Weihnachtsgeschichte 2018 – Episode 3 (inkl. Audioversion)

Episode 3 von Berta

Völlig überrascht drehte sich Rofibald-Geruwim mehrmals um seine eigene Achse, konnte aber Frau und Hund nirgends entdecken. ‘Wie vom Erdboden verschluckt. Solche Möglichkeiten sind doch eigentlich nur uns Zwergen vorbehalten!’, dachte er.

Grübelnd lief er in Richtung Tannenwald davon. Nach einer Weile begann plötzlich wieder seine Rufwurzel in der Tasche zu tanzen. Verwundert holte er sie hervor und hörte eine mädchenhafte Stimme sagen: „Hallo Rofi! Ich bins, Utila! Der Chef hat mich zu dir geschickt, damit ich euren Tannenwald ein paar Tage beschütze. Tytola ist bei mir. Wir sind gerade im Wald. Heinrich und Josef sind auch hier. Können wir uns hier treffen?“

„Aber ja!“, sagte Rofibald erfreut. „Das ging ja schnell. Der Chef hat mir doch die Hilfe eben erst zugesagt! Aber warum wundert mich das eigentlich?“ Lachend steckte er die Rufwurzel zurück und lief nun guter Dinge weiter. Mit Utilas und Tytolas Hilfe würden die Diebe sicher schon sehr bald auf frischer Tat ertappt und die Gefahr aus dem Tannenwald verbannt werden.
Schon von Weitem nahm er am Fuße der wunderschönen Tanne, die für das Dorf bestimmt war, neben Heinrich und Josef die zerlumpte Gestalt samt Hund von eben wahr. Da sie die Kapuze abgenommen hatte, sah Rofibald nun ihr goldblondes Haar. Jetzt ergab alles einen Sinn! Die zerlumpte Gestalt, die von etlichen Dorfbewohnern gesehen, aber sehr unterschiedlich beschrieben worden war, mußte Utila gewesen sein. Und der Hund war Tytola. Bella war also nur einer der vielen Namen Tytolas gewesen.

Rofibald rannte die letzten Schritte auf Utila zu und sie fielen sich strahlend in die Arme. Utila wirbelte den Zwerg übermütig in der Luft herum, so dass diesem fast seine Kiepe vom Rücken rutschte. Schnell glitt er wieder auf den Boden. Nun stellte sich Tytola auf ihre Hinterbeine, schlug die Vorderpfoten vor ihrem Körper übereinander, wackelte mit dem linken Ohr und begann zu lachen. „Ich habe dich schon im Dorf gewittert!“, sagte sie zu Rofibald. „Aber Utila ist meine Mentorin, und wenn sie sagt, dass wir gehen müssen, dann stelle ich ihre Worte nicht infrage.“ Als der Hund sich wieder neben Utila gelegt hatte, zog der Zwerg ihn liebevoll am Ohr und nahm dann selbst auf einem am Boden liegenden Ast gegenüber Heinrich und Josef Platz. Auch Utila setzte sich wieder zurück und lehnte mit dem Rücken am Stamm der Tanne.

„Was habt ihr denn schon heraus gefunden?“, fragte Rofibald in die Runde. „Ihr seid ja schon ein Weilchen hier. Erzähl doch mal, Tytola! Warum bist du hier auf allen Vieren unterwegs?“
Der Hund wackelte erneut mit dem linken Ohr, rülpste zweimal und implodierte plötzlich mit einem zischenden Geräusch. Anstelle des Hundes sahen Rofibald-Geruwim, Utila, Heinrich und Josef jetzt nur eine kugelförmige, schwebende Wolke in den Farben des Regenbogens. Sie waren nicht überrascht. Wenige Sekunden später verschwand diese Wolke mit dem gleichen zischenden Geräusch und wwwusch! saß an gleicher Stelle plötzlich eine sehr große, wunderschöne Schleiereule. Im Schnabel hielt sie eine kleine Ampulle aus Glas, die mit einer lilanen Flüssigkeit gefüllt war. Sie ließ sie ganz vorsichtig vor sich auf den Boden gleiten, schwang sich dann mit zwei kurzen, lautlosen Flügelschlägen auf einen Ast in etwa zwei Meter Höhe, wackelte mit dem linken Ohr, und begann plötzlich mit der Stimme Tytolas zu sprechen:

„Es sind zwei Diebe. Ein Mann und eine Frau! Ich habe sie bisher nur nachts gesehen, wenn ich hier oben in der Baumkrone gewacht habe. Sie haben schon mindestens zwei Dutzend Tannen gestohlen. Sie fällen jeden Baum einzeln, hieven ihn dann auf einen gummibereiften, klapprigen Karren und ziehen in westlicher Richtung am Dorf vorbei von dannen. Ich bin ihnen bisher nicht gefolgt, da ich diese Tanne hier auf keinen Fall aus dem Auge lassen darf. Es würde Unglück über das Dorf bringen, wenn jemand versuchen würde, sie zu stehlen!“
Utila hob die Ampulle vom Boden auf und schüttelte sie kurz vor den Augen der Anderen. Die Flüssigkeit begann zu fluoreszieren.

„Wir werden heute Abend jeden einzelnen Tannenzapfen jeder Tanne dieses Waldes mit ein paar Tropfen dieses Detektums beträufeln.“, sagte sie. „Sobald der nächste Baum gestohlen wird, brauchen wir nur noch nachts den leuchtenden Spuren folgen und werden die Diebe finden. Tytolas Schwestern werden uns helfen. Sie sind schon auf dem Weg hierher.“
„Ich bin dabei!“, sagte Rofibald sofort. „Ich warne euch, sobald die Diebe wieder auf dem Weg hierher sind, damit sie euch nicht sehen. Nur so können wir sie überführen!“
Utila stand auf, zog die Kapuze tief ins Gesicht und drehte sich einmal blitzschnell um ihre eigene Achse. Plötzlich stand ein magerer, finster dreinblickender Mann an ihrer Stelle. Rofibald-Geruwim wusste Bescheid.

Audioversion, gesprochen von Sigurd

Alle bisherigen Episoden findet Ihr HIER als PDF!

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7 Gedanken zu “Weihnachtsgeschichte 2018 – Episode 3 (inkl. Audioversion)

  1. Hat dies auf CoronaCursa rebloggt und kommentierte:

    Und weiter geht’s mit unserer spannenden Weihnachtsgeschichte. Episode 3. Wie immer für die „Lesefaulen“ mit Audio und ganz unten findet ihr die PDF aller Episoden, für die, die gerade neu hereinlesen.
    Viel Spaß 😃

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  2. So! Nun kommen endlich Eulen ins Spiel. 🦉
    Aber man hat sich viel vorgenommen ….jeden Tannenzapfen jeder Tanne mit einer Tinktur beträufeln…🌜🌲🌲🌲⚱️
    Ich bin gespannt wie es weitergeht 🧙‍ und ob die Baumdiebe geschnappt werden!
    Bisher richtig klasse Eure Geschichte. Fast wie die Geschichten aus 1001 Nacht – man wartet gespannt wie sie endet.
    Auch super von Sigurd dass er sich die Mühe macht vorzulesen und die Aufnahme davon zu machen. ❤

    Gefällt 1 Person

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