Weihnachtsgeschichte 2019 – Abschlußepisode Teil 3 – ENDE (inkl. Audioversion)

Das Schneewunder

Abschlussepisode von allen Autoren – Teil 3

„Ich wusste, dass etwas nicht stimmt!“ rief nun Odio verzweifelt. Sofort brachen alle auf. Die Eulen flogen mit dem Rabitum voraus, träufelten den Weg frei, und der Schlitten fuhr im halsbrecherischen Tempo wieder hinab ins Tal zum Nachbardorf.

Sie wichen tiefhängenden Ästen und Zweigen aus und wären beinahe mit einem Baumstamm kollidiert. Endlich bremsten sie unten im Tal am Rande des Dorfes. Versteckt hinter einer Anhöhe setzten Rofibald und die zwei Helferwichtel die drei ab.

„Ab hier müsst ihr es allein weiter schaffen. Wir müssen den Schlitten zurückbringen und haben auch noch viel Arbeit vor uns.“. Damit rauschten sie ab und verschwanden im Wald. Heinrich, Josef und Odio stapften auf dem freigelegten Weg über die Anhöhe. In diesem Moment brach die Wolkendecke auf, der Himmel erstrahlte in einem wunderschönen Blau, und die Sonne schickte ihre Strahlen hinunter. Der Schnee ringsum glitzerte und funkelte wie tausende von kleinen Sternen. Plötzlich ertönte hinter ihnen ein Wiehern. Erstaunt blickten die drei sich um, als ein wunderschönes, weißes Pferd auftauchte.

„Guckt nicht so verwundert.“, sprach das Pferd.

„Ein sprechendes Pferd!“, rief Heinrich fassungslos, riss sich die Mütze vom Kopf und raufte seine Haare. Josef stand wie versteinert da.

„Ich bin es doch nur, Utila. Ihr wisst doch, dass ich mich in jedes Wesen verwandeln kann.“. Dann lachten alle drei los. „Utila, du machst Sachen. Aber warum bist du jetzt hier?“, fragte Josef. „Ich werde euch natürlich auch helfen. Odio kann sich auf meinen Rücken setzen. und nun los ins Dorf. Alle suchen schon nach Martha!“.

Die drei Eulen flogen weiterhin voraus und halfen bei der Suche. Von oben hatten sie natürlich eine viel bessere Sicht. Die Dorfbewohner hatten die Wege bereits freigeschaufelt, so dass der Schnee sich links und rechts der Wege auftürmte. Überall herrschte emsiges Treiben. Viele kamen auf die drei zu und erzählten von Martha und dass man nicht wisse, wo sie sei.

Nirgendwo war Martha aufzufinden. Sie suchten jeden Winkel ab, bis sie zum Rande des Feldes kamen. Der Feldweg war völlig zugeschneit und niemand glaubte, dass Martha diesen gegangen sei. Doch dann kam Tytola angeflogen. Sie kreiste über Odios Kopf und rief: “Da hinten im Feld steckt ein Köfferchen im Schnee. In der Nähe einer Scheune. Aber wir haben Martha dort nirgends gefunden.“.

„Oh nein, nicht dass meine Martha eingeschneit wurde und womöglich erfroren ist!“, weinte Odio. Für ihn war diese Vorstellung kaum auszuhalten.

Die Eulen träufelten weiterhin in Windeseile das Rabitum den Weg entlang und Odio ritt auf Utila schnell voran. Heinrich und Josef konnten natürlich nicht mithalten. Dennoch rannten sie hinterher. Schließlich wollten auch sie Martha retten. Die Scheune kam in Sicht, und am Scheunentor beginnend waren tiefe Hufspuren im Schnee zu erkennen. „Schnell! Da lang!“, rief Odio aufgeregt. Man sah deutlich, dass sich ein großes Pferd durch den Schnee gekämpft hatte. Sie folgten dieser Spur, die sich endlos dahin wand. Hinter einer kleinen Baumgruppe tauchte schließlich der Bahnhof auf.

Ein Gedanke machte sich plötzlich in Odios Kopf breit: Ob Martha weg gefahren war? Einfach so auf Nimmerwiedersehen?

Die Eulen stießen wieder Rufe aus. „Schnell! Beeilt euch!“. Utila galoppierte jetzt so schnell, dass Odio auf ihrem Rücken heftig durchgeschüttelt wurde. Er hatte Mühe, sich zu halten und nicht vom Pferd zu fallen. Endlich erreichten sie den Bahnhof. Dort sahen sie den Bauern mit seinem Pferd.

„Wo ist Martha?“, schrie Odio. Pfeifend, dampfend und qualmend fuhr gerade der Zug ein. Die Dorfarbeiter hatten gut geschuftet und die Schienen freigelegt. Der Bauer schaute Odio traurig an. Sein Zeigefinger zeigte zum Ende des Bahnhofs. Ganz hinten, beim letzten Wagon, sah Odio seine Martha. Sie stand da und starrte die Waggontür an.

„Ich habe versucht sie zu überreden, hier zu bleiben.“, sagte der Bauer. Doch Odio hörte schon nicht mehr hin. Er sprang vom Pferd und rannte schreiend den Bahnsteig entlang: “Marthaaaa! Warte! Fahr nicht weg!“

Verwundert drehte sich Martha langsam in seine Richtung. Die Stimme kam ihr bekannt vor. Zwischen den Reisenden sah sie die roten Haare auf und ab hüpfen. War das wirklich ihr Odio, oder träumte sie nur? Tränen schossen ihr in die Augen und sie rannte ihm entgegen. „Odiooo!“

Weinend und voller Freude fielen die zwei Gnome sich um den Hals, klammerten sich aneinander und wollten sich nie wieder loslassen. Alle um sie herum begannen zu applaudieren. Vielen der Umstehenden traten jetzt Tränen in die Augen. Sie waren glücklich darüber, dass die zwei Liebenden sich wiedergefunden hatten.

Martha und Odio schauten sich nur an und die Welt um sie herum schien stillzustehen. So viele Fragen brannten Martha auf den Lippen. Noch immer konnte sie nicht fassen, dass ihr Odio nun leibhaftig vor ihr stand. „Odio, Odio,“, stammelte sie, „wo bist du gewesen? Warum bist du damals nicht gekommen?“.

„Ach mein Liebling,“, meinte Odio, „das ist eine lange Geschichte und ich werde sie dir später in Ruhe erzählen. Was mir aber viel wichtiger ist…“. Der Gnom sank vor ihr auf die Knie. „Willst du immer noch meine Frau werden?“

Wieder fing Martha an zu weinen und Odio sank schon der Mut. Doch dann kam ein lautes „Ja“ aus tiefster Seele. Was war das für eine Freude! Alle Umstehenden kamen sofort heran, um den beiden ihre Glückwünsche auszusprechen.

Der Zug hatte mittlerweile schnaufend den Bahnhof verlassen und die Gruppe trat den Heimweg an. Odio nahm seine Martha mit in seine Baumhütte und erzählte ihr später von seinem Missgeschick und dem Fluch, der damit einherging. Er erzählte auch von seinen bösen Taten, die er begangen hatte, weil er den Menschen um sich herum ihr Glück nicht gegönnt hatte. „Ich glaubte, alles verloren und vergessen zu haben. Doch genau diese Menschen haben mir ihr Vertrauen geschenkt.“, sprach Odio voller Ehrfurcht. Liebevoll nahm Martha ihren Odio in die Arme und sagte leise: “Ich habe immer an dein gutes Herz geglaubt und nur in ganz dunklen Stunden, wenn ich tief verzweifelt war, an deiner Liebe gezweifelt. Dafür bitte ich dich um Verzeihung.“

Im Dorf gab es auch viel zu erzählen. Die Geschichte um Odio und seine Martha machte die Runde. Wieder war ein kleines Wunder in der Weihnachtszeit geschehen. Die Weihnachtsvorbereitungen liefen derweil auf  Hochtouren und Heinrich und Emilia planten noch weiter ihre Hochzeit zu Silvester.

Eines Abends klopfte es an die Tür des Dorfgemeinschaftshauses, in dem die Dorfbewohner damit beschäftigt waren, alles festlich für das Weihnachtsfest zu schmücken. Vor der Tür standen Odio und Martha. Sie waren gekommen, um sich noch einmal persönlich bei den lieben Menschen zu bedanken, die ihrer Liebe eine neue Chance ermöglicht hatten. Natürlich erzählten Odio und Martha auch, dass sie den Bund der Ehe schließen wollten. Auf einmal riefen Heinrich und Emilia fast gleichzeitig: „Dann lasst uns doch eine Doppelhochzeit feiern!“. Jubel brandete auf. Odio und Martha schauten sich verliebt in die Augen und konnten nur glücklich nicken.

Später wurde im Dorf ein herrliches Weihnachtsfest gefeiert. Wieder gab es auf dem Dorfplatz eine festlich geschmückte Weihnachtstanne, die Kinder freuten sich über ihre Geschenke und man sprach vom Fest der Liebe, das wieder Wirklichkeit geworden war.

* * *

Heute war nun Silvester. Das ganze Dorf war auf den Beinen. Schon lange hatte man auf laute Böller und Knaller verzichtet, um die Tiere nicht zu verschrecken. Für die Kinder gab es Knallbonbons und Wunderkerzen. Was aber noch viel aufregender war, das war die anstehende Doppelhochzeit.

Zwei wunderschöne Bräute wurden von ihren Liebsten sehnsüchtig in der Kirche erwartet. Als die beiden Frauen das Kirchenschiff betraten, ging ein Raunen durch die Menge. Wie zwei Engel sahen sie in ihren Kleidern aus. Draußen hatte es wieder zu schneien begonnen, und als Martha auf ihren Odio zuschritt, konnte er das Glitzern der Schneekristalle in ihrem Haar sehen, die wie hunderte Diamanten strahlten. Nie hatte Martha schöner ausgesehen. Friede machte sich tief in ihm breit. Am Ende hatte der Schnee seine Martha in eine wunderschöne Winterbraut verzaubert. Schließlich gaben sich die beiden Brautpaare in einer tief bewegenden Trauungszeremonie das Jawort.

Anschließend gab es im Dorf ein rauschendes Hochzeitsfest. Es wurde geschmaust und getrunken, gesungen und getanzt. Heinrich hatte wieder eine große Liebe gefunden. Ihm war noch einmal ein Schatz in Form seiner Emilia und ihren Kindern geschenkt worden. Odio und Martha hatten den Glauben an die Liebe wiedergefunden und waren nun die glücklichsten Gnome der Welt.

Als um Mitternacht die Glocken zwölfmal schlugen, traten alle nach draußen und hießen das neue Jahr willkommen. Den Himmel schmückte ein Feuerwerk aus dem Nachbardorf. Silberne Sterne, goldene Fontänen und bunte Feuerschweife stiegen auf. Und so lebten sie alle glücklich und zufrieden bis zur nächsten Weihnachtszeit.

– Ende –

Audioversion, gesprochen von Sigurd

18 Gedanken zu “Weihnachtsgeschichte 2019 – Abschlußepisode Teil 3 – ENDE (inkl. Audioversion)

  1. Eine sehr schöne Weihnachtsgeschichte, spannend und mit happy end. 👰🤵 ❤ 🤵👰
    Ihr habt Euch sehr viel einfallen lassen um die richtige „Mischung“ für diese Geschichte zusammen zu erarbeiten und ich muss sagen: toll!
    Ich freue mich dass ich auch diese Weihnachtsgeschichte gelesen habe, denn sie ist wie jedes Jahr ein neues Märchen.
    Vielen Dank für Eure Mühe und die Zeit die Ihr uns geschenkt habt!
    Ich wünsche Euch Autoren und allen interessierten Hintergrundlesern ein frohes Weihnachtsfest!

    Gefällt 3 Personen

    • Ich denke. ich spreche im Namen von uns allen Autoren, wenn ich mich für Deine rege Beteiligung bedanke. Das Bild passt wunderbar zur Geschichte.
      Heute endet nun die Geschichte, sie hat ein Happy End und wieder haben Menschen ihr Glück gefunden. Der Weg dazu ist nicht immer einfach, das hat man oftmals selbst am eigenen Leib erfahren müssen. Glaube, Liebe, Hoffnung, das alles zusammen macht auch das Weihnachtsfest aus.
      Dir und Deinen Lieben, schöne Weihnachten!

      LG Biene

      Gefällt 2 Personen

  2. Hat dies auf Auch hier werden wir Spaß haben rebloggt und kommentierte:

    Hier endet nun unsere Weihnachtsgeschichte. An den Adventswochenenden war sie vielleicht eine kleine Auszeit von den Weihnachtsvorbereitungen. Wie in vielen Geschichten gibt es auch hier ein Happy End. Weihnachten macht nicht die Vielzahl an Geschenken aus, sondern es ist auch ein Fest der Liebe. Diese Liebe im Herzen wünsche ich allen Menschen und damit verbunden ein schönes Weihnachtsfest für Euch!

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  3. Vielen lieben Dank an alle Autoren dieser Weihnachtsgeschichte.
    Wie im letzten Jahr auch, habe ich sie mir mit Freude an den Wochenenden angehört.
    Ein kleines Highlight wie ich finde.
    Ich wünsche euch allen schöne friedliche Weihnachtsfeiertage.
    LG, Nati 🎄🎅

    Gefällt 1 Person

  4. …ich freue mich darüber, dass am Ende alles gut ausgegangen ist…gäbe es vor dem Frieden und der Freude keine Schwierigkeiten, würden sie vielleicht nicht genügend gewürdigt…so hoffe ich, dass es für alle hier und für alle auf der Erde viel Freude und Frieden gibt!

    Gefällt 3 Personen

  5. da habt ihr schreiberlinge euch ja wieder richtig ins zeug gelegt
    und viel zeit investiert um uns allen
    eine prima geschhichte zu präsentieren
    und die adventstage zu verkürzen
    da der weihnachtstrubel nun vorbei is
    dem wir uns nicht angeschlossen haben
    nu erwarten wir den jahreswechsel
    den wir wieder genauso ruhig verbringen werden
    gruß ronny

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