Apfelküsse

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Das Haus lag im Dunkeln. Tim trat langsam in die Einfahrt und ging geradeaus am Haus und der Scheune entlang zur Obstbaumwiese. Es war ihm plötzlich peinlich, hier herumzuschleichen, und so nahm er sich vor, einfach bis nach hinten durchzugehen und dort über den Zaun zur angrenzenden Weide zu klettern, um dann quer über die Weide zurück auf den Schleusenweg zu gelangen. Als er unter den dichtbelaubten Apfelbäumen war, schrie er auf. Etwas Hartes hatte ihn über dem linken Auge getroffen. Kein Stein, so hart war es nicht gewesen, aber nass, und beim Aufprall an seiner Schläfe war es zerborsten.

Ein Apfel.

Vielmehr der Rest eines Apfels. Die Blüte und der untere Teil des Fruchtfleisches fehlten, die obere Hälfte mit Stiel lag in zwei Teilen vor seinem Schuh. Der junge Mann blieb stehen, sein Atem kam schnell und stoßweise. Im Baum über ihm raschelte es. Er schaute angestrengt durch die Blätter nach oben, doch es war zu dunkel. Tim hatte die Ahnung von etwas Großem, Weißem, das dort oben zu schimmern schien. Es raschelte erneut und die Äste des Baums zitterten heftig. Als das Mädchen mit einem Plumps vom Baum sprang, konnte Tim ihr Gesicht nicht erkennen. So dicht stand sie plötzlich vor ihm. Ihr Gesicht kam seinem noch näher, und sie küsste Tim auf den Mund. Er schloss die Augen und genoss. Ihr Mund war warm, weich und schmeckte nach Apfel, Nach Boskop. Und nach Bittermandel. Er sollte den Geschmack nie wieder vergessen.