Weihnachtsgeschichte 2018 – Episode 6 (inkl. Audioversion)

Episode 6 von Corona

„Rofibald!“, schallte es atemlos aus der Rufwurzel. Um ein Haar hätte Rofibald-Geruwim vor Schreck seine Rufwurzel fallen lassen. „Ich brauche ganz dringend deine Hilfe!“, rief der Chef voller Eile. Die Umstehenden konnten jedes Wort mithören. „Und bring am besten noch Utila mit. Die Arbeit türmt sich hier. Ich weiß nicht, was dieses Jahr bloß los ist. All die Wünsche nehmen überhand. Es ist so viel, dass ich kaum noch nachkomme. Was ist mit den Menschen bloß los? Es ist doch Weihnachten und nicht Schenknachten. Das ist viel zu viel! Die Geschenke türmen sich hier. Die anderen Wichtel arbeiten emsig wie Ameisen. All die Kisten hier sind so hoch gestapelt, höher als der Kirchturm, es schaukelt und wackelt schon… beeilt euch… es tut mir leid, aber ich weiß, dass ihr wegen dem Tannenwald auch einiges um die Ohren habt, aber kommt schnell… ooh nein …oh neiiiin!!!!“, schrie plötzlich der Chef. „Cheeef?“, rief Rofibald in die Rufwurzel. Aber der hatte bereits aufgelegt.

Erschrocken starrten sich alle an. „Der Geschenkeberg wackelt!“, stellte Rofibald fest. „Oh nein!“, rief nun Utila in die erschrockene Runde. „Der ist jetzt wohl umgestürzt! Nicht, dass unser Chef darunter nun vergraben liegt!“ „Genau, wie es aussieht, versinkt unser Chef gerade im Chaos. Utila, lass uns sofort abdüsen. Wir müssen uns beeilen. Tytola bewacht derweil hier den Wald und markiert die restlichen Tannen mit der Zauberflüssigkeit. Heinrich und Josef, ihr haltet weiterhin Augen und Ohren offen und kümmert euch um den ausgesetzten Hund. Wir werden uns beeilen und schauen, was los ist“, sprach Rofibald zu allen.

Er zupfte seine Kiepe zurecht, Utila warf ihren Mantel über sich, so dass eine kleine weiße Rauchwolke um sie stob, sich abhob, kurz in der Luft schwebte, um sich zu verwandeln, als plötzlich ein Ruf durch den Tannenwald ertönte.

Abermals erschrocken hielten alle inne. Die drei Schleiereulen oben auf dem Ast bekamen riesige Augen. Utila verharrte wie eine Statue in der Luft. Rofibald, der noch am Riemen zog, Heinrich, der sich gerade nach dem Hund bücken wollte und Josef starrten in die Richtung, aus der der Ruf erklang. Als auch schon ganz plötzlich ein kleiner Junge auftauchte und sie alle erblickte.

Überrascht blieb er wie angewurzelt stehen und rieb seine Äuglein, da er nicht fassen konnte, was er sah. Doch da sah er den kleinen Hund, der erschrocken unter die Zaubertanne gehuscht war und so den wundersamen Tannenbaum wieder zum Glitzern brachte. Erstaunt rief der Junge ein langes „Oooh!“ heraus und blieb wie angewurzelt stehen.

„Auch das noch“, wollte Rofibald schon resignieren, als er seine Kiepe abwarf und ein kleines Fläschchen hervorholte. „Was tust du?“, fragte Heinrich, der sich noch nicht mit allen Zauberkünsten der Wichtel auskannte. „Das ist das Getränk des Vergessens. Du weißt, dass niemand uns sehen darf!“, antwortete Rofibald ihm. Und schon stiefelte der Zwerg zu dem kleinen Jungen, der immer noch erstaunt alle anschaute, als Utila rief: “Stopp!“. Rofibald hielt im Schritt inne und blickte fragend zu ihr.

Utila schwebte derweil sachte zu Boden und lief gemächlich zu dem Jungen. Sie kniete vor ihm nieder und fragte ihn, was er denn suche. „Ich hab den kleinen Hund gesucht,“ antwortete er. „Ich gebe ihm immer was zu fressen. Ich weiß nicht, wem er gehört. Und meine Eltern erlauben mir keinen Hund. Ich wollte ihn mit nach Hause nehmen und gesund pflegen. Und ich würde ihn so gerne behalten als meinen neuen Freund. Aber sie verbieten es mir.“

„Bist du dir da sicher, dass du dich auch für sehr lange Zeit um einen Hund kümmern willst?“, fragte Tytola oben vom Ast herunter. „Aber natürlich, ich würde nie einen Hund weggeben!“, rief der kleine Junge aufgebracht. „Wie heißt du denn?“, fragte dann Utila. „Finn“, antwortete der kleine Junge mit blonden Haaren und einer sommersprossigen Stupsnase. Dann legte Utila ihre Hand über sein Herz und schloss die Augen. Es wurde ganz plötzlich still im Wald und niemand sprach mehr ein Wort. Gebannt starrten alle zu den beiden.

„Er hat ein reines und gütiges Herz. Er meint es ehrlich.“, sprach Utila zu allen und wandte sich an Rofibald: „Gib ihm noch nicht von diesem Trank des Vergessens. Ich glaube, er könnte uns noch eine große Hilfe sein.“


Derweil war Finn, der kleine Junge, unter die große Zaubertanne zu dem kleinen abgemagerten Hund gehuscht. Tausende, winzige Glitzerfünkchen wirbelten um die mystische Tanne herum. Wie zu einer Spirale tanzten viele kleine Sternchen hoch hinauf bis zu der Spitze. Und die großen weichen Tannenzweige schlossen sich um den Jungen und den kleinen Hund. Beide waren sie plötzlich verschwunden.


Ein Raunen und Wispern ging durch den Wald. „Ich passe so lange auf die beiden auf“, raunte die mystische Weihnachtstanne. „Geht! Geht schnell und macht euch an die Arbeit!“, wisperte sie. „Und kommt bald wieder…“

Audioversion, gesprochen von Sigurd

Alle bisherigen Episoden findet Ihr HIER als PDF!