Weihnachtsgeschichte 2018 – Episode 5 (inkl. Audioversion)

Episode 5 von lesenbiene:

Ganz langsam schob sich zitternd ein kleines, mageres Hündchen unter der Tanne hervor.  Sein Fell war so verfilzt und zottelig, es hatte schon lange keine Bürste mehr gesehen. Die Rippen konnte man deutlich unter dem Fell sehen, so abgemagert war das Tier. Das Hündchen hatte Schmerzen beim Laufen, denn es hinkte leicht. Der harte Waldboden mit seinen überfrorenen Pfützen hatte die Pfoten des Hundes verletzt. Er musste wohl lange Wege zurückgelegt haben und hatte sich völlig erschöpft und Schutz suchend vor dem kalten Wind unter der Tanne versteckt. Nun erklärten sich auch die Abdrücke, die Rofibald-Geruwim auf dem Waldboden gesehen hatte. Es war nicht Bella, sondern der kleine Hund, der sich ihnen nun Schutz suchend, mit traurigen Augen und eingezogener Rute näherte. Vorsichtig schnuppernd hinkte er zur Gruppe. Man sagt ja Tieren einen Instinkt nach und dieser Instinkt sagte ihm, dass er von diesen Menschen nichts Böses zu erwarten hätte. Josef nestelte an seinem Rucksack und holte ein Stückchen Wurst daraus hervor und hielt es dem Hund entgegen, dass der gierig verschlang. Heinrich füllte ein Schälchen mit Wasser und reichte es dem Hund und der trank durstig. „Wie grausam sind manche Menschen“, sagte Rofibald-Geruwim, “ viel zu oft stellen die Tierbesitzer fest, dass sie mit dem neuen Mitbewohner doch überfordert sind oder schlicht keine Lust mehr haben, sich weiter um ihr Haustier zu kümmern. Kaltherzig werden die Tiere dann heimlich in freier Wildbahn sich selbst überlassen, wo sie dann im schlimmsten Fall einen qualvollen Hungertod sterben.“ Beschämt über ihre Mitmenschen, blickten sie zu Boden.

„Nun hat sich wohl ein Rätsel gelöst“, sprach Heinrich,“ sicher ist es wohl dieser ausgesetzte Hund, den die Dorfbewohner als Schatten durchs Dorf schleichen gesehen haben. Vielleicht kann er uns ja nützlich werden!“ Heinrich erklärte sich bereit, den Hund erst mal mit zu sich nach Hause zu nehmen und sein Vertrauen zu gewinnen.

Nun stand Utila aber erst mal wieder im Mittelpunkt, denn alle bestürmten sie mit Fragen, was sie über die Diebe in der Wirtschaft „Goldener Engel“ in Erfahrung gebracht hätte. „Es soll ein Ehepaar sein, das Tannen heimlich abholzt, um das Holz später, wenn es abgelagert ist, zu verkaufen“, erzählte Utila. Das Paar müsse sehr arm sein und das Geld knapp, munkelte man in der Kneipe und in ihrer Not seien sie wohl auf die Idee gekommen, einfach ein paar Tannen zu fällen. Weiteres konnte Utila aber nicht berichten, es waren nur Gerüchte, die die Runde machten und konkrete Hinweise gab es noch nicht.

Nun mussten sie sich einen Plan machen, um die Tannen und besonders die Tanne, die für den Weihnachtsabend gedacht war, vor den Dieben zu schützen. Diese Tanne hatte den Geist der Weihnacht in sich, die Menschen sollten doch den wahren Sinn des Weihnachtsfestes begreifen, denn viele wussten nicht mehr, um was es beim Fest der Liebe überhaupt ging. Was bei den Menschen auf der Strecke blieb, war tatsächlich oft die Freude, die Herzlichkeit und die Nächstenliebe. Ihre Herzen versteinerten immer mehr und jeder dachte nur noch an sich.

Tytola, Aurelia und Tamina stand nun die Aufgabe bevor, die noch übrig gebliebenen Tannen mit der Zauberflüssigkeit zu benetzen, keine leichte Arbeit, denn es waren nachtaktive Tiere und so konnten sie nur nachts ihre Arbeit verrichten. Doch die Schleiereulen hatten eine Besonderheit, denn die Augen auf ihrem runden Kopf blicken nach vorne und saßen nicht wie bei vielen anderen Vögeln seitlich am Kopf und dadurch waren sie nächtliche Jäger mit scharfen Augen und Ohren. Ihre scharfen Augen machten es dann später etwas einfacher, dem Leuchten der Zauberflüssigkeit zu folgen und so vielleicht den Dieben auf die Spur zu kommen. Doch bis es soweit war, galt es weiterhin die Tannen zu bewachen und so mussten Heinrich, Josef und Utila weiter ihre Kontrollrunden gehen und Augen und Ohren offenhalten.

Rofibald-Geruwim konnte ihnen nicht mehr viel Hilfe dabei leisten. Wie jedes Jahr zu Weihnachten musste er weiter dabei helfen, die Weihnachtsgeschenke der Kinder einzusammeln und wie immer verging die Zeit wie im Flug. Sieh da, kaum gedacht und seine Rufwurzel klingelte schon wieder und der Chef war dran.

Audioversion, gesprochen von Sigurd

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