Reizwort – Themenwoche 13.07. -19.07.2019

Etwas zu spät gepostet, aber schon wieder so viel um die Ohren gehabt…

Mein absolutes Reizwort zur Zeit ist der Begriff „Fremdbetreuung“. Der Begriff ist einfach so negativ besetzt. Was ist das überhaupt, „Fremdbetreuung“? Woher stammt dieses Wort?

Es setzt sich zusammen aus „fremd“ und „Betreuung“. Damit impliziert das Wort, dass unsere Kinder von jemandem betreut werden, der ihnen fremd ist. Daher auch dieser negative Beigeschmackt, der dem Wort anhaftet. Dabei glaube ich kaum, dass es viele Eltern gibt, die ihrer Kinder regelmäßig von Fremden betreuen lassen. Klar, da kann es Notfälle geben, in denen genau das eintritt. Aber selbst in Notfällen sind es dann doch meist zumindest Bekannte, Nachbarn etc., und nicht eben jemand wirlich „fremdes“.

Und wenn meine Kinder zur Tagesmutter oder in die Kita gehen, dann sind sie ganz gewiss nicht „fremd“ betreut. Denn dort haben sie eine oder mehrere Bezugspersonen, die ihnen Aufmerksamkeit und Zuneigung schenken, die ihre Macken und Wünsche kennen, und die sehr viel Zeit mit ihnen verbringen. Es sind keine Fremden, sondern vielmehr eine Erweiterung der Kleinfamilie.

Es gibt ein afrikanisches Sprichwort, dass sagt, es brauche ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen. Heutzutage gibt es das kaum noch. Selbst wer wirklich auf dem Dorf wohnt, hat nicht mehr zwangsläufig diese Nachbarschaft, die es früher gab.

Und in der Großstadt? Wo ist denn hier das Dorf, die Gemeinschaft, die sich um die Kinder kümmert? Der Ort, wo Kinder unbekümmert aufwachsen dürfen, auch mal unbeabsichtigt von den Erwachsenen einfach spielen und sich entwickeln können?

Natürlich ist auch eine Kita kein Ersatz für dieses Dorf. Aber wenigstens erweitert es doch den Kreis der Bezugspersonen, und den Kreis anderer Kinder, mit denen unsere Kinder tagtäglich Kontakt haben.

Meine Kleine Tochter freut sich übrigens jeden Morgen auf den Kindergarten. Und sie ist dort, seit sie 9 Monate alt ist.

Und gerade letzten Freitag war Abschiedsfeier für das Jahr, weil die Kinder nach den Sommerferien in eine neue Gruppe kommen. Und die Kindergärtnerinnen haben geweint, ebenso wie wir Eltern. Weil wir eben als Familie irgendwie zusammengewachsen sind in diesem letzten Jahr…

Von wegen „Fremdbetreuung“