsen bin.
    Zu den Themen Ficken und Alkohol kannst du doch gern auch au├čerhalb der Wochenthemen mal was schreiben. Da aber hier auch vor 22 Uhr und auch von unter 16j├Ąhrigen gelesen wird, sei doch bitte so nett, und schreibe statt Ficken immer Romm├ę und statt Alkohol immer Gurkensalat. Wir wissen dann schon, was du meinst… ­čĄú

    Gef├Ąllt 5 Personen

    • Nun, obwohl ich auf der richtigen Seite aufgewachsen bin, was die NDW anging, so habe ich das Wissen dar├╝ber auch alles erst sp├Ąter erlangt. Denn als 12 J├Ąhriger ist da auch kein Gef├╝hl f├╝r aktuelle Musikgeschichte. Es ist halt nur bezeichnend, dass ich Hubert Kah, UKW, Markus und die Dorinas halt nicht so toll fand, sondern Spliff, DAF, Ideal, Witt und Trio. Aber ich kannte ihre Geschichte nicht.
      Ja, sorry, nat├╝rlich lesen so einen blog auch Teenies. :)) Einen Zehner das nicht!?! Die lesen nicht mal Posts, die l├Ąnger als drei Zeilen sind.

      Aber mal was anderes, was muss ich denn einstellen, damit ich hier informiert werde, wenn ich einen Kommentar bekomme?

      Gef├Ąllt 1 Person

      • Na, auch wenn die von mir Erw├Ąhnten hier nicht wirklich mitlesen – wir k├Ânnten ja wenigstens so tun. Ich w├╝rde sehr gern die Posts zu den Themen Romm├ę und Gurkensalat lesen… ­čśÇ
        Wie du mitbekommst, ob jemand bei dir kommentiert hat?
        Du gehst einfach recht oben auf die Glocke, dann auf das Zahnrad f├╝r die Einstellungen und dann w├Ąhlst du den Gruppenblog aus und setzt am besten ├╝berall ein H├Ąkchen, wie auf dem Bild hier.
        Wenn du zus├Ątzlich noch Mails haben willst, dann musst du in der Spalte halt auch noch H├Ąkchen rein machen. Ansonsten ist ja dann immer, wenn du Kommentare oder Likes bekommst, ein orangener Punkt direkt rechts unter der Glocke…

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