Freundschaft und Liebe ist….

 

Freundschaft und Liebe ist……
wenn Menschen einander verzeihen – und dies immer wieder tun,
wenn Menschen einander nicht verraten,
wenn Menschen einander vertrauen,
wenn Menschen einander ernst nehmen,
wenn Menschen einander zulächeln,
wenn man einen Freund wissen läßt: Es ist gut, daß es dich gibt,
wenn man Gestolperten wieder auf die Beine hilft,
wenn man andere erträgt und ihnen nichts nachträgt,

wenn man nicht immer „wissen läßt“, daß man „etwas weiß“,
wenn man „trotzdem“ liebt und nicht zurückschlägt,
wenn man den anderen als angenehm empfindet und es ihm sagt,
und, und, und…….
Wenn sich jemand bei mir aus dem Staub macht, dann denke ich an
die Fallschirmchen einer Pusteblume….
fliege dahin und werde glücklich, aber verteile niemals einen „Unkrautsamen“

 

Ich wünsche Euch einen guten Start in die neue Woche

 

Frühling

Frühling

Was rauschet, was rieselt, was rinnet so schnell?
Was blitzt in der Sonne? Was schimmert so hell?
Und als ich so fragte, da murmelt der Bach:
»Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist wach!«

Was knospet, was keimet, was duftet so lind?
Was grünet so fröhlich? Was flüstert im Wind?
Und als ich so fragte, da rauscht es im Hain:
»Der Frühling, der Frühling, der Frühling zieht ein!«

Was klingelt, was klaget, was flötet so klar?
Was jauchzet, was jubelt so wunderbar?
Und als ich so fragte, die Nachtigall schlug:
»Der Frühling, der Frühling!« — da wusst‘ ich genug!

Heinrich Seidel
(1842−1906)

Apfelküsse

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Bildquelle: http://www.pixabay.com

Das Haus lag im Dunkeln. Tim trat langsam in die Einfahrt und ging geradeaus am Haus und der Scheune entlang zur Obstbaumwiese. Es war ihm plötzlich peinlich, hier herumzuschleichen, und so nahm er sich vor, einfach bis nach hinten durchzugehen und dort über den Zaun zur angrenzenden Weide zu klettern, um dann quer über die Weide zurück auf den Schleusenweg zu gelangen. Als er unter den dichtbelaubten Apfelbäumen war, schrie er auf. Etwas Hartes hatte ihn über dem linken Auge getroffen. Kein Stein, so hart war es nicht gewesen, aber nass, und beim Aufprall an seiner Schläfe war es zerborsten.

Ein Apfel.

Vielmehr der Rest eines Apfels. Die Blüte und der untere Teil des Fruchtfleisches fehlten, die obere Hälfte mit Stiel lag in zwei Teilen vor seinem Schuh. Der junge Mann blieb stehen, sein Atem kam schnell und stoßweise. Im Baum über ihm raschelte es. Er schaute angestrengt durch die Blätter nach oben, doch es war zu dunkel. Tim hatte die Ahnung von etwas Großem, Weißem, das dort oben zu schimmern schien. Es raschelte erneut und die Äste des Baums zitterten heftig. Als das Mädchen mit einem Plumps vom Baum sprang, konnte Tim ihr Gesicht nicht erkennen. So dicht stand sie plötzlich vor ihm. Ihr Gesicht kam seinem noch näher, und sie küsste Tim auf den Mund. Er schloss die Augen und genoss. Ihr Mund war warm, weich und schmeckte nach Apfel, Nach Boskop. Und nach Bittermandel. Er sollte den Geschmack nie wieder vergessen.

Fußball WM

Meine allererste Erinnerung an Fußball und Fernsehen und WM ist das Endspiel 1974. Ich erinnere mich für meine Verhältnisse sehr genau an dieses Ereignis. Ich war fünf und es war wahrscheinlich das erste Mal, dass ich fernsah und dass ich Fußball sah.

Die Familie versammelte sich also an diesem Sonntag Nachmittag vor dem Röhrengerät. Es war sehr neu für uns, weil Opa sich zur WM einen Farbfernseher gegönnt hatte. Da fiel die alte Schwarzweißkiste für uns ab. Wir waren damals Papi, Mami, der Fünfjährige und das Baby.

Nach wenigen Sekunden war der Ball im Tor, und soviel wusste ich schon, das muss gut sein. Also freute ich mich. Es war dann das einzige Mal, dass mein Vater mich wegen eines Fußballspiels rügte. „Das war die falsche Mannschaft, da freut man sich nicht!“ Meine Mutter versuchte zu schlichten, und nahm mich in Schutz: „Woher soll der Kleine das denn wissen?“

Im Laufe der nächsten Jahrzehnte habe ich weit über ein Jahr in Holland verbracht, zwar nie mehr als vier Wochen am Stück, aber immer und immer gerne, und gäbe es erneut ein Endspiel zwischen Deutschland und Holland, ich freute mich erneut über ein Tor von Oranje.

1982 war ich dann im Bilde, und wie es sich für das Alter gehört, ein absoluter Deutschlandfan. Unser Mathe., Bio- und Klassenlehrer war aus einer anderen Zeit und hatte für Fußball keinerlei Verständnis. Er war aber auch der Wanderführer des Sauerländischen Gebrgsvereins Sektion Ratingen und animierte uns häufig, an den Wanderungen teil zu nehmen. Einige haben die Einladungen angenommen, in irriger Hoffnung, dass sich dies auf die Noten auswirken könnte. Klein Chris wanderte gerne. Ich habe das wirklich gerne gemacht. Ich spielte ja weder Fußball noch Handball im Verein und hatte sonntags sonst wenig Vergnügen außerhalb der Familie und genauso wie heute mochte ich es, unbekannte Wege zu erforschen, neue Landschaften zu entdecken und Tiere und Pflanzen zu beobachten. Ich war ein komisches Kind, ich geb´s zu.

Am 11. Julie 1982 sollte dann wieder eine Wanderung sein und erstaunt musste Herr Dr. (phil,) Feuerstein feststellen, dass niemand sich meldete. WM Finale geht vor.

Am Montag nach der „Schande von Gijon“ schrieben wir eine Mathearbeit. Herr Feuerstein pflegte in den zwei Stunden nicht nur eine Zigarre zu rauchen, sondern auch die Zeitung zu lesen. Und da er ja wusste, wie wichtig uns Fußball war,  las er an diesem Tag auch den Sportteil, erst gelangweilt, dann immer interessierter, fast hektisch (was für seine Verhältnisse immer noch so angespannt war wie eine Weinbergschnecke auf Valium) und platze es aus ihm heraus: „Für diese Betrüger verzichtet Ihr auf die Wanderung durch die Eifel?!?“

Im Jahr 1985 hatte ich meine erste Freundin. 1985 gab es keine WM. Aber zehn Jahre später. Ich freute mich auf den Abend, Italien gegen Irland stand an, das erste Spiel in der Gruppenphase, und direkt so ein Knüller, die Iren nach dem Triumph (für irische Verhältnisse) 1990 wieder dabei. Und das Spiel sollte ja auch alles halten, was es versprach, die Iren gewannen 1:0. Endloser Jubel in green.

Ich habe es nicht gesehen, denn an diesem Abend eröffnete mir meine Freundin nach fast zehn Jahren, dass sie einen anderen liebte und ich nicht mehr der Richtige sei. Was im Rückblick auch stimmte, und ich kann sie gut verstehen und mit mir vor 24 Jahren hätte niemand etwas aufbauen sollen. Aber trotzdem, mir hat das damals den Abend versaut.

Ich habe danach jedes Spiel der WM 94 gesehen. Jeweils mindestens 90 Minuten, alle Verlängerungen und all das Drama im Elfmeterschießen. Jedes Spiel war wie eine Droge, die den Schmerz im Bauch, den Stich im Herzen für ein paar Minuten betäubte. Ich mochte Fußball schon vorher, ich bin mit Fortuna über die Dörfer gezogen, ich schaute mir gerne auch Spiele an, wo ich keinen Bezug hatte, aber in diesem Sommer 1994 habe ich begonnen, Fußball zu lieben.

Die WM 2018 läuft so an mir vorbei. Ich rege mich nicht auf, wenn Deutschland verliert, es sind ja keine Idole mehr für mich, keine Vorbilder, keine Helden, es sind junge Fußballprofis, fast 30 Jahre jünger als ich. Deutschland ist nicht mehr wichtig. Aber ich schaue immer noch gerne Fußball. Auch Iran gegen Marokko. Gerade Iran gegen Marokko. Sowas sieht man ja sonst nicht. Ich drücke Island die Daumen, aber genau das Spiel habe ich wegen der Arbeit komplett verpasst. Was mir früher Bauchschmerzen bereitet hätte. Aber ich komme drüber hinweg.

So long Chris