Wie ich zum bloggen kam

Puh, gerade noch rechtzeitig. Hierzu habe ich tatsächlich etwas zu schreiben. Und nehme mir jetzt einfach die Zeit.

Ich erinnere mich noch sehr gut an die Umstände, denn die Freundin war in Umständen und ich brauchte ein Ventil, um meine Gedanken und Gefühle kundzutun. Mit meinem Umfeld im Privaten (also zum Beispiel der Ehefrau, liebevoll in Ehetrine umbenannt) konnte ich über den Umstand schlecht in herzlicher Atmosphäre sprechen, die Menschen in der Arbeitswelt ging das nichts an und so suchte ich mir eine Möglichkeit, mein damaliges, naives und trotzdem euphorisches Hochgefühl in die Welt zu posaunen. Es war Januar 2008, ich googelte nach „blog“ und fand blog.de.

Ich suchte einen Wolf als Profilbild, habe den unter Missachtung aller Copyright Regelungen verwendet, nannte mich chris08, Chris, weil mein richtiger Vorname nur durch eine Konsonantenverschiebung im Skandinavischen aus Christian entstanden ist (witziger weise gibt es total viele Menschen, die Karsten Christian heißen, was im Arabischen soviel wie Mohamed Muhamad heißt), 08, weil 08 mein Jahr werden sollte, wie auch immer, was es dann natürlich auch nicht wurde. Dann noch einen sprechenden, einfachen blog Namen ausdenken (Zyniker) und los ging´s.

Mein erster Eintrag hatte mehr Leser als ich hier auf wordpress jemals hatte. Ich hatte ja was zu erzählen. Ich bekam sofort positive Rückmeldung, die Leser wollten meine „Freunde“ sein (so hieß folgen auf blog.de) und manche besorgten sich einen Vorrat Popcorn. Leider ist dann alles etwas Unspektakulärer zu Ende gegangen, als geplant.

Trotzdem blieb ich beim Bloggen, bloggte über Politik, Klima, Unsinn, schrieb Gedichte (kurz und schlecht) und hatte die legendäre Serie „freckles of the day“. Sex sells. Fünf Jahre lang schrieb ich im Schnitt zehn Einträge die Woche, mal lange, mal ganz kurze, hatte immer dreistellige Leserzahlen, stand mit meinem blog bei google auf Platz drei (hinter wikipedia und einer Seite, dessen Domäne auch nur aus „Zyniker“ bestand). Man war jeden Tag mit blog.de beschäftigt, las unzählige blogs, musste Kommentare beantworten, durfte Kommentare schreiben, PNs lesen und bei Bedarf beantworten, die schlimmsten Arten von Stalking überstehen, Stiefelbilder anschauen, in die Abgründe und in die Langeweile so vieler Menschen schauen, denn man war halt Teil einer Familie, denen man ja Entsprechendes auch zurückgab: Abgründe, Langeweile, Unverständnis, Überheblichkeit, Zynisches, Freundliches und Gemeines. Gerne zurückgab. Das Bloggen nahm einen Großteil meines Privatlebens ein. Ich lernte wundervolle Menschen kennen, abscheuliche Arschlöcher;

und außerordentlich liebenswerte Menschinnen.

Das tat ich dann auch, also lieben. Bis heute.

Gut, es war ja lange bekannt, dass blog.de zumacht, aber ich habe das wie so eine hippe CDU einfach ignoriert und gedacht, neue Entwicklungen sind ungerecht, aber ich kriege das schon irgendwie hin. Siehe da, ich hab´s nicht hingekriegt, mein letzter Blogeintrag ist von April. Aus gutem Grund. Und nein, ich habe keinen Instaccount und für youtube bin ich echt nicht blauhaarig genug. Ich habe weniger zu erzählen, die Art, wie ich erzähle kommt immer weniger an, niemand interessiert sich für Zusammenhänge mehr, die Kultur ist einfach eine andere. Sind blogs tot? Mehr oder weniger, wahrscheinlich ja, leider. Aber ich hoffe, Ihr arbetet daran, dass es nicht so kommt. Ich bin dafür zu müde.

So long Chris

Stress im Alltag?

Stress an sich gibt es ja gar nicht, sondern er entsteht durch einen selbst. Er entsteht, wenn die eigenen Erwartungen nicht mehr der Realität übereinkommen, wenn zu viele äußere Einflüsse den eigenen Bedürfnissen gegenüberstehen, oder im schlimmsten Falle, wenn man sich selbst Aufgaben als unabdingbar auferlegt, die man aber nicht erfüllen kann.

Wie gehe ich damit um? In dem ich die äußeren Einflüsse, die ich nicht beeinflussen kann, als gegeben ansehe und meine Erwartungen dementsprechend reduziere. Ein einfaches Beispiel. Als ich noch jünger war, bekam ich Stress, wenn ich irgendwo zu spät ankam. Sei es, weil Mami mich noch anwies, den Mülleimer herunter zu tragen (vierte Etage und damals musste man den Mülleimer auch wieder hochtragen, denn niemand kam auf die Idee, Plastiktüten in den Mülleimer zu tun, nur um dann damit den Müll herunter zu tragen, eine wirklich bescheuerte Idee, übrigens) und ich die Straßenbahn verpasste, oder weil die Straßenbahn einfach nicht kam, oder weil nun ja, tausend andere Gründe, wer kennt sie nicht die Fahrschule oder der Müllwagen in engen Straßen direkt vor einem. Ich wusste also, ich komme zu spät, ich schaute auf die Uhr, ich rechnete, ich lief ungeduldig hin und her, oder gab mit dem Fahrrad unverhältnismäßig Gas, der Puls stieg, der Magen wurde flau. Und ich kam zu spät. Der ganze Stress war absolut unnötig. Er hat mir nichts gebracht. Also ging ich dazu über, zu akzeptieren, dass ich zu spät komme. Das ist nicht immer schön, gerade im Alltag, also wenn man erst zehn Minuten später im Stadion ist, und Fortuna da schon 1:0 führt und hinterher 1:4 verliert, dann hat man das beste verpasst, aber das hätte man so oder so. Die Entscheidung ist nur: Stress ich mich, oder nicht?

Mir selber erlege ich keine Aufgaben auf, die unnötig Stress erzeugen. Muss ich HEUTE die Fenster putzen? Eher nicht. Muss man den Alltag mit Aufgaben voll setzen, die nicht unbedingt nötig sind? Eher nicht. Kann man nicht einfach drei Runden League of Legends spielen und dann feststellen, dass es schon halb zwei nachts ist und man ja eh nichts mehr erledigen kann? Eher schon.

Die Frage, die sich jeder stellen muss: Ist es mir wert, um gesellschaftlichen Normen zu entsprechen (regelmäßige Friseurtermine, geputzte Schuhe, streifenreine Fenster), mir selbst im Alltag das Leben zu versauen, oder nicht.

Und dann kommt der Stress im Beruf. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

So entspannt Chris

PS. Man kann das alles für sich selbst so entscheiden, oder einen 1649€ teuren Kurs für Entschleunigung besuchen. Gerne bei mir. Ab einer Gruppe von 10 Teilnehmern 2% Rabatt.

Staunende Stauden und wilde Bienen in Sachsen und England auf youtube

Schon wieder Wochenthemen und diesmal direkt zum Start, denn am Ende der Woche sind da noch so viele Themen und so wenig Tage. Und so viele Themen. Das bedeutet einen völlig sinnlosen blog Eintragtitel. Passend zum Eintrag.
Also, dem Stauden Thema möchte ich eine pragmatische Lösung hinzufügen, die weit über die Kommentare hinausgehen: Kaufe einfach 18 irgendwelche, aber verschiedene Stauden, pflanze sie in die Dunkelheit und die überlebende Staude ist der Lieblingsfrage richtige Antwort.
Alternativ kaufe Dir keine Stauden, sondern lege einen Komposthaufen an. Der sieht zwar nicht so schön aus wie eine Staude, macht aber mehr Arbeit. Und wenn dann in drei Jahren aus dem verdichteten Baulehmboden eine lebende Erde geworden ist, stelle die Frage noch mal, nur lass den Lehmboden weg.
Wirklich erstaunlich, erst dieses Jahr das erste Mal zu erfahren, dass unsere Wildbienen und andere Insekten kaum noch Lebensraum finden. Den finden sie übrigens nicht in Stauden, sondern in Wildwiesen. Die Wildwiesen brauchen auch nur ganz wenig Kompost. Und man spart das Benzin für den Rasenmäher, schont die Nerven der Nachbarn und sorgen grundsätzlich dafür, dass genau diese Nachbarn dann naserümpfend Deinen Garten betrachten, der ja ausschließlich aus Unkraut besteht. Und Wildbienen.

Der deppert aussehende Typ aus Chemnitz kam aus Dresden. Er hat seinen Job verloren. Aber niemand denkt mehr an den Nazi, der sich vor laufender Kamera eingenässt hatte, als er 1992 in Lichtenhagen lautstark für ein starkes Deutschland, in dem Nazis gerne leben, demonstrierte und jahrelang das Gesicht, bzw. die Jogginghose, des dumpfen Nazisostens war. Harald Ewert. Hätte es damals schon twitter gegeben… Insofern eine gute Tat vom Hutbürger.
Sachsen mit Panzern überrollen ist gar nicht so einfach, das ist an manchen Stellen schon ganz schön hoch da. Dresden ist eine schöne Stadt und jemand möchte da noch mal hin, bevor sie stirbt. Und ich muss die nächste Woche ins Erzgebirge. Beruflich. Wenn Panzer, also bitte erst in ein paar Monaten. Die Sachen sind schon ganz nett eigentlich. Wir saßen so beim Abendessen (Teambuildung ist sooo wichtig) und sprachen belangloses Zeugs, wir Privatsphäre bei facebook (das V in facebook steht für Vertrauen) und dass man ja auf keinen Fall Bilder der eigenen Kinder weil es laufen ja immer mehr Verrückte durch die Straßen und man weiß ja nie. Und die Flüchtlinge!!!11!1! Ich habe gegoogled und nichts stand da von einem höherem Prozentsatz pädophiler Neigungen bei Arabern. Nee, ich habe nicht gegoogled, ich wusste das schon vorher. Ein bis zwei verlorene Generationen dort oben im Erzgebirge. Das ist bitter, aber man kann das nicht schön reden. Wer denken kann geht weg. Das ist so. Im Schnitt. Selbst Leipzig ist ja schon eine ganz andere Welt. Aber landschaftlich ist das Erzgebirge kaum zu toppen.

Ich mag Youtube. Da kann man so lustige Videos gucken. https://www.youtube.com/watch?v=9X896-t6JvY

Der Nazi war nämlich gar nicht von seinem Bierurin aus der Harnröhre eingenässt, sondern hatte das gleich unverdaut auf die Hose geschüttet. Macht ihn nicht klüger.
Ansonsten nutze ich youtube als Hintergrudmusik. Die Auswahl des „nächsten Videos“ ist ziemlich gelungen. So kann man z.B. drei Stunden Pink Floyd hören ohne einmal eingreifen zu müssen. Und Another Brick in the Wall kam auch nicht.
Die alten Konzertmitschnitte sind meine Lieblingsvideos. Wer einmal Grindel live mit Fish gesehen hat und immer noch kein Marillion Fan ist, dem kann ich auch nicht helfen.
Ich habe aber kaum Kanäle abonniert, komme ich ja eh nie zu, das alles nach zu sehen. Aber mein Kleiner hat locker 99 Benachrichtigungen am Tag. Er hat minecraft Spielen auf youtube gelernt. Niemand solle mehr sagen, die Jugend von heute könne sich vor lauter Reizüberflutung nicht mehr konzentrieren. Er kann locker drei Stunden konzentriert minecraft tutorials auf youtube verfolgen und danach das Gelernte die Nacht über anwenden. youtube ist toll.

Das Brexit Thema ist natürlich eine eigene blog Serie wert. Im Prinzip ging es darum, dass so viele Polen und Bulgaren ins Land kamen und niemand auf der Insel das verhindern konnte, weil die bösen Europäer in Brüssel!!!11!1! Dazu ein paar grausame Geschichten über Bürokratie in Brüssel, Gerüchte über Millionen von Rumänen auf gepackten Koffern, ein paar alte empire stories und eine schwache Wahlbeteiligung, weil das ja niemand wirklich glauben wollte. Dass der Brexit ein Fehler ist, weiß inzwischen jeder, aber wie ein kleines Kind, dem eine Fahrt auf dem größten Karussell auf der Kirmes versprochen wurde, steigt man jetzt trotzig ein und wird kotzen. Und die Kartoffeln selber aus der schmutzigen Erde ziehen müssen. Aber wie der Brexitminister erst kürzlich bekannt gab, plant die Regierung nicht, einen Nahrungsmittelvorrat anzulegen. Was wie eine Beruhigung klingen sollte, zeigt eigentlich umso brutaler, wie groß der Einschnitt werden wird, denn zumindest hat man darüber nachgedacht. In Westeuropa. mi 21. Jahrhundert. Ohne Krieg.

Alles wird gut.

So long Chris

Wochenthemen

Das Witzige bei den Wochenthemen hier ist, dass es fast mehr Beiträge zum Erstellen der Vorschläge gibt, als dann tatsächlich Einträge zu den Wochenthemen. Und das Zweitwitzigste ist, dass ich nie etwas schreiben kann, wenn es um aktuelle Themen geht, aber wenn es um „damals“ geht, steht Chris in der ersten Reihe.

Die Erinnerungen an meine Schulzeit beinhalten halt auch Spaziergänge im Herbst, wobei Spaziergänge eher Wanderungen waren. Mein Klassenlehrer und Mathelehrer, ich hatte ihn im WM Beitrag vorgestellt, lief mit uns Kilometer um Kilometer. Ein besonders herbstlicher Spaziergang ging um den Baldeney See in Essen. Alleine schon von der Auswahl der location her schon nicht so toll, wenn man sonst Bergisches Land, Eifel und Sauerland gewohnt war. Und es goß in Strömen. Von morgens bis abends und aus irgendeinem Grund brauchten wir für eine Runde um den See von morgens bis abends. Meine Mutter hatte das irgendwie voraus gesehen, wahrscheinlich hat die den Wetterbericht gelesen, und steckte mich in den gelben Ostfriesennerz, der in unseren Hollandurlauben im Herbst bei Spaziergängen an der Nordsee gute Dienste geleistet hat. Und in die dazu passenden Gummistiefel. In Gelb. Was natürlich dazu führte, dass ich mir auf beiden Seiten riesige Blasen gelaufen habe. Gummistiefel sind auch für Spaziergänge im Herbst ungeeignet.

Wohnung renovieren macht Spaß? Ist die Frage ernst gemeint? Hahahahaha.

Kataloge sind für mich in Zeiten der Internetpornos for free absolut unbrauchbar.

So long Chris

Wochenthemen

Yeah, Wochenthemen, zu denen mir spontan was einfällt. Wie geil.
Ich bin 69er Jahrgang, an dem Tag, als erstmals ein Mensch den Mond betrat, bekam ich meinen ersten Zahn und keine 12 Jahre später wurde ich auch musikalisch sozialisiert. Meine Eltern waren kein wirklich gutes Beispiel für Musikliebhaber der 70er und bei Omi lief nur WDR 4 und die Platten im Schrank, die nicht gerade Beethoven oder Mozart zum Besten gaben, beinhalteten die Schlagerparade. Es gab wohl eine Beatlesplatte, aber das sagte mir nichts und die eine Single meines Onkels „Yesterday Man“ war meine Lieblingsplatte, aber nach hundert siebenundzwanzig Wiederholungen auch nicht das gelbe vom Ei. So konnte ich alle Schlager der 70er und frühen 80er auswendig. Immerhin. Ich wusste es nicht besser.
Meine Sozialisierung begann merkwürdigerweise auf 1200m Höhe über dem Almtal in Oberösterreich, wo ein größerer Junge aus Mühlheim mit mir Tischtennis spielte und einen normalen Sender auf dem kleinen Kofferradio einstellte. Das Hotel hieß Almhütte und war natürlich für den Winter ausgelegt und wir spielten Tischtennis im Apresski Saal, wo im Sommer niemand war, der nicht Tischtennis spielen wollte. Der Inhaber hieß übrigens Hermann, war kleiner als ich mit 12 und schleppte spielend drei Koffer die steilen Stiegen hoch. Das hat aber nichts mit der Neuen Deutschen Welle zu tun, aber ich wollte es mal erwähnt haben.
Das Stück, welches mir die Welt außerhalb des deutschen Schlagers offenbarte, welches mich neugierig machte, welches mich nach unserer Rückkehr nach Deutschland zu meinem ersten Plattenkauf überredete, war Eiszeit von Ideal. Danke Annette. Ich werde Dir ewig dankbar sein. Dank Dir finde ich Schlager heute so schlimm, wie es dem Schlager gebührt.

Elektrische Gitarren, die nicht nur Melodien spielen, schräger Synthi und eine Stimme, die mal rau, mal schmeichelnd, mal verzweifelt, mal wütend schnell die Worte, die eine Bedeutung hatten ohne Liebe, Küsse und Santa Maria, aus dem Radio sprach, sang und schrie, ein Schlagzeug, das den Namen auch verdient, all das überzeugte mich. Ich war nicht wirklich rebellisch. Ich versteckte auch die LP, da nach „Eiszeit“ „Sex in der Wüste“ läuft und alleine das Wort war, nun ja, ich war 12 und erst vor drei Jahren aufgeklärt und das mit dem Penis in die Scheide einführen fand ich wohl immer noch nicht die gelungenste aller Möglichkeiten der Fortpflanzung. Aber auch Sex in der Wüste war super. Aber mein Favorit wurde „Erschießen“. Und das war auch nicht das, was meine Eltern als gelungenste aller Möglichkeiten der Lebensplanung angesehen hätten. Aber ich hatte Kopfhörer. 🙂 Und ich begann mich für Musik zu interessieren, da es anscheinend auch Musik gab, die wilder als Dschinghis Khan von Dschinghis Khan war.
Nun gut, das Thema ist nun mal NDW und gerne trete ich hier wieder die alte Diskussion los, was NDW war und was nicht. Jedenfalls bestanden die Compilation LPs meist zu 60% aus Stücken von nicht-NDW Gruppen. Spliff, Ideal, Herbert Grönemeyer oder gar Ton Steine Scherben oder DAF haben vielleicht von der NDW profitiert, gehören aber ganz sicher nicht in das Genre. Oder die Spider Murphy Gang. Lustigerweise wusste ich Teenie das natürlich nicht, aber im Nachhinein war es bezeichnend, dass ich all die Gruppen und Interpreten gut fand, die nur auf der Welle mit schwammen. Joachim Witt zum Beispiel. Oder die bekannteste NDW Gruppe Trio. Trio ist so gar nicht NDW. Dadada kann jeder gerne das Gegenteil behaupten. Dadada und Anna waren Parodien einer Grungeband auf die NDW. Aber halt gut gemacht und zwei sind ja auch reich und berühmt geworden. Der Arme ist vor zwei Jahren gestorben.
Die wirklichen NDW Interpreten teilten sich drei Gruppen auf. Die bereits vorhandenen, die von der NDW profitierten, die von der Musikindustrie gecasteten (und leider hat meine Annette da mit gemacht, aber das Schwesterherz brauchte das Geld) und die Splashbands, die einfach auf den Zug aufsprangen. Meine Lieblingsband aus der dritten Gruppe ist Nichts. Ihr bestes Stück ist Nichts. Großartig. Und Radio.

Wie der Zufall es will, fiel in die Zeit, als die NDW den Überhitzungstod starb, auch mein erster Kuss. Etwas romantisch am Rhein, ziemlich unromantisch am Rande einer vierspurigen Einfallstraße. Wer Düsseldorf nur von heute kennt, kann sich schwer vorstellen, wie es da in den 80ern aussah. Übrigens haben wir uns zehn Jahre später auch am Rhein endgültig getrennt. Ich habe geweint. Etwas unprofessionell, aber es erklärt meine Verbundenheit zum Rhein, die ich überall spüre, egal ob in der Schweiz, in Karlsruhe, zu Hause oder in Holland. Es ist mein Fluss.

Mein erster Kuss war nicht gut. Glaube ich.

Zu zwei der drei anderen Themen schreibe ich dann im Laufe der Woche. Wochenthemen sind großartig. Wenn mir dazu was einfällt. Eigentlich fehlt nur noch Fußball Ficken Alkohol in den Vorgaben für diese Woche.

So long Chris

Fußball WM

Meine allererste Erinnerung an Fußball und Fernsehen und WM ist das Endspiel 1974. Ich erinnere mich für meine Verhältnisse sehr genau an dieses Ereignis. Ich war fünf und es war wahrscheinlich das erste Mal, dass ich fernsah und dass ich Fußball sah.

Die Familie versammelte sich also an diesem Sonntag Nachmittag vor dem Röhrengerät. Es war sehr neu für uns, weil Opa sich zur WM einen Farbfernseher gegönnt hatte. Da fiel die alte Schwarzweißkiste für uns ab. Wir waren damals Papi, Mami, der Fünfjährige und das Baby.

Nach wenigen Sekunden war der Ball im Tor, und soviel wusste ich schon, das muss gut sein. Also freute ich mich. Es war dann das einzige Mal, dass mein Vater mich wegen eines Fußballspiels rügte. „Das war die falsche Mannschaft, da freut man sich nicht!“ Meine Mutter versuchte zu schlichten, und nahm mich in Schutz: „Woher soll der Kleine das denn wissen?“

Im Laufe der nächsten Jahrzehnte habe ich weit über ein Jahr in Holland verbracht, zwar nie mehr als vier Wochen am Stück, aber immer und immer gerne, und gäbe es erneut ein Endspiel zwischen Deutschland und Holland, ich freute mich erneut über ein Tor von Oranje.

1982 war ich dann im Bilde, und wie es sich für das Alter gehört, ein absoluter Deutschlandfan. Unser Mathe., Bio- und Klassenlehrer war aus einer anderen Zeit und hatte für Fußball keinerlei Verständnis. Er war aber auch der Wanderführer des Sauerländischen Gebrgsvereins Sektion Ratingen und animierte uns häufig, an den Wanderungen teil zu nehmen. Einige haben die Einladungen angenommen, in irriger Hoffnung, dass sich dies auf die Noten auswirken könnte. Klein Chris wanderte gerne. Ich habe das wirklich gerne gemacht. Ich spielte ja weder Fußball noch Handball im Verein und hatte sonntags sonst wenig Vergnügen außerhalb der Familie und genauso wie heute mochte ich es, unbekannte Wege zu erforschen, neue Landschaften zu entdecken und Tiere und Pflanzen zu beobachten. Ich war ein komisches Kind, ich geb´s zu.

Am 11. Julie 1982 sollte dann wieder eine Wanderung sein und erstaunt musste Herr Dr. (phil,) Feuerstein feststellen, dass niemand sich meldete. WM Finale geht vor.

Am Montag nach der „Schande von Gijon“ schrieben wir eine Mathearbeit. Herr Feuerstein pflegte in den zwei Stunden nicht nur eine Zigarre zu rauchen, sondern auch die Zeitung zu lesen. Und da er ja wusste, wie wichtig uns Fußball war,  las er an diesem Tag auch den Sportteil, erst gelangweilt, dann immer interessierter, fast hektisch (was für seine Verhältnisse immer noch so angespannt war wie eine Weinbergschnecke auf Valium) und platze es aus ihm heraus: „Für diese Betrüger verzichtet Ihr auf die Wanderung durch die Eifel?!?“

Im Jahr 1985 hatte ich meine erste Freundin. 1985 gab es keine WM. Aber zehn Jahre später. Ich freute mich auf den Abend, Italien gegen Irland stand an, das erste Spiel in der Gruppenphase, und direkt so ein Knüller, die Iren nach dem Triumph (für irische Verhältnisse) 1990 wieder dabei. Und das Spiel sollte ja auch alles halten, was es versprach, die Iren gewannen 1:0. Endloser Jubel in green.

Ich habe es nicht gesehen, denn an diesem Abend eröffnete mir meine Freundin nach fast zehn Jahren, dass sie einen anderen liebte und ich nicht mehr der Richtige sei. Was im Rückblick auch stimmte, und ich kann sie gut verstehen und mit mir vor 24 Jahren hätte niemand etwas aufbauen sollen. Aber trotzdem, mir hat das damals den Abend versaut.

Ich habe danach jedes Spiel der WM 94 gesehen. Jeweils mindestens 90 Minuten, alle Verlängerungen und all das Drama im Elfmeterschießen. Jedes Spiel war wie eine Droge, die den Schmerz im Bauch, den Stich im Herzen für ein paar Minuten betäubte. Ich mochte Fußball schon vorher, ich bin mit Fortuna über die Dörfer gezogen, ich schaute mir gerne auch Spiele an, wo ich keinen Bezug hatte, aber in diesem Sommer 1994 habe ich begonnen, Fußball zu lieben.

Die WM 2018 läuft so an mir vorbei. Ich rege mich nicht auf, wenn Deutschland verliert, es sind ja keine Idole mehr für mich, keine Vorbilder, keine Helden, es sind junge Fußballprofis, fast 30 Jahre jünger als ich. Deutschland ist nicht mehr wichtig. Aber ich schaue immer noch gerne Fußball. Auch Iran gegen Marokko. Gerade Iran gegen Marokko. Sowas sieht man ja sonst nicht. Ich drücke Island die Daumen, aber genau das Spiel habe ich wegen der Arbeit komplett verpasst. Was mir früher Bauchschmerzen bereitet hätte. Aber ich komme drüber hinweg.

So long Chris

Wochenthemen

Oh, diese Wochenthemen sind eine Herausforderung.

  • Vogelgezwitscher
  • Globalisierung
  • Handy mit Vertrag oder Prepaid
  • Lieblingsblumen
  • Würzmischungen

Ich kann verstehen, dass diese Themen bei Abstimmungen nur zweite Wahl waren. Ich könnte es gut verstehen, wenn immer jeweils nur zwei Themen zur Auswahl standen.

Vogelgezwitscher ist so unnötig wie normal. Ich wohne auf dem Land. Da sind Vögel. Die zwitschern. Was sollte man darüber bloggen. Montag Abend bin ich zu FUß vom Bus hier hoch gelaufen und da waren Wildschweine direkt neben der Straße und die grunzten. Darüber hätte ich früher, als wir alle noch bei blog.de waren, gebloggt. Aber wenn ein Vogel zwitschert, da fällt selbst mir nichts zu ein.

Über Globalisierung kann man nicht einfach so bloggen. Das Thema ist viel zu komplex. Nur eines sollte man immer bedenken: Noch nie ging es so vielen Menschen auf dieser Erde so gut wie jetzt.

Handy mit Vertrag oder Prepaid? Fragen, die die Welt bedeuten. Wer keinen Vertrag bekommt, weil da ein Schufaeintrag dagegen spricht, der muss prepaid nehmen. Wer einen Anschlag plant, nimmt einen prepaid Vertrag und gibt einen falschen Namen an.

Lieblingsblumen ist so ein Thema, das ist so 50er. Ich habe mal angegeben, dass die Hängenden Menschen meine Lieblingsblumen sind. Mit unserem Klassenlehrer, der auch Biolehrer und passionierter Wanderer war, sind wir stundenlang durch die Eifel gelatscht, auf der Suche nach einem hängenden Menschen. Wir haben keine gefunden, dafür hatte er hinterher 20 hängende Schüler dabei.

Würzmischungen sind der Inbegriff für „ich kann nicht kochen“. Ich hasse sie, ich kann aber nicht kochen und die Frau, die ich geheiratet habe, kann kochen, aber will nicht und nutzt Würzmischungen und die Frau, die ich liebe kann kochen und weiß wahrscheinlich nicht mal, dass es Würzmischungen gibt.

Also, nächste Woche versuche ich dann mal, einen Eintrag zu schreiben. Über ein Wochenthema. Wie wäre es mit Fußball, Ficken oder Alkohol?

So long Chris