Weihnachtsgeschichte 2018 – Abschlußepisode (inkl. Audioversion)

Abschlußepisode von allen Blogautoren

Nach dem dringenden Hilferuf vom Chef machten sich Rofibald und Utila auf den Weg. Josef und Heinrich hatten ihre Hilfe ebenfalls angeboten, denn sie hatten schon Erfahrung beim Einsammeln der Geschenke, und viele Hände schafften viel. Der Weihnachtsabend rückte immer näher, und die Katastrophe mit dem Geschenkeberg warf erst einmal alle Pläne über den Haufen.
Langsam setzte die Dunkelheit ein und Tytola, Aurelia und Tamina begannen, das Detektum auf den Tannenzapfen zu verteilen. Die drei Schwestern besaßen die Fähigkeit, es durch genau aufeinander abgestimmte Flügelschläge so fein und gezielt zu zerstäuben, dass kleine, feine Nebelschwaden über den Tannenwald verteilt wurden, die sich wiederum als winzige Tröpfchen auf die Tannenzapfen legten.
Als sie schließlich ihre Arbeit verrichtet hatten, setzten sie sich zurück in ihre Baumwipfel und beobachteten den Wald.

Anfangs blieb alles ruhig. Hin und wieder konnte Tytola von ihrem Baum aus Finn und den kleinen Hund hören, der von Finn Wopsi gerufen wurde. Ein schöner Name, fand die Eule. Finn und Wopsi spielten zusammen im Schatten der Tanne. Doch was war das? Von weitem waren Schritte zu hören. Auf dem gefrorenen Waldboden war ein leichtes Knirschen zu vernehmen. Wopsi spitze die Ohren und ein leichtes Zittern durchlief seinen Körper. Tief aus seiner Brust kam ein leises Knurren und seine Nackenhaare stellten sich auf. Vorsichtig schlichen Finn und Wopsi wieder in den Schutz der Tanne. Ein Paar näherte sich dem Tannenwald, vermummt in dunkle Kleidung, die Mützen tief ins Gesicht gezogen und einen kleinen Wagen hinter sich her ziehend. Ihrem Flüstern war zu entnehmen, dass sie nach einer Tanne Ausschau hielten. Kurz darauf konnte Finn aus seinem Versteck beobachten, wie eine Gestalt mit einer Säge begann, eine Tanne zu fällen. Die andere Gestalt blickte währenddessen immer wieder in alle Richtungen, um sich zu vergewissern, dass sie nicht gesehen wurden. Schnell war die schöne Tanne umgefallen, und gemeinsam verluden die zwei sie auf ihre Karre. Sie zurrten eine Plane darüber und machten sich auf den Rückweg. Finn war sprachlos. Sollten das die Tannenbaumdiebe sein? Er war ängstlich und wusste nicht, was er tun sollte.

Plötzlich sprang Wopsi unter der Tanne hervor und folgte den Dieben. Finn traute sich nicht, den Hund zurück zu rufen. Zu groß war seine Angst, dass die Diebe ihn hören könnten. Doch seine Liebe zu dem kleinen Hund war größer, als seine Angst, und so folgte er Wopsi. Tytola saß oben versteckt in einem Ast, breitete ihre Schwingen aus und flog den beiden lautlos hinterher. Amelia und Tamina schlossen sich ihr an. Die Schwestern konnten lautlos miteinander kommunizieren und wussten sofort, was zu tun war. Alleine konnten sie den Jungen und den Hund nicht durch den Wald laufen lassen. In großem Abstand folgten sie dem Diebespaar. Die Bäume und die beginnende Dunkelheit boten ihnen dabei etwas Schutz. Der Weg schien kein Ende nehmen zu wollen und der Wald wurde immer dichter und finsterer.

Währenddessen waren Rofibald, Utila, Heinrich und Josef zum Chef geeilt. Der war mittlerweile mühsam unter dem eingestürzten Geschenkeberg hervor gekrochen. Gemeinsam schauten sie sich das Chaos an. Zum Glück stellte sich ziemlich schnell heraus, dass keine Geschenke zu Schaden gekommen waren. Es war nur ein völliges Durcheinander entstanden. Die fünf machten sich unverzüglich daran, alles wieder in Ordnung zu bringen.

Mittlerweile hatte sich die Dunkelheit über dem Tannenwald weiter ausgebreitet, und die Eulen waren Finn und Wopsi sehr nahe. Zum Glück, denn die Orientierung fiel den beiden immer schwerer, und ohne Hilfe hätten sie sich verlaufen. Finn war froh, die Eulenschwestern zu sehen. Ihm war es immer mulmiger geworden, und Wopsi schmiegte sich ängstlich an ihn. Tytola, Amelia und Tamina begleiteten die beiden zurück zur mystischen Weihnachtstanne, denn diese durfte unter keinen Umständen länger ohne Schutz zurückgelassen werden. Durch das Detektum konnten sie den Dieben auch später noch folgen.

Lange mussten sie nicht warten, bis Rofibald, Utila, Heinrich und Josef wieder in den Tannenwald zurückkehrten. Gemeinsam mit dem Chef hatten sie inzwischen die umgestürzten Geschenke wieder sortiert und soweit vorbereitet, dass diese nur noch auf die Schlitten verladen werden mussten. Zu fünft war das ziemlich schnell gegangen, und Utila hatte hin und wieder mit ein wenig Magie nachgeholfen. Das hatte sie allerdings immer nur dann getan, wenn der Chef es gerade nicht sehen konnte, denn er mochte das gar nicht gern. Er meinte, die Magie von Weihnachten liege darin, Zeit zu haben und füreinander zu nutzen. Das wichtigste war aber im Moment für alle, dass sie pünktlich zu Weihnachten fertig waren.
Alle besprachen kurz ihre nächsten Schritte und kamen zu dem Schluß, dass Utila bei Finn, Wopsi und der magischen Tanne bleiben sollte. Die anderen, geführt von den Eulen, die durch ihre großen Augen jede winzig kleine Spur des Detektums erspähen konnten, würden erneut die Verfolgung der Diebe aufnehmen.

Sie machten sich sofort auf den Weg und folgten wieder der Spur, die immer tiefer in den Wald hineinführte. Nach geraumer Zeit kamen sie zu einer kleinen Lichtung, auf der einsam ein Haus stand, vor dem sie auch sofort die bisher gestohlenen Weihnachtsbäume liegen sahen. Dem Haus konnte man ansehen, dass dort die Armut zu Gast war. Der Putz bröckelte ab, die Fensterläden hingen schief in den Angeln und es machte insgesamt einen etwas verwahrlosten Eindruck. Ein kleiner Garten, in dem wohl Gemüse angebaut wurde, umschloß das Häuschen. Seitlich befanden sich eine kleine selbstgebaute Schaukel, ein Sandkasten und eine Wippe. Anscheinend wohnten hier auch Kinder. Aus dem Haus waren mehrere aufgeregte Stimmen zu vernehmen. Vorsichtig traten sie ganz nah heran und konnten nun durch einen Schlitz in den Vorhängen einen Blick ins Innere werfen. Es wurde eindeutig gestritten. Mehrere Kinder standen aufgebracht um einen Mann und eine Frau herum. Die Stimmen wurden immer lauter und wütender. Ein größerer Junge rief dem Elternpaar zu: “Dann verzichten wir halt auf das Weihnachtsessen!“ Leise war ein Schluchzen zu hören. Die Frau, die wohl die Mutter der vielen Kinder war, wischte sich Tränen aus dem Gesicht. Auch der Mann stand mit schuldbewußtem Blick vor den Kindern. Soweit Rofibald, Heinrich und Josef sehen konnten, waren die Kinder nicht abgemagert. Auch ihre Kleidung war zwar einfach, aber sauber. Das sprach für das Diebespaar.

“Da haben wir die beiden.“, flüsterte Rofibald. Josef klopfte ihm auf seine kleine Schulter. “Ich denke, Heinrich und ich sollten hinein gehen und mit ihnen reden. Vielleicht sind sie einsichtig und lassen sich stattdessen von uns helfen.“ Josef und Heinrich fühlten sich jeweils an ihre eigene Vergangenheit erinnert. Auch sie beide hatten einige unschöne Dinge getan, aber schließlich ihre Chance für einen Neuanfang erhalten. Und so hofften sie, nun ihrerseits dieser armen Familie helfen zu können. Heinrich ließ ein wenig die Schultern hängen, da er nicht recht wußte, wie sie vorgehen sollten, doch Josef war zuversichtlich. Er sprach Heinrich leise Mut zu und unterbreitete ihm und den anderen auch gleich seine Idee, was mit all den abgesägten Bäumen getan werden könnte. Alle waren einverstanden. Rofibald konnte ohnehin nicht mit ins Haus, da er von den Kindern nicht gesehen werden durfte. Er machte sich mit den drei Schleiereulen auf den Rückweg zur mystischen Weihnachtstanne, bei der Utila, Finn und Wopsi warteten.

Als die Anderen sich etwas entfernt hatten, trat Josef als erster vor die braune, verwitterte Haustür und klopfte an. Sofort wurde es still im Haus. Nach einem weiteren Klopfen Josefs war drinnen ein Flüstern zu vernehmen und endlich näherten sich Schritte der Tür. Sie wurde von einem Mann, dessen Gesicht von Sorgen gezeichnet war, einen Spalt breit geöffnet. Mißtrauisch sah er in Josefs Gesicht.

„Ich bin Josef und das ist mein Freund Heinrich.“, begann Josef das Gespräch. „Dürfen wir eintreten?“
„Im Moment passt es nicht.“, antwortete der Mann, doch schon riß der älteste Sohn von innen die Tür weit auf und bat die Besucher herein.
Josef und Heinrich traten nacheinander in den Raum und konnten gleich neben dem Eingang eine alte Axt entdecken. Als sie sich umblickten, sahen sie in zahlreiche, weit aufgerissene Kinderaugenpaare. Sie traten ganz dicht an die Eltern heran und Heinrich ergriff leise das Wort: „Wir wollen nicht lange drum herum reden. Ihr wurdet beobachtet, wie ihr im Wald einen Tannenbaum gefällt und ihn, wie auch schon andere vorher, mit eurem Wagen weggeschleppt habt. Dieses Mal konnten wir euch folgen. Nun stehen wir hier und erwarten eine Erklärung!“ Erschrocken sah der Mann seine Frau an, die mit den Händen vor dem Gesicht bitterlich zu weinen begann.

Bevor der Vater Heinrich eine Antwort geben konnte, trat der älteste Sohn vor die beiden Besucher. „Verzeiht!“, rief er ganz verzweifelt. „Es ist alles unsere Schuld. Wir haben unseren Eltern schon vor Wochen damit in den Ohren gelegen, dass wir uns dieses Jahr zu Weihnachten auch einmal ein richtiges Festessen und einen schönen, bunt geschmückten, strahlenden Weihnachtsbaum wünschen würden, obwohl wir wissen, dass sie eigentlich kein Geld dafür haben. Wir wollten auch so ein fröhliches Weihnachtsfest erleben, wie andere Kinder. So kam unseren Eltern die Idee mit den Tannen. Bitte bestraft uns und nicht sie. Sie haben ein gutes Herz!“

Josef und Heinrich erkannten in den tieftraurigen, aber schuldbewußten Gesichtern der Eltern, dass dies der Wahrheit entsprach. Alle Kinder hatten sich unterdessen hinter ihren großen Bruder gestellt, als würden sie damit seine Aussage unterstreichen wollen. Sie schauten mit ängstlichen und bittenden Blicken zu Josef und Heinrich auf.

„Nun denn,“, sagte Josef in sehr ernstem Ton. „wir glauben euch! Trotzdem können wir das Ganze nicht einfach unter den Tisch kehren und die Tannen können wir euch auch nicht lassen. Das wäre nicht richtig!“ Sein Blick ging in die Runde. Die Kinder nickten eifrig. Ein kleineres Mädchen trat vor und sagte: „Wir wollen auch gar keine Geschenke mehr, wir wollen nur noch, dass alles wieder gut wird!“ Ein anderes fragte: „Was können wir tun, damit unsere Eltern keinen Ärger bekommen?“

Heinrich kraulte nachdenklich seinen Bart. „Ihr müsst euren Eltern helfen, die Bäume auf den Wagen zu verladen. Ich werde morgen zu euch kommen und euch dabei unterstützen, die Bäume ins Dorf zu bringen. Dort werden wir sie unter den Leuten verteilen, die sich wie ihr keinen Weihnachtsbaum leisten können. Außerdem müsst ihr alle versprechen, dass ihr so etwas nie wieder tut und auch sonst ein redliches Leben führen werdet. Sichtlich erleichtert umarmten sich alle Familienmitglieder. Sie bedankten sich wortreich und überglücklich bei Josef und Heinrich und versprachen, ihr Lebtag nie wieder zu stehlen und nur noch Gutes zu tun. Schließlich verabschiedeten sich die beiden Freunde von der Familie und machten sich auf den Rückweg.

Zur gleichen Zeit beugte sich im Tannenwald Utila zu Finn herab und sagte: „Ich fürchte, deine Eltern werden sich schon große Sorgen um dich machen. Deshalb werde ich dich zurückbringen“. Plötzlich erklangen Rufe in der Ferne. Kleine Lichtkegel tanzten durch das Geäst auf und ab. Die Stimmen kamen immer näher und waren nun zu verstehen. „Wir hätten dem Dorfoberkommissar Bescheid sagen sollen!“, hörten sie einen Mann sagen. „Nein, er hat im Dorf genug zu tun.“, sagte daraufhin eine Frauenstimme. „Außerdem spüre ich, dass er hier irgendwo ist.“ Nun tauchten der Mann und die Frau aus der Dunkelheit des Waldes auf und leuchteten mit ihren Taschenlampen direkt in die Gesichter von Utila und Rofibald. Wie angewurzelt blieben sie stehen. Erstaunt betrachteten sie die beiden sowie die drei Eulen, die von den Ästen blickten. Doch plötzlich sah die Frau den kleinen Finn. „Finn!“, rief sie erleichtert und nahm, vor Freude weinend, ihren kleinen Sohn in die Arme. „Da bist du ja mein Kleiner! Wir haben dich überall gesucht!“ Der Vater war ebenfalls überglücklich und umarmte Finn. Finn war voller Freude, dass seine Eltern nun bei ihm waren. Dennoch sah man ihm an, dass ihn etwas plagte. Wopsi, der kleine verstrubbelte Hund, hatte sich ängstlich an seine Beine gedrückt. Als der Vater den Hund entdeckte, wurde sein Blick ganz finster.

Rofibald hatte alles verfolgt, griff sich jetzt an die Stirn und murmelte: „Das wird hier immer turbulenter.“ Utila streichelte über seinen Arm. Sie ahnte schon, dass er gleich sein Fläschchen mit dem Trank des Vergessens heraus holen wollte. „Rofi, warte erst mal ab!“, flüsterte sie. „Ich glaube, sie könnten uns auch eine große Hilfe sein.“ Utila ging auf Finns Eltern zu und erzählte ihnen, was bisher alles geschehen war und auch, welch große Tat Finn mit Wopsi vollbracht hatte. Die Miene von Finns Vater hellte sich sofort wieder auf. Er drückte seinen Sohn glücklich und stolz an sich. An Utila gewandt fragte er, ob der denn auch noch helfen könne. Noch bevor sie antworten konnte, hörte man Schritte näher kommen. Heinrich und Josef kamen zurück und berichteten allen vom Plan, gemeinsam mit den Dieben am nächsten Tag die gestohlenen Bäume im Dorf zu verteilen. „Dabei könntet Ihr doch sicher noch Hilfe gebrauchen“, meinte Utila mit Blick auf Finns Vater, der sich auch sofort bereit erklärte, mit anzupacken.
„Während ihr die Bäume im Dorf verteilt, können wir die mystische Tanne vorbereiten und dann im Schutz der Dunkelheit ins Dorf bringen!“
Alle waren einverstanden und verabredeten sich für den nächsten Tag. „Bevor wir aber jetzt aufbrechen können“, meinte Utila, „müssen wir uns noch einfallen lassen, was denn ab morgen mit Wopsi werden soll, denn er kann ja dann hier unter der Tanne keinen Schutz mehr suchen.“
Finns Mutter warf ihrem Mann einen Blick zu, den er lächelnd und leicht nickend erwiderte. Dann wandte sie sich an Finn: „Ich glaube, Wopsi und du gehören nach dem Erlebten einfach zusammen. Wenn du dich noch immer um den kleinen Hund kümmern willst, dann kannst du ihn mit nach Hause nehmen. Dann kann auch er ein schönes Weihnachten haben. Du weißt, wir hätten dir nie ein Tier zu Weihnachten geschenkt, aber nachdem du dich ja offenbar schon länger um den Kleinen kümmerst und er sonst kein Zuhause hat, ist das sicher eine gute Lösung.“

Überglücklich umarmte Finn seine Eltern und drückte dann seinen Wopsi eng an sich.
Mittlerweile war es schon richtig dunkel und alle machten sich auf den Weg nach Hause. Sie waren müde, aber glücklich und schon voller Vorfreude auf den morgigen Vorweihnachtstag, an dem sie die Bäume verteilen und die mystische Tanne ins Dorf bringen würden.

Am nächsten Nachmittag trafen Heinrich, Josef und Finns Vater wie verabredet bei der armen Familie tief im Wald ein, um die geklauten Weihnachtsbäume gemeinsam ins Dorf zu transportieren und sie zu verteilen.

Lasst uns direkt beginnen!“, sagte Heinrich nach einer kurzen und freudigen Begrüßung. Mit vereinten Kräften wurden die Tannen aufgeladen. Dabei stellten Josef und Heinrich heimlich und unbemerkt eine der Tannen verdeckt neben das Haus der Familie, damit auch sie einen Baum für das Fest haben würde – so wie es sich die Kinder gewünscht hatten.

Gemeinsam machten sie sich nun auf dem Weg ins Dorf. Der Wagen mit den Bäumen war sehr schwer. Sie zogen ihn alle gemeinsam und kamen dabei ganz schön ins Schwitzen. Doch endlich war das Dorf erreicht. Schon von Weitem sah man ein Glitzern und Glänzen, denn viele Häuser waren wunderschön mit Lichterglanz geschmückt. Beim Näherkommen sah man in hell erleuchteten Häusern schon die ersten geschmückten Weihnachtsbäume. Andere Häuser waren nur spärlich beleuchtet. Heinrich und Josef kannten viele Dorfbewohner und wussten genau, wo man sich wieder keinen Weihnachtsbaum leisten können würde. Diese Häuser waren ihr Ziel. Nach und nach klopften sie an die Haustüren. Mit fragenden Blicken öffnete man ihnen. Jedes Mal, wenn sie dann sagten, dass sie Weihnachtsbäume verschenkten, ging ein Strahlen der Glückseligkeit über die Gesichter. Das war noch schöner anzusehen, als so manch geschmücktes Haus. Josef und Heinrich selbst waren dabei auch sehr glücklich, denn geteiltes Glück wurde zu doppeltem Glück. Es würde zu diesem Weihnachtsfest viele glückliche Kinder geben, die verzückt und strahlend unter ihren geschmückten Weihnachtsbäumen sitzen würden.

Endlich war auch der letzte Baum verschenkt und die kinderreiche Familie machte sich wieder auf den Heimweg. Vorher bedankten sich die Eltern noch einmal bei Heinrich und Josef, denn die beiden hatten kein Wort darüber verlauten lassen, woher die Bäume kamen. So blieb den Eltern die Schande, als Diebe überführt worden zu sein, erspart. „Frohe Weihnachten“, riefen Heinrich, Josef und Finns Vater ihnen nach. Der Ruf kam, begleitet vom Winken vieler Hände, zurück. „Sicher werden auch ihre Gesichter strahlen, wenn sie beim Heimkommen ihren Weihnachtsbaum finden.“, sagte Heinrich zu Josef. Nachdem sich die beiden bei Finns Vater für dessen Hilfe bedankt und sich für den nächsten Abend auf dem Dorfplatz verabredet hatten, machten sie sich auf den Weg zur mystischen Tanne. Dort würden die Anderen sicher schon auf sie warten.

Müde schritten sie durch die Dunkelheit. Als sie endlich ankamen, waren sie etwas verwundert, denn es war niemand da. Die mystische Tanne war ebenfalls verschwunden. Was war denn jetzt wieder passiert? Plötzlich hörten sie ein dreifaches Rufen: “Uhhuuu! Uhuuuu!“. Heinrich und Josef blickten zu den Tannenwipfeln hinauf. Da sahen sie Tytola, Amelia und Tamina auf sich zu fliegen. „Kommt mit!“ riefen alle drei gleichzeitig und flogen voran. Die beiden eilten ihnen hinterher. Nach wenigen Minuten sahen sie plötzlich von Weiten etwas glitzern. Die mystische Tanne schwebte über den Köpfen von Utila und Rofibald. Sie hinterließ einen Schweif aus vielen bunten Glitzerpünktchen. Utilas goldblondes Haar reflektierte das Funkeln. Auch Rofibald wurde von den Millionen Lichtern der Tanne angestrahlt. „Hey, da sind wir!“, riefen Heinrich und Josef ihnen schnaufend entgegen. „Wir sind schon mal vor gegangen.“, sagte Rofibald. „Die Bewohner werden gleich schlafen gehen und wir können gemütlich und in aller Ruhe die Tanne zum Dorfplatz bringen. Niemand wird uns bemerken.“

Sie liefen einen geheimen Pfad entlang. Die große Tanne schwebte lautlos über ihnen. Das funkelnde Licht und der große, runde, helle Mond leuchteten ihnen den Weg. Leise stapften sie hinunter ins Dorf. Die drei Eulen glitten lautlos durch die Nacht und hielten Ausschau, ob auch wirklich niemand mehr wach war. Endlich konnte die mystische Weihnachtstanne auf dem Dorfanger platziert werden. Sie schwebte hinab und ihre Wurzeln gruben sich selbst in die Erde. Still und dunkel stand sie nun da. Nur eins fehlte noch, der Schnee. Alle blickten zum Himmel hinauf. Und siehe da! Hoch oben sauste der Weihnachtsmann auf seinem Schlitten heran und ließ es schneien. Erst vereinzelt, dann immer mehr rieselten dicke Schneeflocken herunter.

Am nächsten Tag war die Freude unter den Dorfbewohnern riesig. Das ganze Dorf lag unter einer dicken, weißen, glitzernden Schneedecke. Am Abend trafen sich alle, wie in jedem Jahr, auf dem Dorfplatz. Dort stand die große, wunderschöne Weihnachtstanne und strahlte und funkelte mit viele tausend Glitzersternchen. Ganz plötzlich flogen all die Sterne hoch in den Himmel hinauf. „Seht nur!“, rief ein Dorfbewohner. Er deutete auf einen besonders großen Stern. „Da steht etwas drauf“, rief er überrascht und las laut vor: „Liebe.“ Und jemand anderes rief: „Und da auch!“, und zeigte dabei zu einem anderen Stern. „Geborgenheit.“ Auf einmal riefen sie alle und sahen immer mehr Sterne mit den Herzenswünschen aller Menschen. „Glück“, „Zeit für einander“, „Hoffnung“, „Frieden“ und noch so viel mehr. All die Sterne mit den Wünschen flogen in den nachtschwarzen Himmel hinauf.

Auch Finn mit seinen Eltern und Wopsi waren dort. Sie lagen sich in den Armen. Die Familie mit den vielen Kindern war aus dem tiefen Wald gekommen. Alle standen sie da, blickten hinauf, umarmten sich und weinten vor Freude.

– Ende –

Audioversion, gesprochen von Sigurd

Die komplette Geschichte findet Ihr HIER als PDF!

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