Weihnachtsgeschichte 2018 – Episode 1 (inkl. Audioversion)

 

Episode 1 von Brathahn

Dunkelheit und Nebelfetzen lagen wie eine geheimnisvolle Decke über dem Dorf. Aus den Schornsteinen stiegen Rauchsäulen in den Nachthimmel und kein Mensch verirrte sich zu der späten Stunde noch in die Dunkelheit, denn die Nächte wurden schon spürbar kalt und wer nicht unbedingt nach draußen musste, machte es sich viel lieber in der warmen Stube gemütlich.

Zum Glück! …dachte Rofibald-Geruwim, denn er wollte sich gern erstmal in Ruhe und allein ein Bild machen, was im und ums Dorf so los ist. Vorhin begann plötzlich seine Rufwurzel zu tanzen und der Chef hatte ihm von 2 Ereignissen erzählt, die so gar nicht zur vorweihnachtlichen Stimmung im Dorf passten.
Nun war er auf dem Weg um nach dem Weihnachtsbaumwald gleich auf der Anhöhe neben dem Dorf zu schauen, denn dort wurden in der letzten Zeit immer wieder Weihnachtsbäume von Dieben geklaut. Es war zu befürchten, dass die Diebe in den nächsten Tagen auch vor dem Baum nicht haltmachen würden, der zu Weihnachten den Dorfplatz schmücken soll. Das musste unbedingt verhindert werden, denn diese Dorftanne barg ein Geheimnis und es wurde gemunkelt, dass es ein Zauberbaum wäre.
Eigentlich wäre Rofibald-Geruwim ja gar nicht mitten durchs Dorf gegangen, um in den Weihnachtsbaumwald zu gelangen, aber der Chef hatte ihn gebeten, auch im Dorf die Augen aufzuhalten. Immer wieder wurde erzählt, dass jemand hungrig und durchgefroren durch das Dorf streift, aber bisher wusste er noch nichts Genaueres.

Der Weg führte ihn am Haus von Heinrich vorbei und Rofibald-Geruwim klopfte an seiner Tür. Heinrich war sehr erfreut, den Zwerg zu sehen, erkannte aber an seinem sorgenvollen Blick auch gleich, dass etwas nicht stimmte. Nachdem er erfahren hatte, was der Chef dem Zwerg erzählt hatte, überlegten beide, wie man am besten vorgehen sollte. Während Rofibald-Geruwim sich erst einmal einen Überblick im Weihnachtsbaumwald verschaffen wollte, würde Heinrich sich mal umhören, was es mit diesem Jemand auf sich hat, der hungrig und durchfroren durch das Dorf streichen soll.

Rofibald-Geruwim machte sich wieder auf den Weg zur Anhöhe neben dem Dorf. Als er dabei am Dorfplatz vorbeikam, meinte er, einen Schatten gesehen zu haben, der auf der anderen Seite des Platzes um die Ecke in eine kleine Gasse huschte. Er war sich aber nicht sicher, denn das Mondlicht schien nur stellenweise durch die wabbernden Nebelschwaden. Kurz überlegt er, einen kleinen Umweg durch diese Gasse zu machen, beschließt aber dann doch, lieber zügig in den Weihnachtsbaumwald zu gehen.

Währenddessen hat sich Heinrich auf den Weg zu seinem Freund Josef gemacht, dem vor einiger Zeit – wie ihm selbst auch – der Zwerg und dessen Gefährten in einer schlimmen Phase seines Lebens geholfen hatten. Auch er freute sich wie Heinrich immer, wenn er den Zwergen, aber auch den Leuten im Dorf, die sie so herzlich wieder aufgenommen hatten, helfen kann.
Josef hatte im Dorf auch schon von den Weihnachtsbaumdieben gehört und war besorgt, denn die Bewohner waren sich unsicher, was sie machen sollten. Eines war aber für die Beiden sofort klar, allein kann Rofibald-Geruwim den Wald nicht bewachen, zumal der Zwerg alljährlich in der Vorweihnachtszeit noch andere Dinge erledigen muss. Die beiden Freunde beschlossen, sich lieber gleich auf den Weg zum Weihnachtsbaumwald zu machen um Rofibald-Geruwim zu helfen.
Auf dem Weg erzählte Heinrich noch von dem rätselhaften Wesen, das durch das Dorf streifen soll und beide hielten die Augen offen. Doch sie konnten nichts erblicken.

Sie liefen zum Wald auf der Anhöhe und trafen da am Waldesrand auf den Zwerg, der gerade einmal um den Wald gelaufen war und jetzt mit ihnen gemeinsam kurz den Blick von der Anhöhe über das Dorfstreifen ließ.
Die Nebelschwaden hatten sich aufgelöst und im Mondlicht sah man, wie erst ganz langsam und dann aber immer mehr Schneeflocken tanzend zu Boden fielen. Erst nur im Weihnachtsbaumwald, aber bald schon legte sich der Schnee wie Puderzucker auf die Dorfdächer und dann auch auf die Straßen und Wege im Dorf.

Rofibald-Geruwim hatte nichts Verdächtiges gesehen, lediglich die Stümpfe der Bäume hatte er gefunden, die an den vergangenen Tagen dort schon abgesägt wurden. Die 3 beschlossen, für heute ins Dorf zurückzukehren, denn durch den Schnee würde ja jeder Dieb Spuren hinterlassen und sich dadurch verraten.
Allerdings sollte dieser Schutz wohl nur von kurzer Dauer sein, denn am nächsten Tag würden die Temperaturen zu hoch, als dass der Schnee liegenbleiben könnte.

Sie mussten sich also überlegen, wie sie den Wald in der nächsten Zeit schützen können.

 

Audioversion, gesprochen von Sigurd

Werbeanzeigen