Gedichte

Ich habe lange überlegt, was ich über meine Großeltern schreiben könnte. Dann habe ich mich entschieden, die Gedichte zu posten, die ich jeweils beim Tod der beiden geschrieben habe. Vielleicht könnt ihr ja etwas aus ihnen herauslesen.

Für Opa

 Du hast mit deinen eigenen Händen
Stein auf Stein ein Leben gebaut
Und mit Gottvertrauen und Strenge
Acht Menschen ein Leben erlaubt

Du hattest etwas Vertrautes an dir
Offen für Neues und interessiert
Als Beschützer der Familie
Ich hör noch dein Lachen in mir

Unfair war das Schicksal dann
Mit dem du dich verloren fühltest
Höhen und Tiefen dann und wann
So gingen wir durchs letzte Jahr

Du hast uns so viel beigebracht
Das Leben leicht zu nehmen
Das Einfachste zu schätzen
Dass man übereinander lacht

Der Tod kam so vorhersehbar
Und doch schockiert es sehr
Die glücklichen Erinnerungen
Behalten wir von dir

***

Für Oma

 Du hast so viel erleben müssen
Deine Opfer auch gebracht
Du lässt es niemand‘ wissen
Dank Deiner ganzen Kraft

 Du hast Geduld in jeder Weise
Dein Lachen erfüllt den Raum
Dein Herz schlägt stets für andere
Und wird es immer tun

Was bleibt…

… von unseren Großeltern, das sind irgendwann die Erinnerungen. Denn im Normalfall sollten wir sie überleben. Den Verlust eines Enkelkindes stelle ich mir fast ebenso schlimm vor, wie den Verlust eines Kindes. Beides sollte nicht passieren, aber das Leben geht manchmal andere Wege. 😦

Außer den Erinnerungen bleiben oftmals noch Erinnerungsstücke. Materielle Dinge. Briefe, Schmuck, Bilder, Accessoires, Geschirr, Möbel und vieles andere mehr. Darüber dachte ich nach, als ich  Wendys Post zum Thema Großeltern las. Und da fiel mir ein, daß ich außer zwei, drei kleinen Fotos meiner Großeltern gar keine Erinnerungsstücke an sie habe. Ein bißchen schade ist das. Die Bilder habe ich aber gleich eingescannt.

(Links oben: Opa Herbert und Oma Johanna mit meiner Mutti auf dem Arm. Rechts: Oma Eva und Opa Hermann mit meinem Bruder? Links unten: Oma Eva zur Schuleinführung meines Bruders. Rechts das bin ich. 🙂 )

Aber einen Spruch, der in der Küche meiner Oma Eva an der Wand hing, habe ich Wort für Wort im Kopf, denn ich habe ihn viele Male dort gelesen, und er hat sich  mir Buchstabe für Buchstabe ins Hirn gebrannt. Ich habe diesen Spruch geliebt und liebe ihn noch. Ich erinnere mich nicht mehr bis ins kleinste Detail an die Optik dieses Spruches, aber ich weiß noch, daß irgend ein kleines Häuschen mit abgebildet war. Ich glaube es war eine Tuschzeichnung… Und der Spruch lautete so:

Diese Erinnerung kann mir keiner nehmen. Ich trage sie im Kopf und im Herzen. Und demnächst hängt der Spruch auch bei uns an der Wand. Die Idee hatte mein Mann gestern.

Zusammengewürfelt

Das ist wohl der beste Titel, den ich zu meinen Großeltern finden kann. Wenn ich nachdenke – ich weiß gar nicht so viel über einen Teil meiner Großeltern.

Wann sind sie denn geboren, gestorben und wo?

Mütterlicherseits:

Mein Opa 1904 – 1974
Meine Oma 1906 – 1983

Väterlicherseits:

Mein Opa 1906 – 2005
Meine Oma 1913- 1994

Meine Großeltern kamen aus ganz Deutschland – mein Opa aus Westfalen heiratete meine Oma aus Niederbayern, die Familie meines anderen Opas stammt wohl irgendwo aus Hameln, es verschlug sie aber nach Schlesien, wo der meine Oma kennenlernte, deren Familie aber ebenfalls nicht von dort stammte, jedoch dort Arbeit hatte. Letztlich war es der Krieg oder dessen Vorboten, die alle zusammenbrachte in einem Ort in Niedersachsen.

Und so wohnten dann meine beiden Großelternfamilien nur eine Straße auseinander und meine Eltern lernten sich kennen.

Zu meinem Opa mütterlicherseits hatte ich irgendwie keinen besonderen Draht – obwohl meine Mama mir immer sagte, ich sei sein Lieblingsenkelkind gewesen. Für mich roch er immer komisch (das muß irgendein Einreibemittel gegen Rheuma gewesen sein) und ich glaube, so wahnsinnig viel konnte er mit einem kleinen Mädchen nicht anfangen – er starb ja, als ich noch nichtmal 7 Jahre alt war.

Meine Oma mütterlicherseits war meine „Lieblingsgroßelternteil“ – sie war der Inbegriff von Oma und ich habe mit ihr freiwillig z.B. auch jahrelang Briefe geschrieben. Sie konnte endlose Partien Mensch Ärger Dich nicht bei Hagebuttentee mit uns Kindern spielen, hatte einen unerschöpflichen Fundus an Knöpfen, mit denen man weiß der Kuckuck was machen konnte, bei ihr fanden Familientreffen statt, bei denen blecheweise Kuchen auf der Frisierkommode im Schlafzimmer bevorratet waren und die mit Platten von Schnittchen am Abend endeten.

Väterlicherseits war mein Opa mein Favorit – der bastelte und baute für uns Kinder – Tretroller, Fahrrad, da gab ein eine Werkstatt, wo ich auf der hobelbank saß und meinem Opa bei der Arbeit zusah (er war gelernter Tischler). Im Sommer erinnere ich mich – da stellte er in den kühlen Keller seine Gartenliege und machte da bei offener Tür ein Mittagschläfchen. Er machte lange Spaziergänge mit uns Kindern.

Ich glaube aber, daß er z.B. kein guter Vater war – meine Erinnerung an ihn ist eine ganz andere, als mein Vater sie an ihn hat. Vielleicht wollte er bei seinen Enkeln nachholen, was er bei seinen Kindern versäumt hat. Er war auch in Kriegsgefangenschaft – und kam nach Jahren zurück und hatte bei meinem Vater entscheidende Jahre verpaßt – und trat dann in dessen Leben plötzlich zurück, „verwies“ ihn von seinem Platz als „Mann in der Familie“ und die Familie mußte auf einmal 700 km wegziehen von allen, mit denen mein Papa vertraut war. Ich nehme an, das Verhältnis der beiden hatte einen Knacks, der nie wirklich repariert wurde. Ich bin sein erstes Enkelkind gewesen, immer die einzige Enkeltochter und wußte immer, daß ich sein Lieblingsenkelkind war und blieb – nicht weil er mich bevorzugt hat (altersmäßig kam als nächstes mein Bruder und die hatten auch ein gutes Verhältnis – und als meine Cousins auf die Welt kamen, war ich schon so groß, daß ich die Patentante des älteren der beiden bin – und wir wohnten am anderen Ende Deutschlands – es wurde also ganz sicher kein späteres Enkelkind offenkundig benachteiligt…. aber manche Dinge sind, wie sie sind.

Meine Oma väterlicherseits – tja – das ist gar nicht so einfach. In vielerlei Hinsicht bin ich nämlich ihr am ähnlichsten – was Äußerlichkeiten angeht. So vom Grundtyp. Nur charakterlich – da bin ich ganz anders – und wir konnten wenig miteinander anfangen. Sie hätte gerne eine Enkelin gehabt, die sehr mädchenhaft war – blonde Puppen liebt und Kleidchen und mit der man in ein Cafe geht und zeigt, wie brav das Kind sich benimmt. Nun – ich war ein Jeans-Kind, das auf Bäume kletterte.  Meine Oma roch nach Tosca, hatte mit 30 weiße Haare und trug eine großen Haarknoten im Nacken, und sie wollte einem mit einem angefeuchteten Kamm die Haare in Form legen. Andererseits erinnere ich mich bei ihr an bayerische Küche, Knödel, Apfelstrudel oder „an Budding“ – sie hatte selbst nach 50 Jahren in Norddeutschland noch einen niederbayerischen Zungenschlag.

Ich bin jedenfalls froh, daß ich zumindest alle meine Großeltern noch bewußt kennengelernt hatte, wenn auch einen Teil nicht so lange. Jeder von ihnen war einzigartig und ich entdecke bis heute Eigenschaften von jedem der vier in mir – manche davon sehr gut, auf manche Wesenszüge könnte ich auch verzichten – aber ich weiß – neben meinen Eltern machen ganz sicher meine Großeltern aus, wer ich bin.

Ich habe nicht sehr viele „Erbstücke“ meiner Großeltern – ein kleiner Stapel Briefe von meiner Oma mütterlicherseits und meinem Opa väterlicherseits an mich (wir hatten regelmäßig korrespondiert), ein oder zwei kleine Schmuckstücke meiner Oma väterlicherseits und 3 Möbelstücke meines Opa väterlicherseits, die er geschreinert hat: Die Wiege, die er für mich – sein erstes Enkelkind – gebaut hat. Eine Spielzeugtruhe/Bank, die dringend aufgearbeitet werden muß. Und ein Schachtisch, den er zusammen mit einem Vater gebaut hat. Von dem gibt es 2 Stück – eins für jedes seiner Kinder – einen besitzt meine Tante und einen besaß mein Vater – und nach dessen Tod nun ich.

Meine Großeltern

Oh man…ich hab ja auch dafür gestimmt, aber ich weiß gar nicht so recht, was ich schreiben soll. Ich hab meine Großeltern nämlich nicht gekannt. Nur meine „Stiefoma“ väterlicherseits und das war ein Drachen.

Also die Eltern meiner Mutter kamen aus Spanien. Meine Oma hieß Josepha Guilipa wurde 1893 geboren und starb 1947. Mein Opa hieß Antonio Emilio wurde 1885 geboren und starb 1960.

Sie hatte zusammen 12 Kinder. (Josefine, Antonio, Joaquin, Alfonso, Roger, Maria, Carmen, Jaqueline, Suzanne, Adrienne – dann noch eine Josefine und ein Antonio – die aber als Kinder gestorben sind…Das ist keine chronologische Reihenfolge. Die krieg ich nicht zusammen.)

1930 waren sie auf dem Weg von Spanien nach Frankreich – sie sind vor dem Franco Regime geflüchtet, als meine Mutter auf einem kleinen Schiff geboren wurde. Im Laufe der Zeit sind sie quer durch Frankreich gezogen und blieben schließlich in Carentan hängen, wo sie auch den Krieg mitmachten und die Befreiung erlebten. Carentan war heiß umkämpft.

Mein Opa war Glasbläser und muss ein sehr ruhiger und freundlicher Mensch gewesen sein. Meine Mutter sagte immer, dass er niemals laut wurde und seine Kinder nie geschlagen hat…er hat alles mit seinen kleinen Augen gemacht. Ein kurzer Blick genügte und die Kinder haben pariert.

Meine Oma muss da schon anders gewesen sein. Sie hat meine Mutter gerne um den Tisch herum gejagt, mit dem Besenstil in der Hand. Meine Mutter hat später ihre zwei jüngeren Schwestern großgezogen, weil ihre Mutter sehr schwer herzkrank war.

Sie waren Selbstversorger und hatten einen riesigen Garten hinterm Haus. Meine Mutter musste da viel mitarbeiten, wie überhaupt im Haushalt und so. Sie hat auch keinen Beruf erlernt, weil sie sich um die Familie kümmern musste.

Meinen Vater hat sie „im Krieg“ kennengelernt. Er war Kriegsgefangener. Später dann frei und einfach in Carentan hängen geblieben. 1949 haben die Beiden geheiratet, 1950 wurde mein ältester Bruder geboren und im Oktober 1950 sind sie nach Deutschland gekommen. Meine Mutter hat das immer bereut. Aber, da war wohl mein Vater die treibende Kraft.

Von den Eltern meines Vaters weiß ich nicht so viel. Während meine Mutter immer von ihrer Kindheit, Jugend, Eltern und den Geschwistern erzählt hat, hielt sich mein Vater eher bedekt.

Mein Opa hieß Otto August und meine Oma Ludmilla – sie war aus Österreich. Sie starb relativ früh an Tuberkulose. Wann die Großeltern geboren wurden, weiß ich nicht.

Obwohl, wartet mal…ich guck mal ins Familienbuch, da muss das ja stehen. Nein, steht da leider nicht. 😦

Ich denke aber, dass sie auch 18 irgendwas geboren wurden. Mein Vater kam 1917 auf die Welt und hatte da schon einige Geschwister. Ich glaube, sie waren zu 6. Ich weiß es aber nicht genau. (Otto, Helmut, Paul, Hildegard, Erich und eine Elisabeth die auch als Kind gestorben ist … auch hier keine chronologische Reihenfolge).

Otto August hat später nochmal geheiratet. Meine Stiefoma hieß Maria und sie war ein Drachen. Meine Güte…das, woran ich Erinnerung habe, ist nicht schön. Sie hat meine Eltern bis aufs Blut nieder gemacht…so sehr, dass die zig mal umgezogen sind und irgendwie dennoch immer wieder an die Alte und den Alten gerieten. Ich selber hab sie nur zwei oder drei Mal gesehen.

Mein Opa muss auch nicht „ohne“ gewesen sein. Sein Ruf eilte ihm in Duisburg-Neumühl voraus und hier wurde immer gesagt, dass mein ältester Bruder viel von ihm hätte. Ich kann das nicht beurteilen…wie gesagt, ich kannte ihn nicht.

Ja, mehr kann ich von meinen Großeltern leider nicht berichten, aber ich denke, dass reicht ja auch schon. 🙂

Großmutter, das beste Stück

Leider habe ich als letztes Kind meiner Mutter (sie war bei meiner Geburt bereits 40 Jahre alt)

keine meiner Oma’s mütterlich- und väterlicherseits kennengelernt und kenne sie nur vom hörensagen. Meine Oma’s waren beide liebe und gute Frauen wie es Kinder sich wünschen.

Doch ich habe in den Weiten des Internets einen netten Artikel gefunden…..

Was lese ich….  Eine Großmutter ist eine Frau, die keine Kinder hat und deswegen die kleinen Jungen und Mädchen von anderen Leuten lieb hat.

Stimmt das? Oh nein!! Ich bin Oma von fünf Enkelkinder und sie sind mir alle an’s Herz gewachsen. Oma sein ist herrlich und schön.

Eine Siebenjährige erklärt eine Großmutter

Großmütter haben eigentlich nichts zu tun, sie müssen nur da sein. Weil sie alt sind, dürfen sie keine wilden Spiele machen, mit herumrennen und so. Aber das brauchen sie auch nicht. Es reicht, wenn sie uns auf den Jahrmarkt mitnehmen und genug Geld dabei haben Großmütter dürfen niemals sagen : „Los, beeile Dich !“
Meistens sind Großmütter dick. Aber so dick nun auch wieder nicht, daß sie einem die Schuhe nicht zubinden können.
Sie haben eine Brille und manchmal ganz ulkige Unterwäsche.
Richtige Großmütter können ihre Zähne aus dem Mund nehmen.
Eine Großmutter braucht nicht schlau zu sein, aber wenn ich sie frage: „Warum ist der liebe Gott nicht verheiratet?“ oder: „Warum können Hunde keine Katzen leiden ?“ , dann müssen sie das wissen.

Großmütter reden richtig mit uns. Nicht in so komischer Babysprache wie Leute, die uns manchmal besuchen kommen und die man so schlecht versteht.
Wenn Großmütter uns etwas vorlesen, dann ist das richtig schön. Sie lesen ein und dieselbe Geschichte auch immer wieder vor, wenn man das will und lassen nichts dabei aus.
Ich kann jedem empfehlen, eine Großmutter zu haben, vor allem wenn man keinen Fernseher hat.
Schließlich sind Großmütter die einzigen Erwachsenen, die Zeit haben.

entdeckt bei http://www.schmunzelmal.de/Grossmutter.htm

Großeltern-Ein Gedanke der mich etwas traurig macht

In der Regel hat man zwei Großelternpaare, väterlich und mütterlicherseits, auch bei mir war das so.

Leider habe ich meine Großeltern mütterlicherseits nie kennengelernt, nicht weil sie verstorben sind, das sind sie natürlich  auch schon, sondern weil es Streitigkeiten innerhalb der Familie gab. Sie waren mit der Wahl des Schwiegersohns nicht einverstanden und kurz nach meiner Geburt gab es wieder Streit und so haben meine Eltern den Kontakt zu Eltern/Schwiegereltern abgebrochen, auch zu den Geschwistern und meine Mutter hat  zu ihren Eltern nie wieder Kontakt gehabt. Natürlich haben mein Bruder und ich nach den Großeltern gefragt und Fragen nach dem Grund des Zerwürfnisses gestellt, doch nie konkrete Antworten bekommen, oder den Fragen wurde ausgewichen.  Vielleicht war es einfach zu schmerzhaft, ich weiß es nicht. Heute denke ich, wie schlimm muß es  doch eigentlich für meine Mutter gewesen sein, keinen Kontakt zu ihrer Familie mehr gehabt zu haben, was ist da vorgefallen, dass man einen Schlußstrich zieht.

Heute wünsche ich mir, einfach den Mut gehabt zu haben, bei diesen Großeltern vorbei zu gehen, sie zu fragen, warum alles so gekommen ist. Sie einfach mal zu sehen.  Als Kind und Jugendliche habe ich den Mut nicht besessen und irgendwann waren sie tot und es war zu spät.  Vielleicht wollte ich auch keine Wunden aufreißen…

Wir sind vom Heimatort meiner Mutter und Vater weit weg gezogen, doch die Großeltern väterlicherseits wohnten auch dort und sie waren uns gute Oma und Opa.

Heute denke ich manchmal, hättest du bloß den Mut gehabt. Meine Eltern sind nun auch verstorben und so wird es immer ein dunkler Fleck bleiben.

Ich wünsche allen frohe Ostern

Diese vier Menschen…

Großeltern…
Meine hießen Johanna, Herbert, Eva und Hermann. Das sind die Personen, die ich gern länger in meinem Leben gehabt hätte.

Ich war zwei, als Opa Hermann starb. An ihn habe ich keine Erinnerungen.

Drei war ich, als Oma Johanna, die Mutter meiner Mutter, starb. Der gemeine Krebs hat sie nicht älter als 54 Jahre werden lassen. Meine Mutti war damals gerade mal 24, hatte bereits zwei Kinder und eine besch*** Ehe. Was für ein riesengroßer Mist. Ich erinnere mich in wenigen „Standbildern“ an Oma Johanna. Sie hält mich an der Hand, als wir an der Straßenkreuzung stehen. Sie hält mir die Blechdose mit Pfefferminz entgegen, aus der ich etwas nehmen darf. Sie geht mit mir zur Tolette, als der Spinat, so wie er in mich rein kam, gleich wieder raus wollte…

Meine Oma Johanna war geschieden, genau wie meine Mutti später. Mein Opa Hermann starb, als ich acht war. Er war klein, hatte rote Haare und war unglaublich geschickt mit seinen Händen. In der Nachkriegszeit hat der damit „aus Sch*** Bonbon gemacht“, wie wir zu sagen pflegen. Das war aber auch bitter nötig, denn die Familie war alles andere, als wohlhabend. Später, nach der Scheidung meiner Großeltern, waren meine Oma Johanna und ihre drei Kinder allerdings noch viel ärmer dran. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich habe nicht direkt negative Erinnerungen an Opa Hermann. Wirklich nicht. Aber mein Wissen darum, dass er dreimal verheiratet war (immer mit einer Johanna übrigens – er konnte sich nie verquatschen), gibt ihm keinen übermäßig großen Platz in meinem Herzen.
Als ich etwa fünf, sechs Jahre alt war, sollten mein älterer Bruder und ich einmal bei ihm und seiner dritten Johanna über´s Wochenende bleiben. Obwohl beide wirklich lieb zu uns waren, hatte ich so irres Heimweh, dass wir nach der ersten Nacht doch wieder zu Mutti nach Hause gebracht wurden.

Dann gab es nur noch meine Oma Eva – die Mutter meines Vaters. Ich hatte sie sehr lieb. Und die Scheidung meiner Eltern, als ich sechs war,  hat unser Verhältnis nicht getrübt. Sie starb 1981 mit 81, als ich achtzehn war. Dieser Abschied damals war schwer.

Oma Eva kam aus reichem Hause, wurde jedoch von ihrer Familie in jungen Jahren für immer verstossen, als sie sich in einen Halbjuden verliebte. Mit ihm hatte sie drei Kinder, weiß ich. Was ich nicht weiß, ist, was die beiden getrennt hat. Aufgrund unserer etwas schwierigen Familiengeschichte habe ich nicht alles erfahren, was mir heute wissenswert erscheint…
Später traf meine Oma meinen Opa, einen Kommunisten. Sie selbst war übrigens bis an ihr Lebensende überzeugte Kommunistin. Dafür bewundere ich sie. Mit meinem Opa gemeinsam hatte sie viele Kinder – fast alles Söhne – (die musikalischen mit den schönen Stimmen…) – von denen mein Vater das vorletzte war.
Wenn ich später zu meiner Oma Eva kam, blubberte immer ein kleines Töpfchen mit Markknochen auf dem Küchenofen vor sich hin, dass dann die Basis für den weltbesten Möhreneintopf oder den weltbesten Bohneneintopf war, die ich je gegessen habe. Oftmals, wenn ich bei ihr war, war auch meine Tannte Anny da, und wir haben zu dritt Rommé gespielt.
Wenn Oma und ich jedoch alleine waren und Rommé gespielt haben, dann hat meine Oma oft „Schmu gemacht“. Das allerding so offensichtlich halb unterm Tisch, dass ich es sicher fast immer gemerkt habe. Ich habe sie aber immer gewähren lassen. Ich kann schon immer gut beim Spiel verlieren. Das kann schließlich nicht jeder. Aber jeder hat seine Schwächen…