Meergedanken

Wenn ich ans Meer denke, dann denke ich nicht ans Mittelmeer oder Karibikstrände. Ich denke an die raue Nordsee, an Sanddünen und an den Wind. An den leichten Geruch nach Salz, der in der Luft hängt und an Leuchttürme, die aus der Landschaft ragen.

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Die norddeutschen Küsten sind einzigartig (und das sage ich bestimmt nicht nur, weil ich als gebürtiges Nordlicht vielleicht ein wenig voreingenommen bin). Ich finde, es lässt sich nirgendwo sonst so entspannt auf den Wellengang blicken, auch wenn der Wind manchmal gewöhnungsbedürftig ist – wozu gibt es schließlich Strandkörbe?

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Gekauft! 😀

Three be the things I shall have till I die: Laughter and hope and a sock in the eye. (Dorothy Parker)

Mein Lieblings-Frühlingsgedicht: „Ich bin im Mai idiotisch erotisch“

Das kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen, wenn hier nach dem Lieblinsgs-Frühlöingsgedicht gefragt wird, dann muss sich jemand wie ich, der das geschriebene Wort liebt, natürlich beteiligen. Ich mag die frivole Art zu schreiben von Miriam Frances und finde ihr – vermutliche bekanntestes – Gedicht einfach wunderbar gelungen, weil es nach meinem Empfinden die Waage zwischen frechen Andeutungen und offensichtlicher Lust hält. Wie denkt ihr darüber?

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Ich bin im Mai idiotisch erotisch

Ich bin im Mai idiotisch erotisch,
da leg ich mich immer gleich hin.
Da wirkt alles Männliche auf mich hypnotisch,
wenn ich so erotisch bin.

Da sind meine Sinne total von Sinnen,
da bin ich am ganzen Leibe Weib.
Da bringt mich der Anblick von Linnen zum Spinnen,
o Trieb, du mein Zeitvertreib.

Um alle Hüften da schwingt sich ein Bändchen,
mein Herz übt den Überschlag.
Auf jede Rundung da legt sich ein Händchen
bei Nacht und am helllichten Tag.

Die alte Erde trägt junges Gemüse,
ein Früchtchen wird frühreif gepflückt.
Es wiederbelebt sich die Hirnanhangdrüse,
vom Zucken des Frühlings entzückt.

[Miriam Frances]

In ein paar Monaten bist du wieder da!

Du bist ein Relikt vergangener Tage. Jetzt gibt es nur noch dich. Deine echten Geschwister sind bereits vor Wochen gegangen, haben sich nach einer kurzen Stippvisite nach und nach aufgelöst.

Und deine Freunde? Die sind inzwischen auch verschwunden. Von einem Tag auf den anderen, obwohl sie doch vor Kurzem noch Fenster, Terrassen und Gärten beleuchteten.

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Jetzt bist da also nur noch du, harrst allein auf deinem Balkon aus und wartest auf dein Ende. Doch keine Sorge, kleiner Leuchtschneemann: Du magst bald verschwinden, aber in ein paar Monaten bist du wieder da.

Jein-Sager

Unsere Vorfahren lebten in einer Zeit des Mangels. Um zu überleben, musste man nehmen, was man kriegen konnte. Die Frage, ob Mammut oder Säbelzahntiger auf den Tisch kommt, stellte sich einfach nicht. Heute ist die Sache komplizierter. Kaffee oder Tee? Brot oder Brötchen? Bus oder Bahn? Strandurlaub oder Wandertour? Kind oder Karriere? Täglich treffen wir rund 20.000 Entscheidungen, die meisten davon blitzschnell und unbewusst. Wir haben die Qual der Wahl.

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Quelle: http://www.fotolia.de

Neulich durchforstete ich auf der Suche nach einem neuen Staubsauger diverse Online-Vergleichsportale. Und irgendwann musste ich mich entscheiden: Mit oder ohne Beutel? Akku oder Kabel? Das Problem: Jede Wahl für etwas, ist auch eine Entscheidung gegen viele andere, attraktive Möglichkeiten.
Wenn ich beim Italiener Pasta esse, verpasse ich zwangsläufig das All-You-Eat-Sushi beim Japaner nebenan. Wenn ich Urlaub am Karibikstrand buche, kann ich keine Trekkingtour im Harz machen. Stellt sich später heraus, dass die Pasta langweilig schmeckt oder in der Karibik genau zu diesem Zeitpunkt ein Tropensturm wütet, steht man bedröppelt da und denkt: „Hätte ich doch bloß …“

Vor ein paar Jahren stellte eine Marktstudie fest, dass wir Deutschen ein Volk der Jein-Sager sind. Mich persönlich wundert das gar nicht. Schon die Hamburger Hip-Hop-Band „Fettes Brot“ brachte die missliche Lage bereits vor Jahren auf den Punkt und propagierte ein wohlüberlegtes und sehr erfolgreiches „Ja, äh nein, ich mein jein!“

Klar gibt es Menschen, die nicht lange fackeln. Die im Supermarkt zielsicher zum teuersten Käse greifen und ihren Urlaub ratzfatz in der Mittagspause buchen. (Habe ich schon getan.) Die chronischen Zögerer wiederum machen aus dem Käse-Kauf eine Wissenschaft und haben schlaflose Nächte, weil sie nicht wissen, ob es nach Rom oder Rio gehen soll. Sie wägen ab, hadern und schieben Entscheidungen so lange hinaus, bis das Problem von alleine gelöst oder die Chance verpufft ist.

Wieso ist unsere Entscheidungsfreudigkeit wohl so unterschiedlich ausgeprägt? Die Forschung ist sich einig, dass bei einem Entscheidungsprozess viele Faktoren gleichzeitig wirken: Impulsivität, Rosikobereitschaft, Hormone, Gene, eigene Erfahrungen und natürlich spontane Gefühle.

Alkohol im Geschäftsleben

Auf die aktuelle Frage der Woche bin ich gekommen, weil ich ein – nach meinem Empfinden – bedenkliches Erlebnis im Büro an meinem Arbeitsplatz hatte.

Anfang letzter Woche hatte eine Kollegin Geburtstag und neben dem obligatorischen Kuchen auch zwei oder drei Flaschen Sekt und Wein für alle Kollegen mitgebracht. Frei nach dem Motto: „Nur ein Gläschen zum Anstoßen.“
Die neue Kollegin in unserer lustigen Runde lehnte dankend mit dem Hinweis „Ich trinke keinen Alkohol.“ ab. So weit, so gut. Doch dann ging es erst richtig los:
„Ach, komm schon, nur einen Schluck zum Anstoßen.“
„Nun sei doch keine Spielverderberin!“
„Stell‘ dich nicht so an.“
„Wenn du nicht mal einen Schluck Sekt mit uns trinkst, bist du bei uns falsch.“
Und so weiter, und so weiter.

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Ich hielt mich ein bisschen abseits und sagte gar nichts dazu. Nun muss ich mich outen, denn ich mag Alkohol. Natürlich nicht wahllos alles, aber ich habe ein Faible für trockenen Weißwein, vor allem Chardonnay. Den trinke ich gern und ja, den trinke ich auch regelmäßig. Mit Genuß.
Was ich in dieser Büro-Situation aber beobachtet habe, das gefiel mir ganz und gar nicht, denn auch wenn alle die oben erwähnten Sprüche lustig gemeint waren, fand ich doch, dass man die Kollegin damit in eine Ecke drängen wollte. Für mich war das schon fast so eine Art Ausgrenzung. Weil die Kollegin keinen Alkohol trank, sollte sie bei „uns“ Alkoholikern (Ich übertreibe das jetzt absichtlich…) falsch sein? Das fand ich bedenklich. Da schmeckte mir auch mein Glas Weinschorle plötzlich nicht mehr. Ich habe es dann stehen lassen. Sozusagen in stiller Solidarität mit der „trockenen Kollegin“.