Der größte Vergnügungspark Nordeuropas…

…liegt etwa eine Autostunde von uns entfernt. Wir waren schon mehrmals da. Gern auch in der Vorweihnachtszeit, denn dann wird der Vergnügungspark zu einer Art Weihnachtsmarkt umgebaut. „Jul på Liseberg“ ist jedenfalls das, was in unserer Nähe unserer Meinung nach einem typisch deutschen Weihnachtsmarkt mit etwas Fantasie am nächsten kommt.

Im Sommer ist es in Liseberg verständlicherweise sehr voll. Man muss – wie in den meisten Vergnügungsparks – oftmals lange an den Fahrattraktionen anstehen. Mir ist das relativ egal, denn ich meide Achterbahnen und Co. Ich bin weder sonderlich höhentauglich, noch schwindelfrei. Wenn ich mir nur vorstelle, ich muss in einer Achterbahn Loopings und dergleichen über mich ergehen lassen, dann bekomme ich schon leichtes Herzrasen. Ich begnüge mich lieber mit gemäßigteren Vergnügungen, wie zum Beispiel Wasserbahnen. Was ich in Liseberg sehr mag, das ist das „Spökhotellet“. Wir sind schon ein paar Mal mit Freunden zum „Gruppengruseln“ drin gewesen. 😀

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Handy? Nur mit Vertrag…

Ich schrieb ja an anderer Stelle schon einmal, dass ich das Bezahlen kleinerer Beträge hier in Schweden meist mit einer App namens „Swish“ mache. Wie sicherlich mittlerweile mindestens die Hälfte der Bevölkerung. Dafür kopple ich meine Handynummer mit meinem Konto. Das geht mit Prepaid-Verträgen gar nicht. Glaube ich jedenfalls. Zumindest muß man jederzeit online gehen können und dafür das Guthaben auf dem Handy verfügbar haben.
Aber keine Sorge, wenn mir irgendwer das Handy klaut, dann kann er/sie noch lange keine Zahlungen mit meinem Swish von meinem Konto vornehmen. Zuallererst muss der- oder diejenige das Handy entriegeln. Das sollte aber eher eine der leichteren Übungen sein. Dann kann man die App durch Antippen einfach öffnen und eintragen, dass man (vorzugsweise an seine eigene Handynummer) eine Fantastillion „swishen“ will. Dass das klappt, ist aber natürlich reines Wunschdenken. Denn erstens habe ich ja schon einmal eine finanzielle Obergrenze gesetzt, die, wie sich sicherlich von selbst versteht, nicht sehr hoch ist. Zweitens kann man nur zwischen Handys „hin und her swishen“, die an dieses Geldtransfer-System mit ihrer Handynummer und natürlich ihrem Konto angeschlossen sind. Und Drittens muss man, damit der Vorgang auch wirklich ausgeführt wird, seine „mobile Bank-ID“ eingeben.
Diese Bank-ID ist wiederum eine App, die man auf dem Handy (oder z. B. auch auf dem Tablet) hat. Sie ist personengebunden. Man bekommt sie, wie der Name schon sagt, von seiner Bank. Alles mehrfach und gut abgesichert. Die mobile Bank-ID findet für viele unterschiedliche Dinge im Netz Anwendung. Man gibt damit sozusagen seine elektronische Unterschrift unter alle möglichen, ebenfalls elektronischen Dokumente. Man benutzt sie im Umgang mit Behörden, zum online-Banking, zur online-Bestellung von Medikamenten auf Rezept, man signiert seine Jahres-Steuererklärung, uvm.
Schon für diese zwei Apps brauche ich verständlicherweise ein Smartphone. Das Herunterladen und der Gebrauch beider Apps ist übrigens gratis. Aber auch für die Bezahlung von Fahrscheinen für Nahverkehrsmittel, oder von Parkgebühren nutzt man hier heutzutage größtenteils sein Handy.
Ja, ich weiß, das kann man alles auch sehr suspekt finden. Wir sind aber mittlerweile schon so daran gewöhnt, dass wir nicht mehr allzu viel darüber nachdenken. Das nennt sich wohl Fortschritt… Meine persönliche Ansicht hierzu ist ohnehin nicht gefragt. Ich kann mit der Zeit gehen, oder ich kann es lassen.

Zum Kuckuck…

Es gibt eine schwedische Tradition namens Gökotta. Gökotta bedeutet, daß man in einer Gruppe zeitig am Morgen raus in die Natur geht, um dort Vögel zwitschern, speziell aber den Kuckuck rufen zu hören. Damit verbunden macht man ein gemeinsames Morgen-Picknick und trinkt einen „Nubbe“. Nubbe ist ein kleiner Schnaps, etwa ein halbes Gläschen Brantwein, das natürlich nur die Erwachsenen trinken, dafür manche von denen auch aber gern in der Mehrzahl… 😉 In unserer Gegend wird der Gökotta traditionell am Christihimmelfahrtstag begangen. Natürlich hat man nicht immer das Glück, ausgerechnet zu dem Zeitpunkt und an dem Ort, den man dafür auserkoren hat, wirklich den Kuckuck rufen zu hören. Das ist ja aber in Gemeinschaft bei einem schönen Picknick (hierin sind die Schweden, glaube ich, ohnehin Weltmeister) nicht so schlimm. Nächstes Jahr gibt es ja wieder eine Chance…

Vor ein paar Jahren beschlossen unsere Lieblingsnachbarn, mit uns den Gökotta auf den Abend vor dem Christihimmelfahrtstag vorzuverlegen, da es am nächsten Morgen unangenehm kalt sein und regnen sollte. Sie haben uns damals diese Tradition erstmalig nahe gebracht.

Wir selbst wohnen ja schon mitten in der Natur – so, wie wir uns das in Deutschland niemals hätten leisten können. Unsere Nachbarn toppen unsere Wohnlage aber noch um einiges. Haus und Grundstück gehören schon seit ein paar Generationen der Familie unseres Nachbars. Es ist wunderschön. Hinter dem Haus befindet sich ein Berg, auf dem wir manchmal Lagerfeuer machen oder gemeinsam grillen. Ein Lagerfeuer mit Picknick da oben war auch für diesen Abend angedacht.

Wir wußten natürlich, dass die Chance, den Kuckuck tatsächlich rufen zu hören, eher gering war. Das tat der Freude an unserer gemeinsamen Unternehmung aber keinen Abbruch. Wir packten alles, was wir benötigten, in eine Schubkarre und auf ging es den Berg hinauf. Er ist nicht wahnsinnig hoch, aber warum soll man es sich unnötig schwer machen und schon außer Puste am Ziel ankommen, wenn es auch anders geht?

Oben angekommen wurden gleich die Aufgaben verteilt. Holz sammeln, Feuerstelle vorbereiten, Feuer entzünden (so, dass es auch wirklich brennt…), alles Mitgebrachte auspacken und zurechtlegen – alles, was man eben in so einem Fall so tut… Die Schubkarre, auf der sich weitere Holzscheite und ein paar „Notfalljacken“ befanden, wurde dann ein wenig abseits abgestellt, denn der Abend sollte ja in keiner Weise nach Arbeit aussehen. 😉

Als alles fertig war und das Feuer brannte, gingen wir zum gemütlichen Teil über. Wir aßen in aller Ruhe die leckeren Sachen, die wir vorbereitet und mitgenommen hatten, tranken heißen Tee, Kaffee, einen Nubbe, und unterhielten uns wie immer sehr angeregt. Wir lachten und genossen alle vier diesen „außerordentlichen Gökotta“. Auf das Feuer wurden hin und wieder ein paar neue Scheite aufgelegt, damit es nicht zu weit runter brannte und es ungemütlich werden konnte.

Als der Abend schon etwas fortgeschritten war, hörte ich zu meiner riesigen Freude plötzlich den Kuckuck rufen. Nur einmal, aber ich war mir sicher, dass ich mich nicht verhört hatte. Regelrecht aufgeregt vor Freude fragte ich die anderen sofort, ob sie den Ruf auch gehört hätten, was aber leider nicht der Fall war.

‚Hoffentlich ruft der Vogel noch einmal, damit die anderen nicht glauben, dass mir der Nubbe zu Kopf gestiegen ist‘, dachte ich. Aber nichts geschah. Wir lachten und schwatzten weiter. Das Feuer brannte und wurde allmählich wieder etwas kleiner. Unser Nachbar holte gerade Nachschub von der Schubkarre, als der Kuckuck wieder rief. Ich sprang von meinem Sitzplatz auf und fragte die anderen ganz aufgeregt, ob sie den Ruf jetzt gehört hätten. Sie sahen mich an, verneinten, verharrten aber auch bei dem, was sie gerade getan hatten. Ich war schon fast etwas traurig geworden, da ich meine Freude nicht teilen konnte, als der Kuckuck wieder rief. Und wieder, und wieder, und wieder. Jetzt hörten es alle, denn wir waren ja für den Moment mucksmäuschenstill. Und wieder… Der Ruf war sogar recht nahe! Mit vor Freude und Begeisterung glänzenden Augen und einem Breiten Lächeln auf den Lippen sah ich die anderen triumphierend an. Und wieder der Ruf. Ich schlich, so leise es ging, in die Richtung, aus der der Ruf kam. Der Nachbar mußte den Ruf ja sogar noch deutlicher hören, als wir, denn die Schubkarre, an der er gerade zugange war, stand genau in der Richtung. Und wieder…

Wie in Zeitlupe sehe ich noch heute vor meinem geistigen Auge, wie der Nachbar ganz langsam den Arm unter einer der Ersatzjacken hervorzieht und etwas in der Hand hält. Ein Buch. Ich erkannte es sofort wieder, denn wir besitzen das gleiche. Auf Seite 118 ist der Kuckuck abgebildet. Nebst seiner Beschreibung steht auf dieser Seite auch die Zahl 082. Sie verweist auf die Tondatei mit der Nummer 082. Wenn man am rechten Rand des Buches die Nummer 082 aufruft und dann den „Play“-Knopf drückt, dann hört man einen Kuckuck rufen. Den Ruf kann man natürlich wieder und wieder abspielen. Ein tolles Buch ist das.

Gut vorbereitet, Herr Nachbar!

Ich muß diese Geschichte immer mal wieder irgendwem erzählen, da ich sie zu lustig finde und auch über mich selbst lachen kann. Gleichzeitig zeigt sie mir, dass unsere Nachbarn uns wertschätzen und uns auch gern eine Freude machen. Das beruht auf Gegenseitigkeit und es muss überhaupt nichts kosten, andere Menschen für einen Moment glücklich zu machen.

https://www.fågelsång.se/goek/
gök

 

Kohle • Pulver • Knete • Zaster • Moos • Kies • Schotter …

… ist das, was wohl – wenn wir ehrlich sind – jeder von uns gern reichlich hätte. Zumindest in der Menge, wo es beruhigend wirkt. Glücklich macht das Zeug ja nicht. Wer das doch glaubt, der ist definitiv auf dem Holzweg. Ich denke aktuell gerade an Avicii. Der „arme“ junge Mann mit seinem großen Talent ist gerade mal 28 Jahre alt geworden. Geld hatte er unglaublich viel. An manchem Abend hat er eine halbe Million Brutto verdient. Glück hatte er leider nur sehr wenig.

R.I.P. Tim Bergling †

Zurück zum Geld: Hier in Schweden ist Geld bald nur noch ein Produkt unserer Phantasie. Denn Bargeld verschwindet mehr und mehr aus unserem Alltag. Und das mit hoher Geschwindigkeit. Hier bezahlen die meisten so gut wie alles mit Karte – mich eingeschlossen. Geht es um kleinere Beträge, vielleicht für die Eier, die ich bei der Nachbarin kaufe, dann haben wir eine App namens Swish im Handy, mit der wir schwuppdiwupp jeden noch so kleinen Betrag von A nach B „swishen“. Tanken mit Bargeld an der Tankstelle meines Vertrauens ist schon seit Jahren nicht mehr möglich. Ich hatte im Winter mal mein Portemonnaie daheim vergessen und der Tank war fast leer. Keine Karte, kein Bargeld, nichts hatte ich dabei. Ich fragte einen Kollegen, ob er mir bis zum nächsten Tag 100 Kronen (10 Euronen) leiht, damit ich auf dem Heimweg etwas in meinen Tank füllen kann. Ich bekam ohne zu zucken 500 Kronen, schleppte mich mitsamt meinem Auto und einem leicht mulmigen Gefühl zur Tankstelle auf der Hälfte meines 50 km langen Heimwegs und … konnte nicht tanken, weil es keine Möglichkeit gab, mit Bargeld zu bezahlen! Das ist zwar gut für das Tankstellenpersonal, aber nicht unbedingt für leere Autotanks.
Ich muss damals derart bedeppert drein geschaut haben, dass mich eine ganz nette Frau fragte, ob ich auf ihre Geldkarte tanken und ihr stattdessen mein Bargeld geben wolle. Was war ich froh und dankbar. Da hat man Geld und hat doch keins! Verrückte Welt…
Es hat natürlich Vorteile, wenn man Bargeld – vor allem in größeren Beträgen – nicht bei sich hat. Es kann einem nicht geklaut werden, man kann es nicht verlieren, es kann nicht ins Klo fallen… Aber Geld darf aus meiner Sicht keine vage Vorstellung sein. Wenn ich an Geld denke, dann denke ich doch nicht an irgend welche Zahlen, sondern vor meinem geistigen Auge sehe ich „richtiges“ Geld. Scheine, Münzen, und davon viel! 😁
Wie kann man als junger Mensch eine gesunde Relation zum Geld entwickeln, wenn man doch nur das Wort kennt? Wie kann man kleine Beträge in ein Sparschein stecken? Wie sein erstes Eis selbst kaufen, obwohl man noch kaum über den Tresen schauen kann? Wie soll man sich freuen können, dass man in der Jeanstasche einen Zwanni gefunden hat, wenn da unmöglich einer sein kann? Wie kann man kleine Restbeträge sparen, um sich davon irgendwann ein schönes Essen, einen Ausflug, oder sonst etwas zu gönnen? Wo soll man noch einen Glückspfennig (Cent) finden können?
Mir graut vor dem Tag, an dem das Bargeld mehr oder weniger komplett von der Bildfläche verschwunden sein wird. Auch, wenn es mir dann nicht aus der Tasche geklaut wurde, werde ich mich dennoch beraubt fühlen. Und eins steht fest: Wenn einer den Stromstecker zieht, dann ist das Geld auch weg, denn dann spuckt kein Automat mehr was aus, und den Kontostand kann man auch nicht aktuell überprüfen. Der ist aber dann ohne Strom sowieso NULL…

„Du kannst mich mal…

…gern haben!“ ist die höfliche Form von teilweise deutlich krasseren Kraftausdrücken. „Sie können mich mal gern haben!“ habe ich übrigens, glaube ich, noch nie gehört.

Viele Leute sind der Meinung, daß ein „Sie A***“ besser und deutlicher klingt, als gleiche Beschimpfung mit „Du“ davor. Ich weiß nicht. Ich denke, es spielt keine Rolle, welches Personalpronomen man benutzt. Beschimpfung bleibt Beschimpfung. Es kann wohl schlecht verkannt werden, was man zu seinem Gegenüber sagt. Außerdem scheint die Sieform beim tatsächlichen Beleidigen anderer Personen – speziell im Straßenverkehr – dann doch sehr unüblich zu sein. Im ➡️ Bußgeldkatalog taucht in der Auflistung der „gängigen Beleidigungen“ im Staßenverkehr nämlich nicht einmal ein „Sie“ auf.

Aber zur eigentlichen Frage: „Sollen wir das Siezen abschaffen?“
Antwort: Keine Ahnung. Hierfür bedürfte es definitiv einer Volksabstimmung. Und dieser vorausgehend natürlich einer Befragung der Allgemeinheit. Vielleicht gab und gibt es hierzu schon Initiativen. Das weiß ich nicht.

Ich lebe seit bald 15 Jahren in Schweden und habe hier noch nie „Sie“ zu einer Person gesagt, denn vom Königshaus habe ich bisher noch niemanden getroffen. Hier in Schweden ist das Siezen seit Jahrzehnten sehr unüblich geworden. Es kommt in seltenen Fällen noch vor, sollte dann aber wohlbedacht gewählt werden, weil ein fortwährendes Siezen sehr unhöflich ist. Wer am Hintergrund der „Du-Reform“ in Schweden interessiert ist, kann ➡️ hier gern darüber lesen.

Hier sagen wir übrigens nicht nur permanent „Du“ zueinander, sondern sprechen uns auch alle nur mit unseren Vornamen an. So, wie ich „Britta“ zu meiner Nachbarin sage, würde ich „Stefan“ zum Ministerpräsidenten Stefan Löfven sagen.
Mittlerweile ist das völlig normal für mich. Ich denke darüber nicht mehr nach. Und die Nachnamen anderer Personen sind mir auch weitestgehend egal, solange ich sie nicht wissen muß, um zum Beispiel ein Formular ausfüllen zu können.

Das Duzen reicht sogar so weit, daß alle Chefs – egel wie „hoch“ – der deutschen Niederlassung meiner Firma (in der ich angestellt bin) durchgängig geduzt und auch nur mit ihren Vornamen angesprochen werden. Wir sind die Mutterfirma – der Firmensitz – wir machen die Regeln… 😀

Mir gefällt diese Umgangsform mittlerweile übrigens richtig gut. Ich hinterfrage sie gar nicht mehr. Früher in Deutschland wäre das für mich nahezu undenkbar gewesen. Aber die Dinge und Situationen ändern sich. Für uns alle und ständig. Das ist der Lauf der Zeit…

Das Bild hat zwar schon paar Jahre auf dem Buckel, aber mir gefällt´s. 😆

 

Drei Länder…

…sind heutzutage meine Lieblings-Urlaubsländer. Ich habe lange überlegt, kann und will mich aber nicht für nur eins entscheiden.
Norwegen haben wir seit 1995 häufig bereist. Teils mit Freunden, aber auch gern nur in Familie.  Norwegens Natur finde ich majestätisch und berauschend. Ein wunderschönes Land. Die Jahrtausendwende haben wir damals in Norwegen verbracht. Fernab des Trubels in Deutschland am Sognefjord. Das Wetter meinte es leider nicht allzu gut mit uns. Mitunter konnte man das Haus kaum verlassen. Und es war dunkel. Morgens um neun noch und nachmittags um drei schon wieder. Spätenstens da wußte ich, dass ich Norwegen als Urlaubsland immer lieben würde, mir als Land zum Leben allerdings nicht vorstellen könnte.

Schweden kam etwas später als Urlaubsziel hinzu. Anfang der 2000er Jahre. In Schweden habe ich, verglichen mit Norwegen, eine Lieblichkeit der Natur entdeckt, der ich von da an nicht mehr widerstehen konnte. Noch heute, nach bald 15 Jahren Leben in unserer neuen Heimat, fahre ich unglaublich gern hier in Schweden in den Urlaub. Das Land ist fast überall schön und die Natur bezaubert mich immer wieder. Und je weiter unsere Urlaubsreisen uns in den Norden Schwedens führen, um so wohler fühle ich mich. Ich habe gemerkt, dass ich nicht unbedingt viele Menschen um mich haben muss. Zum Leben so weit im Norden müsste man allerdings auch Arbeit vor Ort haben und mit der winterlichen Dunkelheit klar kommen. Beides ist mir (uns) nicht gegeben. Deshalb sind wir in Mittelschweden auch gut aufgehoben. In Schweden sagt man: „Borta är bra men hemma är bäst.“, was soviel bedeutet wie: Verreisen ist schön, aber zuhause ist es am schönsten. Und das stimmt ja auch. 🙂

Seit wir in Schweden leben, habe ich mein Heimatland als Urlaubsland mehr und mehr lieb gewonnen. Denn wir bereisen Deutschland jetzt als Touristen. Mit den Problemen des Alltags, dem Stress und den Irritationen haben wir nichts mehr zu tun. Dadurch können wir jeden Aufenthalt viel mehr genießen, als früher. Und – was wir schon immer wußten: Auch Deutschland ist ein wunderschönes und einzigartiges Urlaubsland. Es gibt unendlich viel zu sehen und zu entdecken. Für uns kommt hinzu, dass das deutsche Essen auf deutschem Boden zu einem absoluten Highlight geworden ist. Und die Muttersprache überall bewußt und unbewußt zu hören gibt uns zum Urlaubs- auch noch ein Heimatgefühl.

Heimaten

Jepp, das ist der Plural des Wortes Heimat. Denn laut Duden ist Heimat

Land, Landesteil oder Ort, in dem man [geboren und] aufgewachsen ist oder sich durch ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt

Und schon in meinem „alten“ Blog bei blog.de habe ich den Begriff für mich so definiert:

Heimat…neue und alte Heimat. Die Heimat, in der ich geboren wurde, aufgewachsen bin und 40 Jahre gelebt habe. Dresden. Sachsen. Deutschland. Und die zweite (neue) Heimat Schweden, in der ich seit mehr als 13 Jahren lebe und in der ich bis ans Ende meiner Tage bleiben will, wenn nichts dazwischen kommt.

Ich mag jetzt keine ellenlange Geschichte über die Vergangenheit erzählen. Es gab bei mir, wie bei allen, gute Zeiten und schlechte Zeiten in allen Lebensbereichen. In der alten Heimat genau so, wie in der neuen. This is live. Jede Heimat hat ihre Vor- und Nachteile. Keine meiner Heimaten ist besser, als die andere. Sie sind nur sehr verschieden. Und ich lebe in unterschiedlichen Phasen meines Lebens in ihnen.

Ich mag jetzt auch keine ellenlange Erklärung abgeben, was mich (uns) bewogen hat, unsere alte Heimat gegen unsere neue Heimat einzutauschen. Nur so viel (und das ist sehr wenig): Irgendwann, nicht allzu lang, bevor wir nach Schweden ausgewandert (welch blödes Wort) sind, habe ich mir die Frage gestellt: ‚Kann und soll das schon alles sein? Was kommt noch?‘ Sehr abstrakt – ich weiß. Aber genau so war es. Etwas später hatte ich in Schweden (damals im Urlaub) so etwas wie eine Eingebung. Das klingt vermutlich auch ziemlich doof, aber sorry, ich weiß nicht, wie ich es anders formulieren soll: ‚Hier will ich leben. Hier gehöre ich hin.‘ Ein ganz tiefes, bestimmtes Gefühl war das damals. Und obwohl ich Veränderungen eigentlich nicht sonderlich mag, und freiwillig nicht einmal Möbel umstelle, war diese ganze Umzugsgeschichte in ein neues Land, dessen Sprache ich noch nicht einmal konnte, für mich fast ein Kinderspiel.

In der Ultrakurzfassung war es so: Von der Entscheidung bis zum Umzugstermin verging etwa ein halbes Jahr. Wir haben hier in Schweden ein Haus gemietet (das wir ein paar Jahre später dann auch gekauft haben). Mein Mann ist schon ein paar Wochen vor uns (unserem Sohn und mir) hierher gezogen, hat Haus und Grundstück etwas auf Vordermann gebracht und sich eine Arbeit gesucht. Dann ist er ein paar Tage vor dem Umzugstermin heim gekommen, wir haben all unser Hab und Gut entweder verscherbelt, verschenkt, entsorgt, oder in einen Lkw und zwei Pkws verladen, und sind damit am 3. Oktober 2003 in Rostock auf die Fähre drauf und in Trelleborg wieder runter. Dann noch etwa drei Stunden Autofahrt, und da waren wir. In der neuen Heimat. Mit Hilfe von Freunden haben wir innerhalb von ein paar Stunden die Autos aus- und das Haus eingeräumt und fertig. Etwa vier Wochen später habe ich meinen Schwedisch-für-Einwanderer-Kurs begonnen und ca. zwei Wochen darauf hatte ich plötzlich auch schon eine Arbeit.

Daß wir hier sehr schnell neue Bekanntschaften geschlossen und Anschluß gefunden haben, das schreibe ich vor allem der Kontaktfreudigkeit meines Mannes zu. Er kann ungehemmt auf andere Menschen zugehen und  ein unverfängliches Gespräch beginnen. Das ist etwas, das ich nicht kann. Wir sind diesbezüglich sehr verschieden. Aber ich kann mich leicht hinzu gesellen. Wir waren binnen kurzer Zeit Teil einer Gemeinschaft. Wir haben aktiv am Vereinsleben unseres Freizeitklubs teil genommen, uns engagiert, und Kontakte mit unseren Nachbarn gepflegt. Es hat nicht lange gedauert und wir haben uns heimisch gefühlt. Dieses Gefühl ist seitdem ungebrochen. Schon nach sehr kurzer Zeit haben wir mit Gewißheit gesagt, daß es für uns kein Zurück gibt.

Heimat ist einzig und allein da, wo das Herz ist.

Natürlich habe ich in den vergangenen Jahren auch darüber nachgedacht, was wäre, wenn. Wenn mein Mann plötzlich nicht mehr da wäre. Ich habe in mich hinein gehorcht, ob da das Gefühl von Heimweh nach Deutschland schlummert, aber es kam nichts. Ich empfinde schon lange kein Heimatgefühl mehr, wenn ich an Deutschland denke. Ich habe ein Leben hier in Schweden, und ich habe die zwei für mich wichtigsten Menschen hier. Das ist alles, was für mich zählt.

Deutschland mag ich heute viel mehr, als früher. Heute denke ich an die wunderschönen Landschaften, an unsere Freunde, an das tolle Essen, wunderbare Restaurants, an netten Menschen, an unsere Muttersprache, an den heimischen Dialekt, an deutschsprachige Lieder, an deutsche Weihnachtsmärkte und so vieles mehr. Wenn wir heute nach Deutschland kommen (was nicht mehr oft vorkommt), dann fühlen wir uns wie Touristen, die immer wieder gern in das selbe Land reisen. Die Heimat Deutschland ist Vergangenheit, aber die Erinnerung daran bleibt.