Karneval? Fasnet!

Bei uns gibt es keinen Karneval. Als ich Kind war, da konnte man sich am Faschingsdienstag mal als Cowboy, Indianer oder Prinzessin verkleiden. Aber eher nicht.

Der einzige Faschingsverein, den ich aus Stuttgart kannte, hieß Zigeunerinsel, benannt nach ein paar Äckern, auf denen früher die durchziehenden Völkchen bleiben durften, in Stuttgart selbst war es ihnen verboten zu übernachten.

Großen Eindruck machte das Treiben des Vereines nicht, mein Vater sah mit mir dem etwas jämmerlich daher kommenden „Umzügle“ nach und meinte verächtlich, das sei doch alberne Zeitverschwendung.

Mittlerweile ist es schon besser geworden, es gibt in Stadthallen Faschingsbälle und in kleineren Ortschaften ist das ganz beliebt.

Was jedoch immer stärker wird, ist die schwäbisch-alemannische Fasnet. Eigentlich ist dieses Brauchtum eher im Süden verbreitet und macht in der schwäbischen Alb Halt. Stuttgart blieb davon unberührt und ich komme aus dem Norden Stuttgarts, wir bleiben völlig außen vor. Zu südlich für den Karneval, zu nördlich für die Fasenet.

Aber über Orte wie Tübingen, Sindelfingen oder Leonberg kroch die Fasnet langsam aber sicher in Richtung Norden.

Hier sind sie also, die Narren, die Hästräger, Hexen und Hansel. Bedrohlich sehen sie aus, mit ihren lauten Schellen, den Prügeln in der Hand, den grinsenden Hexengesichtern. Dem Winter wollen sie Angst und Beine machen. So laufen sie durch die Straßen und Gassen, jeder Schritt lässt rhythmisch die Schellen klirren. Auf manchen Kostümen werden Nussschalenhälften zu tausenden aufgenäht, Holzmasken schauen wütend in die Menge, aus Stroh gefertigte Gewänder rascheln geheimnisvoll.

Ich mag die jungen Burschen, die geschwind beim Umzug die Regenrinne hinaufklettern, um den Mädchen auf den Balkonen einen Kuss zu rauben oder Kinder zu entführen. Laut sind sie und wild und wunderbar! Und der Winter, der bekommt richtig Angst!

Einmal wollte einer der Wilden Leute ein Kind entführen, das dann aber jämmerlich zu weinen anfing. Da nahm der Hästräger die Maske ab und tröstete das Kleine, bis es ganz beruhigt wieder der Mutter übergeben werden konnte. Ein toller Kerl war das!

Ich mag die Fasnet sehr. Dieses alte Brauchtum, aus den Wurzeln von Aberglaube, Trotz gegen die Natur und ein wenig Kampfgeist geboren, hat die Jahrhunderte ganz gut überstanden. Und es zeigt auch, wie harte Lebensbedingungen im kälteren Süden mit seinem oft schlechten Ackerland eine ganz andere Kultur hat entstehen lassen, als das im Rheinland der Fall war.

Mein Schwiegervater stammt aus Köln. Immer, wenn wir im Februar zu Besuch sind, gucke ich ganz amüsiert das Wochenblatt durch. Jede Straße hat dort scheinbar einen eigenen Karnevalsverein, das Blättlein ist voll von Geschichten und Berichten über die närrische Zeit.

Ich machte einmal eine Bemerkung darüber, dass Karneval in meiner Region keine große Rolle spielt. Da erzählte mein Schwiegervater mir, dass seine Mutter jedes Jahr die gute Aussteuerwäsche in die Pfandleihe brachte, damit man Karneval feiern konnte. Anschließend musste man dann sparen, um die Wäsche wieder holen zu können.

Im Schwäbischen ein undenkbares Sakrileg, ich kann es mir immer noch nicht richtig vorstellen. Bei uns waren früher die Menschen bettelarm und verkauften ihre Kinder in die Schweiz, um den Winter überleben zu können. Wer hätte da Wäsche abgegeben, um Karneval zu feiern?

Also bleiben wir Schwaben bei unserer schwermütigen Fasnet und überlassen es den leichtlebigen Rheinländern Funkenmariechen tanzen zu lassen. 🙂

Freundschaften, ein flüchtig Gut?

Bevor wir unsere Ausreise nach Thailand antraten, machte ich ein großes Fest für alle Freunde.

Schon da fiel mir auf, dass es so viele gar nicht sind. Bekannte habe ich eine Menge, aber Freunde?

Es kommt vielleicht darauf an, wie man den Begriff „Freund“ für sich definiert. Kulturell sehen Deutsche in einem Freund viel mehr als z.B. ein Amerikaner, Deutsche möchten gerne eine gewisse Tiefe in Beziehungen. Das trifft auf mich ganz bestimmt zu.

Viele Menschen haben Freunde aus der Jugendzeit, mein momentaner Freundeskreis ist erst ein paar Jahre vor der Ausreise entstanden. Ich habe da nicht viel erwartet und sorgte mich, dass bei unserer Rückkehr alle Verbindungen verloren seien.

Tatsächlich aber sind es diese Freunde, die bei jeder Heimreise freudige Mails schicken und Treffen arrangieren. Die sich interessieren und auch mal Fragen stellen, neugierig sind und zuhören möchten.

Ich habe eine kleine Schar wunderbarer, früherer Kolleginnen, die längst Freundinnen wurden. Mit ihnen habe ich weiterhin Konkakt und auch bei ihnen bin ich mir sicher, dass ich wieder in ihrer Mitte ankommen werde.

Mittlerweile sind 3,5 Jahre vergangen und ich spüre die Zeit wie ein gefräßiges Monster, das langsam aber unaufhaltsam die alten Bande zersetzt. Die Mails werden weniger, man hat sich nichts mehr zu erzählen, die Gemeinsamkeiten sind auf Geschichten aus der Vergangenheit geschrumpft.

Die Bekannten sind längst schon fort. Das ist auch in Ordnung so. Niemand legt sein Leben auf eine Wartehalde, nur weil wir diese Entscheidung getroffen haben. Vielleicht läßt sich die eine oder andere Bekanntschaft wiederbeleben, bei ein paar Leuten würde ich mich freuen.

Allerdings gibt es eine Familie, die wirkliche Freunde sind. Da weiß ich, dass es hält. Wir hatten uns in China kennengelernt und wohnen auch 2 Stunden Autofahrt voneinander. Diese Menschen sind richtige Freunde, da kann ich Taschentücher vollheulen und mich lautstark über Ärgernisse auslassen. Dort finde ich Ruhe und tiefe Einsichten, kluge Gespräche und guten Wein. Bei ihnen habe ich keine Sorge, dass ich sie verlieren könnte. Und das macht mein Leben wirklich reicher. Ich hoffe, dass ich auch so eine gute Freundin für sie bin!

Abstimmung zur Themenwoche vom 11.11.-18.11.17

Ihr Lieben,

nachdem meine letzte Nominierung in Leere lief, darf ich Euch nochmals neue Themen vorstellen! Ich hoffe, sie sind interessant für Euch!

  • Karneval, ja oder nein?
  • Mein größter Aufreger der Woche
  • Urlaub: Bergtyp oder Meeresfreund?
  • Lieblingsautoren
  • Das ist völlig schiefgegangen!

Abstimmen könnt ihr bis Freitag, 10.11.2017, 18:00 Uhr.
Und natürlich zähle ich die Stimmen so schnell wie möglich aus. Bin ja selbst gespannt!

Für die nächste Themenwoche habe ich mrsshahbandar herausgesucht, bitte melde Dich doch kurz, ob Du Lust hast!

Alles Gute Euch!

Thaitonien

Was ich tun will? Alles!

Naja, so ganz stimmt das nicht. Früher als ich jung war und es sie noch gab, da wollte ich auf die Raumstation MIR. Oh! Ich war so fasziniert! Da wollte ich hin. Ich finde Raumfahrt weiterhin wunderbar und gucke unendlich gerne Bilder von Alexander Kerst im All. Ich ginge gerne mal mit 🙂

Ich wollte Rennen fahren, tauchen, Fallschirmspringen, Flugstunden nehmen, reiten, Hunde haben, Höhlen erkunden, die Welt sehen. Keine Boote, ich mag Schiffe nicht sehr, man muss ja auch nicht alles mögen.

Nun, vieles habe ich tatsächlich umgesetzt, manches nicht. Also könnte ich mich ja jetzt noch ein bisschen ins Zeug legen, nicht wahr!

Aber man wird älter und beginnt Dinge anders zu sehen. Man erlebt viel und bewertet neu.

In Thailand kann man zum Tempel gehen und dort wird mangels Kirchensteuer allerhand überlegt, wie man zu Geld kommen könnte.

So kann man Dachziegel kaufen und auf der Rückfläche mit einer Bitte oder einem Wunsch beschriften. So ist der Herzenswunsch näher bei Buddha und der ist wohl aufgrund des Alters kurzsichtig geworden, da oben auf dem Dach sieht er sie besser.

Also stand ich vor meinem Dachziegelchen, dunkelorange war es, die Rückseite starrte mich leer an und wartete geduldig auf meinen Wunsch.

Geld? Haben wir genug.
Liebe? Ich habe meinen wunderbaren Mann.
Abenteuer? Haben wir ja auch schon einige erlebt.
Ruhm und Ehre? Nun, der Preis dafür ist wirklich zu hoch.

Am Ende ist es doch so: ich habe wirklich Glück mit meinem Mann und meinem Leben. Ich bin gesund, wir haben genug Geld, wir haben Freunde.

Was könnte ich mir denn nun wünschen? Eine schwierige Aufgabe! Was will ich denn nun noch machen mit meinem Leben, wie soll es besser werden, höher, schneller, weiter gelebt werden?

Vielleicht eine Schönheits-OP? Da gäbe es optional schon einige Baustellen!
Eine Beinverlängerung über Nacht, dann wäre ich mal mehr als Eineinhalbmeteramstück. Das könnte ich machen lassen.
Der Besuch einer Schlankheitsfarm, dort würde ich die 15 kg abnehmen. Jawoll.

Mir musste doch etwas einfallen! Ich musste doch unbedingt etwas auf die Kachel schreiben.

Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen:

„Ich will, dass alles so bleibt, wie es ist!“

Ich schrieb das schnell mit meiner schlampigen Schrift auf die Kachel und legte sie zu all den anderen dazu. Und freute mich. Und freue mich heute noch! Ich bin ein Glückskind!

Abstimmung zur Themenwoche vom 03.11.-10.11.17

Ihr Lieben,

diesmal ist es mir erstaunlich schwer gefallen, ich hatte nur seltsame Themen im Kopf. Jetzt habe ich alles nochmal überdacht und hoffe, diese Themen sind interessant!

  • Süchte
  • Eine neue Entdeckung (egal was, Hauptsache neu in Deinem Leben)
  • Mein liebster Besitz
  • Mein größter Fehlkauf
  • Freundschaften

 

Abstimmen könnt ihr bis Freitag, 03.11.2017, 18:00 Uhr.
Und natürlich zähle ich die Stimmen so schnell wie möglich aus. Bin ja selbst gespannt!

Die nächste Themenwoche darf ganz alleine mianoe gestalten!

Kap khun ka! 🙂

Thaitonien

 

Dezember ist doof

Ich meine, ehrlich, was ist da schön?

Bei der Arbeit drehen alle am Rad, als wäre es das Ende der Welt. Jedes Jahr. Es ist schlicht lächerlich, aber jedes Jahr die gleiche Hysterie. Ich reagiere da schon nicht mehr drauf, rechne lediglich stoisch die Überstunden in Urlaubstage um und stehe ergeben im abendlichen Stau, mit all den anderen, die auch nicht früher raus kamen. Wegen nichts.

Marc und ich sind Atheisten, vielleicht noch Agnostiker, mehr wird es nicht. Weihnachten ist ein schreckliches Fest geworden. Vielleicht war es das früher auch schon, aber in meiner Jugend habe ich das so nicht wahrgenommen.

Ich fühle mich versucht, meiner Umwelt zu erklären, was genau Weihnachten bedeuten sollte. Da scheinen Unklarheiten zu bestehen. Es geht da nämlich nicht darum, wer dem Enkelkind die meisten, besten und teuersten Geschenke macht. Und es ist auch keine kreditwürdige Freizeitbeschäftigung. Auch der Kampf, wer wen an welchem der Feiertage besucht, läßt mich kalt.

Es gibt tatsächlich schöne Dinge im Dezember. Weihnachtskonzerte, ich liebe dieses einfache, wunderschöne „Stille Nacht“. Der Don Kosakenchor ist absolut hörenswert. Obwohl ich Bach wundervoll finde, sein Weihnachtsoratorium ist zu beladen, ich finde es deprimierend, sollte das nicht viel fröhlicher und lebensbejahend sein? Weihnachten hinterlässt mich völlig irritiert und verwirrt. Tatsächlich ist es ein trauriges Fest. So verloren, sinnentleert, so ein aufgeblasenes Konsumereignis. Das liegt sicher auch daran, dass wir keine Kinder haben und keine Traditionen weitergeben können/dürfen/müssen.

Ich finde Weihnachten vermeidungswürdig. Marc zum Glück auch. Wir gehen dann. Gerne in ein muslimisches Land, dort ist es ruhig. Früher auch nach Asien, aber klar, da bringen mich die nächsten Jahre keine 10 Pferde mehr hin, es reicht jetzt erst einmal.

Sollten wir wirklich einmal festsitzen und Weihnachten in Deutschland sein, dafür habe ich mir schon vor Jahren einen Notfallplan einfallen lassen: am 24.12. einfach einen Tag lang bei der Tafel arbeiten und Weihnachten so verbringen, wie es für mich Sinn macht. Ich habe einmal einen Bericht gesehen, wie dort für Obdachlose Weihnachtsessen organisiert werden und das hat mich sehr beeindruckt. Das ist jetzt keine leere Gutmenschenworthülse, ich möchte das wirklich machen, einfach mal nicht für mich etwas tun, sondern da sein, wo man anderen etwas geben kann. Also irgendwie voll christlich 🙂