Richardstraße und Richardkietz

Wenn du die folgenden Bilder siehst, denkst du vielleicht an eine ruhige und fast verschlafene Kleinstadt. Wenn ich nun hinzufüge, dass sie aus Alt-Rixdorf stammen, fühlst du dich möglicherweise sogar in eine ländliche Idylle versetzt. Doch weit gefehlt – du befindest dich mitten in Berlin Neukölln, nur wenige Meter vom Havy Metal Sound der pulsierenden Karl-Marx-Straße entfernt.  Doch diese Richardstraße führt weg vom tosenden Großstadtgewühl der heutigen Zeit und schnurstracks hinein in die Geschichte Neuköllns, das bis 1910 als selbständige Stadt Rixdorf hieß.

neukölln richardstraße c peter bachstein

Richardstraße Berlin Neukölln cpeter bachstein

Die Straße endet am Richardplatz, wo heute noch die alte Schmiede steht.

Blick auf die alte Rixdorfer Schmiede c peter bachstein

Der Richardkietz verweist übrigens auf die migrantische Tradition Neuköllns bzw. Rixdorfs. Vor 400 Jahren waren es nämlich protestantische Glaubensflüchtlinge, die nach der gewaltsamen Rekatholisierung Böhmens eine neue Heimat suchten. Die Gemeinde der böhmischen Brüder existiert im Richardkietz übrigens immer noch und manche der alten Häuser an der Richardstraße erinnern eindeutig an ihre Vorbilder im nördlichen Böhmen.

Haus in der Neuköllner Richardstraße - Kopie c peter bachstein

Im 19. Jahrhundert wurde die Richardstraße und der ganze Richardkietz übrigens häufig besucht – allerdings nur im Dunkel der Nacht. Dann kamen nämlich sogenannte ehrsame Bürger aus dem nahen Berlin (nur Männder) hierher, um sich diversen Ausschweifungen hinzugeben. Damals entstand auch der Gassenhauer „In Rixdorf ist Musike“, womit allerdings keineswegs nur Musik gemeint war. Am Tage wurde Rixdorft übrigens als Sündenbabel lauthals angeprangert – von den selben ehrsamen Bürgern, die nachts durch die Richarstraße ihren verbotenen Vergnügungen entgegeneilten.

Rixdorfs Ruf war denkbar schlecht – genau wie der von Neukölln in der heutigen Zeit. Hat sich also nichts geändert. Trotzdem wollten immer mehr Leute nach Rixdorf ziehen – auch hier lässt sich sagen, genau wie heute. In nur wenigen Jahrzehnten wurde aus Rixdorf eine pulsierende Großstadt. Die Richardstraße aber hat ihren traditionellen Charakter bis heute bewahrt.

 

5 Gedanken zu “Richardstraße und Richardkietz

  1. Tolle Fotos! Vielen Dank für diesen Einblick in den Berliner Stadtteil Neukölln sowie den kurzen interessanten geschichtlichen Exkurs dazu. Sehr interessant. Neukölln ist eben mehr als die Rütli-Schule. So!

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    • ach ja die rütli schule. nicht weit davon hab ich dreißig jahre lang gewohnt. in die rütli schule sind meine kinder jedoch nicht gegangen, aber in den dortigen kindergarten. ich muss aber auch sagen, dass ich die schlechten nachrichten nicht ganz bestätigen kann. zumindest der kindergarten war spitze. ist natürlich alles eine ganze weile her und wie die heutigen verhältnisse dort sind, kann ich nicht sagen. auf jeden fall aber hat neukölln jede menge schöne ecken, nicht nur rund um den richardkietz…

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    • nun ja, in diesem fall ist es weniger das herum kommen. vielmehr ist ja neukölln quasi mein heimatstadtteil. auch heutzutage sind wir dort noch oft zugange, obwohl sohnemann in charlottenburg wohnt und töchterchin in eichwalde, was gar nicht mehr berlin ist, sondern bereits in brandenburg. doch neukölln lässt uns einfach nicht los…

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