Ist das moderne Sklaverei?

Momentan finden einige Berufszweige (zu Recht) mehr Beachtung, als im bisher normalen Alltag. Alle verdienen diese Beachtung. Sie verdienen, dass endlich einmal öffentlich und laut über die Zustände, die Bezahlung, die Wertschätzung, den Arbeitsschutz u. a. diskutiert wird. Es gibt aus meiner Sicht keinen Berufszweig, der der wichtigste ist. Das mag die/der eine oder andere eventuell anders sehen…
Aber, mal ehrlich, was ist zur Zeit eigentlich noch schlimmer, als Fernfahrer auf Europas Straßen zu sein? 

  • Arbeitszeiten, die jenseits von Gut und Böse sind
  • Stress, Stress, Stress
  • Wertschätzung nahe Null
  • Bezahlung unterirdisch
  • sanitäre Bedingungen unzumutbar
  • Verpflegungsmöglichkeiten katastrophal
  • Vergehen gegen die Straßenverkehrsordnung oftmals unvermeidbar
  • Parkplatzsuche gleicht nicht selten einem Glücksspiel mit zu vielen Nieten
  • soziale Vereinsamung in der Fahrerkabine

Ich bin sicher, ich habe noch einige relevante Punkte vergessen.

Übertreibe ich? Ich denke nicht. Ich finde, jeder sollte mal in Ruhe darüber nachdenken. Ohne diese Männer und Frauen wäre die allgemeine Situation noch viel düsterer, um nicht zu sagen: Die Katastrophe wäre schon voll über uns herein gebrochen.

 

13 Gedanken zu “Ist das moderne Sklaverei?

  1. Damit hast du vollkommen recht. Und wir können froh sein, dass sie ihre Arbeit weiterhin ausführen, nicht sich verkriechen und nicht verweigern. Das wäre eine absolute Katastrophe. Die machen trotzdem weiter, egal wer, weil sie wissen, dass man gebraucht wird.

    Gefällt 3 Personen

    • Ja, sie wissen, dass sie gebraucht werden. Und noch mehr ist den meisten sicherlich klar, dass sie das Geld unbedingt brauchen. Wir können wirklich mehr als froh sein, dass die LKWs nach wie vor rollen und Waren von A nach B transportieren.

      Gefällt 1 Person

  2. Liebe Berta,
    Du hast vollkommen Recht! Der Beruf „Kapitän der Landstraße“ wird leider noch immer romantisch verklärt dargestellt.
    Dabei sind die Arbeitsbedingungen echt unterirdisch. Die Fahrer werden gewissermaßen gezwungen gegen geltende Gesetze zu verstoßen, Fahrtenschreiber werden manipuliert, Ruhezeiten können absolut nicht eingehalten werden, die Fahrzeuge sind oftmals gar nicht verkehrssicher u.a.m.
    Wenn bei Polizeikontrollen Mängel festgestellt werden, müssen die Fahrer meist aus eigener Tasche zahlen, bekommen die Punkte in Flensburg bis hin zum Entzug der Fahrerlaubnis.
    Und doch fahren sie für uns um Klopapier, Nudeln und Mehl heranzuschaffen, uns mit allem zu versorgen was wir glauben unbedingt haben zu müssen.
    Wir sollten ihnen wirklich mit mehr Achtung entgegen kommen und sie mehr wertschätzen.
    Ich stimme Dir voll zu!

    Gefällt 2 Personen

    • Du hast noch eine ganze Reihe weiterer Punkte aufgezählt, mit denen die LKW-Fahrer klarkommen und leben müssen. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, weil die Politik und die breite Öffentlichkeit sich dieser himmelschreienden Ungerechtigkeiten einfach nicht annehmen und Abhilfe schaffen.

      Gefällt 1 Person

    • Mir fällt auf Anhieb kein Berufszweig ein, bei dem es, zumindest aus meiner Sicht, noch ungerechter und menschenunwürdiger zugeht. Dabei ist der Beruf des Berufskraftfahrers in Deutschland meines Wissens der am meisten ausgeübte.

      Liken

  3. Da stimme ich Dir zu, den Druck den die jeden Tag ertragen müssen ist unvorstellbar- und am Ende müssen sie auch noch den Kopf dafür hinhalten. Die Bezahlung ist so knapp, das sie sich kaum Toilettengänge, geschweige denn eine Mahlzeit an der Raststätte leisten können und sich auf kleinen Spirituskochern ihre kargen Mahlzeiten selbst bereiten.
    Jeder von denen ist alleine unterwegs und sie sind froh wenigstens diesen Job zu haben, um ihre Familien, die sie viel zu selten sehen, zu ernähren.

    Gefällt 3 Personen

  4. Wie schön, dass diese Krise Menschen dazu führt, sich über das Leben anderer Gedanken zu machen.
    Hört aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sofort wieder auf, wenn die Krise überstanden ist.
    Läuft wieder alles rund, denkt wieder jeder nur an sich selbst, und wie er für sich alles noch verbessern könnte.
    Das ist das Wesen des Menschen.
    Und was ich damit sagen möchte ist, dass wir erkennen sollten, wie wir wirklich sind.
    Denn nur dann haben wir eine Chance an einer Verfeinerung unseres Charakters zu arbeiten, um wirklich imstande zu sein, etwas zu verändern.

    Gefällt 2 Personen

    • Du hast sicherlich auch Recht mit deinem Kommentar. Es liegt an uns selbst, was wir mit diesem Wissen machen. Jetzt und in Zukunft. Egal, wie das Leben „nach Corona“ für uns alle aussehen wird. Die LKWs müssen immer weiter rollen und sie werden sich noch eine lange, lange Zeit nicht komplett von alleine mit Waren von A nach B bewegen.

      Gefällt 2 Personen

  5. Lebe Berta,
    danke für Deinen Beitrag.

    Ich persönlich empfinde all die Berufe, die man derzeit als „systemrelevant“ bezeichnet, als moderne Sklaverei.
    Jede*r hat auf seine Art prekäre Arbeitsbedingungen.

    Aber Du hast Recht, Fernfahrer*innen haben zudem noch das Probelm mit den Sanitäranlagen und der Verpflegung – zumal derzeit auch einige Ratstsätten geschlossen haben!

    Von der Bezahlung möchte ich bei allen Berufsgruppen gar nicht erst anfangen. Es ist einfach nnur traurig!

    Ich hoffe die Menschen behalten die Wichtigkeit dieser Berufsgruppen auch nach Corona im Hinterkopf! Und vielleicht hilft es auch, diesen endlich angemessenes Geld zu zahlen! (Wunschdenken, ich weiß).

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s